Lokales

Klinik auf Energie-Pfählen

173 Kilometer Kabel sorgen für Spannung

Beim rund 105 Millionen Euro teuren Klinikneubau in Nürtingen auf dem Säer handelt es sich um das größte Bauprojekt in der Geschichte des Landkreises Esslingen, wie beim gestrigen Richtfest Landrat Heinz Eininger nicht ohne Stolz verkündete.

richard umstadt

Nürtingen. Der Rohbau ist trotz einiger Regenwasserpfützen in trockenen Tüchern. Zurzeit arbeiten die Sanitär- und Heizungsinstallateure in dem Gebäude. Auch mit dem Innenausbau wird nun begonnen. Bislang waren die Bauarbeiter flott bei der Hand. „Wir sind mit dem Rohbau sechs Wochen schneller fertig geworden als geplant“, freute sich gestern der Architekt Dipl.-Ing. Gerd Sommer, Geschäftsführer der HSP Hoppe Sommer Planungs GmbH Stuttgart. Der Innenausbau wird sieben Wochen vor dem Zeitrahmen beendet sein, schätzt er.

Ab Montag werden die 1 259 Fensterscheiben an den Fassaden des fünfgeschossigen Baus montiert. In etwa drei bis vier Wochen sollen die Elektroinstallateure laut Sommer mit dem Verlegen der insgesamt 173 Kilometer Kabel beginnen, insgesamt 6 000 Steckdosen setzen und 3 700 Leuchten in dem Gebäude anbringen.

Waren seit Baubeginn bis jetzt im Durchschnitt 100 Rohbauarbeiter täglich auf dem Säer zugange, so werden es in der Hochbauphase während des Innenausbaus durchschnittlich zwischen 200 und 220 Handwerker sein.

Der neue Baukörper ruht auf 589 Pfählen. 260 davon dienen der Energienutzung und gründen 14 Meter tief im „Neckarkies“. In ihnen verlaufen insgesamt 20 Kilometer Geothermieleitungen. Die Erdwärme wird zur Heizung und im Sommer zur Kühlung genutzt.

Der künftige 331-Betten-Bau besitzt eine Nutzfläche von 16 800 Quadratmeter, wobei die gesamte Grundfläche gut doppelt so groß ist. Von den 331 Betten sind 288 Allgemeinpflegebetten, 25 sind den Wöchnerinnen vorbehalten und 18 Betten stehen in der Intensivstation. Acht der Allgemeinpflegebetten gehören der Abteilung Palliativmedizin an.

Neben den Pflegeräumen werden in dem neuen Kreiskrankenhaus sechs Operationssäle, die Radiologische Diagnostik, die Frauenheilkunde mit Geburtshilfe, vier Kreißsälen und Notsectio-OP, die Innere Medizin, die Anästhesiologie, die Zentralsterilisation für die Kliniken Kirchheim und Nürtingen sowie die Verteilküche – Kirchheim kocht und Nürtingen verteilt – und ein Kiosk mit Cafeteria untergebracht sein. Der Pflegetrakt ist fünfgeschossig vorgesehen mit je zwei Stationen und je rund 31 bis 32 Betten. Die Pflegezimmer sind alle nach Süd-West und Süd-Ost ausgerichtet, mit Ausblick auf das Albpanorama. Alle Räume in der Klinik werden von Rauchmeldern überwacht.

Bereits bei der Planung der neuen Klinik auf dem jetzigen Grundstück legten die Architekten großen Wert darauf, bei Bedarf das KrankenhausGebäude in sämtlichen Bereichen erweitern zu können.

„Spannend wird der Tag X“, blickt Gerd Sommer dem Tag des Umzugs entgegen. Patienten, Schwestern, Pfleger und Ärzte werden dann generalstabsmäßig geplant komplett an einem Tag das Gebäude wechseln.

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