Lokales

Kleinere Lösung an neuem Standort

Die "kleinere Lösung" könnte an einem neuen Standort salonfähig werden: Bei drei Enthaltungen stimmte das Kirchheimer Ratsgremium gestern im Grundsatz der Planung eines neuen, kleinen Hallenbades auf dem Freibadareal am Standort der Gaststätte Hutteninsel zu.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Die jetzt vorliegende Konzeption der Firma K-Plan siedelt das neue Bad nicht mehr auf der von der Lindach umflossenen Halbinsel an, sondern ganz in der südwestlichen Ecke des Areals. Auf der Landzunge zwischen Gießnau und Lindach sollen 122 Parkplätze (gut ein Drittel der ursprünglich ins Auge gefassten Zahl) für die Badegäste entstehen, die von dort via Steg über die Gießnau das Bad erreichen. Wie Hochbauamtsleiter Wolfgang Zimmer erläuterte, umfasst das mögliche Raumprogramm ein Sportbecken mit 12,5 mal 25 Meter, einen Wasserspielbereich für Kinder, weiter die übliche Ausstattung eines Bades von den Umkleidekabinen bis zu den Duschräumen. Im Untergeschoss auf dem Niveau der Liegewiese ist ein Saunabereich vorgesehen. Die Galerie im Obergeschoss bietet "Attraktivierungsmaßnahmen", wie Zimmer formulierte, von der Sonnenwiese bis zum Dachgarten.

Was die Ratsmitglieder, die gestern zum letzten Mal in "alter" Konstellation zusammensaßen, überzeugte, war vor allem der neue Standort. Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker nannte die bessere städtebauliche Einbindung wie auch Gründe des Naturschutzes als ausschlaggebende Faktoren für die Verlagerung. Das ursprünglich vorgesehene Gelände sei nun viel besser nutzbar, lobte Hagen Zweifel im Namen der Freien Wähler, der in der Zusammenlegung von Frei- und Hallenbad einen wesentlichen Vorteil sah. Allerdings plädierte er angesichts der angespannten finanziellen Lage dafür, die Prioritäten zu überdenken. Da das alte Bad nun doch noch zur Verfügung stehe, sei der Druck nicht so groß, dass vor der im Winter geplanten Klausurtagung eine weitere Entscheidung gefällt werden müsse.

Von einem "gelungenen Wurf", der in den Größenverhältnissen nun viel mehr den Kirchheimer Bedürfnissen entspreche als das im vergangenen Jahr angedachte "Sport- und Familienbad", sprach der CDU-Fraktionsvorsitzende Helmut Kapp. Während für die große Lösung von einer Investitionssumme von 18 Millionen Euro die Rede war, standen nun zehn Millionen im Raum.

Auf die Nutzung aller nur möglichen Synergieeffekte hob Karl-Heinz Schöllkopf (Grüne Alternative) ab. Darauf müsse der Entwurf nun speziell abgeklopft werden, könne er doch nicht unbeeinflusst von betriebswirtschaftlichen Erkenntnissen bestehen und umgekehrt. Schöllkopf forderte, emtsprechend den Vorüberlegungen im Ausschuss, momentan lediglich der Grundidee des neuen Standorts zuzustimmen. Im Rahmen eines Bürgerhaushalts könnten die Kirchheimer in punkto Finanzierung befragt werden.

Für den Standort und die abgespeckte Planung konnte sich auch Bodo Schöllkopf (SPD) erwärmen. "Das Kirchheimer Bad muss auf jeden Fall etwas Besonderes sein, das nicht nach zehn Jahren wieder out ist", warnte er vor 08/15-Anlagen, wollte aber "Firlefanz" auf den Prüfstand gestellt wissen. Als positive Beispiele nannte er das Wernauer Hallenbad und die Beurener Panoramathermen.

Lediglich als "brauchbar" bezeichnete dagegen FDP-Mann Bernhard Most die Überlegungen zum neuen Standort und gab in diesem Punkt der alten Planung klar Vorrang. Zwar sprach auch er sich für die räumliche Bündelung beider Bäder aus, wagte jedoch nicht, von allzu großen Synergieeffekten auszugehen, seien doch beispielsweise die Ansprüche an Umkleidekabinen für Frei- und Hallenbäder völlig unterschiedlich. Gerade im Weiterbetrieb des alten Hallenbades, der durchaus auch kostenintensiv sei, sah Most die Gefahr, nun zu viel Zeit mit verschiedenen Überlegungen zu verlieren.

Einhellig machten die Räte den Höhenunterschied als größtes Manko an der vorliegenden Planung aus: Das Niveau des Hallenbades liegt drei bis vier Meter höher als das des Freibades, was den Wechsel vom einen in den anderen Bereich unattraktiv macht. Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker plädierte nicht zuletzt deshalb ebenfalls dafür, lediglich den Standort abzusegnen und sich ansonsten von der Planung zu trennen: "Wir steigen neu ein", meinte sie optimistisch.

Zunächst soll die Verwaltung möglichen Finanzierungs- und Betreibermodellen durch private Investoren oder die Stadt nachgehen, um handfeste Kostenberechnungen zu ermöglichen, die auch steuerliche Aspekte umfassen. Außerdem sind die Erfahrungen vergleichbarer Bäder gefragt.