Lokales

Klingende Hommage an George Gershwin

Die Sopranistin Gudrun Kohlruss und die beiden Pianisten Michael Kuhn und Andreas Kersten gastierten im Kornhaus

Kirchheim. Nach ihrem gefeierten Auftritt im August letzten Jahres im Marstallgarten mit dem Tenor Omar

Ernst Kemmner

Garrido Mendoza und einem „Ausflug in die Welt der Oper“, präsentierten sich die in vielen Gesangsfächern profilierte Sopranistin Gudrun Kohlruss und das Klavierduo Michael Kuhn und Andreas Kersten diesmal mit „’S Wonderful“, einem bunten Fächer mit pianistischen Arrangements, Erfolgstiteln und regelrechten Evergreens von George Gershwin (1898 – 1937). Ob es an der trockenen und spröden Akustik des Kornhauses lag, welche die Spitzentöne an diesem Abend oft sehr schrill erscheinen ließ, oder ob die Sprachbarriere der durchgehend englischen Texte eine Rolle spielte – der Funke wollte zunächst nicht so richtig auf die mit verhaltenem Beifall reagierende Zuhörerschaft überspringen. Zudem merkte man der Sopranistin bei den ersten Titeln „Embraceable you“ und „Somebody loves me“ eine gewisse Anspannung und Nervosität an, die sich andeutungsweise bei der Atemtechnik bemerkbar machte und ihre nuancenreiche Stimme noch nicht so recht zur Geltung kommen ließ.

Vielleicht war auch ein Grund für den etwas tastenden und glanzlosen Beginn, dass Kohlruss neben ihrem anspruchsvollen Gesangspart zudem noch Moderation und Kommentierung des Programms zu bewältigen hatte. Erst beim 1924 komponierten und weltweit berühmt gewordenen, mit sehnsuchtsvoller Emphase vorgetragenen „The Man I love“ hatte sich Gudrun Kohlruss „freigesungen“ und legte einen stimmlich überzeugenden Vortrag hin. Eine gelungene gesangliche und schauspielerische Performance auch bei der vokalen Herausforderung von „’S Wonderful“, wenngleich beim exponiert hohen Abschlusston die Intonation nicht ganz stimmte. Mitreißend erklangen hier auch die jagenden Rhythmen der Klavierbegleitung von Michael Kuhn und Andreas Kersten, insbesondere im furiosen Zwischenspiel.

Als nächster Programmpunkt folgte George Gershwins Originalfassung für zwei Klaviere von 1928 von „An American in Paris“. Für die beiden Pianisten ein wahrhaft dicker Brocken: scheinbar völlig voneinander abgelöste Klavierstimmen, vertrackteste Rhythmuswechsel, stetig wechselnde Motive in vielfacher Variation; all dies gut abgestimmt zusammenzubringen, erforderte großes Können und höchste Konzentration.

Im zweiten Gesangsblock ließ Gudrun Kohlruss danach das zu Herzen gehende „Soon“, ein packend rhythmisiertes „Fascinating Rhythm“ und das schwungvolle, mimisch-gestisch gekonnt unterlegte „Love is ­here to stay“ folgen. Höhepunkt vor der Pause war dann einer von Gershwins Welthits, „I got Rhythm“, für dessen stimmgewaltige, dabei dynamisch nuancierte Darbietung anhaltender Beifall aufbrauste, der auch den Pianisten galt.

Mit den „Variations on ‚I got Rhythm‘“, einer Originalkomposition von George Gershwin für zwei Klaviere, ging es nach der Pause weiter. Die verschachtelte Komposition mit mannigfach variiertem Ohrwurm-Thema und elanvoll „swingenden“ Passagen wurde von Kuhn und Kersten mit großer Rhythmussicherheit und dynamischer Bandbreite dargeboten, wofür es verdienten Beifall gab. Das Konzert fand seinen Abschluss mit der „Fantasy on ‚Porgy and Bess‘“, einem Arrangement von Percy Grainger von 1951. George Gershwin hatte seine „Volksoper“ in den Jahren 1934 und 1935 komponiert und eigentlich der schwarzen Bevölkerung gewidmet. Die Rezeption dieser „folk opera“ fiel unter Weißen wie Schwarzen gemischt aus: Neben restloser Begeisterung gab es auch Kritik, die so weit ging, dass das Werk nicht als durchkomponierte Oper, sondern als „eine bloße Anei­nanderreihung von Hits“ bezeichnet wurde. Schade war, dass weder im Programm die Titel der Songs des Arrangements genannt waren, noch in der Moderation kurz auf die Opernhandlung oder auf den Tenor der Songs eingegangen wurde.

Dessen ungeachtet bot Gudrun Kohlruss nach rasanter Introduktion der beiden Pianisten, die auch sonst wachsam und geschmeidig begleiteten, eine insgesamt beeindruckende Gesangsleistung. Unter die Haut gehend ihr im Mezzopiano gehaltener, feinsinniger Vortrag des „all time“-Evergreens „Summertime“, die elektrisierende Darbietung von „I got plenty of nuthin’“ oder das höchst effektvoll gesungene abschließende „I’m on my way“. Dafür gab es ehrlichen Beifall des nun voll überzeugten Publikums, das noch mit einer humorvollen, fast musikparodistischen Gershwin-Zugabe „By Strauss“ verwöhnt wurde: „Let the Danube flow along / and the Fledermauss / Keep the wine and give me song/ By Strauss.“

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