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Klimafreundliche Kraft aus der Tiefe ist der "große Renner"

Klimaschonend, unerschöpflich und wirtschaftlich: Erdwärme als Energiequelle erfreut sich immer größerer Beliebheit. Dementsprechend groß war auch das Interesse an einer Infoveranstaltung in der Dettinger Schlossberghalle, bei der die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner über "Geothermie im Mix regenerativer Energien" referierte.

BIANCA LÜTZ

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DETTINGEN "Oberflächennahe Geothermie ist der große Renner", sagte Umweltministerin Tanja Gönner, die auf Einladung des Kirchheimer CDU-Landtagsabgeordneten Karl Zimmermann in die Dettinger Schlossberghalle gekommen war. Im April vergangenen Jahres hatte das Land unter dem Motto "Kraft, die aus der Tiefe kommt" ein Programm zur Förderung oberflächennaher Geothermie für Ein- und Zweifamilienhäuser gestartet. "Wir wollten das Bewusstsein des Einzelnen wecken", erläuterte Gönner.

Das ist offenbar geglückt: "Es wurden 1 665 Anträge auf Förderung gestellt", freute sich Karl Zimmermann. Zu den Spitzenreitern gehört der Landkreis Esslingen: "Mit 138 Anträgen besteht dort ein überdurchschnittliches Interesse an Erdwärme", sagte die Umweltministerin und brachte frohe Kunde für Antragsteller: "Wer seinen Förderantrag bis zum 31. Dezember eingereicht hat, kann bei Einhaltung der Kriterien von einer Zusage ausgehen." Das ist möglich, weil das Land aufgrund des Andrangs die Fördersumme jüngst auf vier Millionen Euro verdoppelte.

In diesem Jahr wird es kein neues Förderprogramm des Landes für Privathaushalte geben. "Wir prüfen im Rahmen des Haushalts für 2007, ob wir weitere Mittel zur Verfügung stellen können", versprach Gönner. In der Zwischenzeit springe die EnBW in die Bresche: "Sie hat eine Million Euro draufgelegt und fördert entsprechend der Kriterien des Landes weiter."

"In Baden-Württemberg herrschen relativ günstige Verhältnisse für Geothermie", betonte Dr. Joachim Hönig von BWU, Institut für Umwelt und Hydrogeologie in Kirchheim. Sowohl die Dicke der Erdkruste als auch die geothermische Tiefenstruktur seien vorteilhaft: Steige die Temperatur normalerweise drei Grad je 100 Meter Tiefe, so liege der Wert rund um die Teck bei sechs Grad. Allerdings gibt es bei der Erdwärmenutzung auch Einschränkungen. "25 Prozent der Fläche im Land liegen in Wasserschutzgebieten", informierte Dr. Wilhelm Schloz, einst beim Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau im Regierungspräsidium Freiburg tätig. Da die Wirkungen der Stoffe, die bei der Bohrung abgegeben werden, noch nicht ausreichend untersucht sind, ist Erdwärmenutzung im Wasserschutzgebiet verboten.

Ein Problem, das dem Dettinger Bürgermeister Rainer Haußmann wohl bekannt ist: "In unserem neuen Baugebiet Goldmorgen / Obere Straßenäcker planen wir ein Quartier für Passivhäuser", sagte er. "Wir denken daran, dort Geothermie anzubieten." Schwierig ist das unter anderem, weil die künftigen Häuser im Wasserschutzgebiet liegen. "Das Landratsamt hat eine zentrale Erdwärme-Anlage außerhalb des Schutzgebiets empfohlen", berichtete Haußmann. Wilhelm Schloz machte Mut: "Ich sehe Chancen, hier etwas zu realisieren". So sei etwa eine größere Geothermieanlage mit mehreren Bohrlöchern a 150 oder 200 Metern möglich.

"Wir stehen Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite", versprach Tanja Gönner dem Dettinger Rathauschef. Möglich sei zudem eine finanzielle Unterstützung für die zentrale Geothermie-Anlage. "Allerdings können wir keine Mittel für die Erkundung des Vorhabens bieten."

"Baden-Württemberg ist in Sachen Geothermie die absolute Nummer eins", so die Umweltministerin. Diese Vorreiterrolle wolle das Land behalten: "Ein technischer Vorsprung bringt uns auch unglaubliche ökonomische Möglichkeiten." Aus diesem Grund investiere das Land auch in die Weiterentwicklung von Bohrtechniken und Wärmepumpen.

Eine Lanze brach Tanja Gönner aber nicht allein für Erdwärme. "Es sollten alle Arten regenerativer Energien genutzt werden, um Abhängigkeit zu vermeiden", sagte sie. Ein Mix alternativer Energien zu denen auch Solarthermie, Biomasse, tiefe Geothermie, Wind- und Wasserenergie gehören könne Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz bieten. "Bis 2010 soll die Erzeugung von Strom durch regenerative Energien auf 11,5 Prozent steigen", so Gönner. Derzeit betrage der Anteil acht Prozent.

Auch zahlreiche Fragen zum Thema Erdwärmenutzung aus dem Publikum konnten die Fachleute klären. Dr. Schloz nahm einem besorgten Bürger die Angst vor Erdbeben: "Die Gefahr für die Sonden durch Erdbeben ist zu vernachlässigen." Als Abstand zwischen den Bohrungen empfahl Schloz zehn Meter. "Das heißt, der Abstand zum Nachbargrundstück sollte auf jeden Fall fünf Meter betragen." Ein Kirchheimer Ingenieur ärgerte sich darüber, dass die Kosten für Bohrungen zu teuer seien. Auch Tanja Gönner betrachtete die Verteuerung durch die steigende Nachfrage mit Argwohn: "Es ist nicht Sinn und Zweck, dass wir die Preise mit unseren Förderungen in die Höhe treiben", forderte sie einen Wettbewerb zwischen Bohrfirmen.

Mit einem Eintrag verewigte sich die Umweltministerin im Goldenen Buch Dettingens und wünschte der Gemeinde "viele weitere Geothermievorhaben".