Lokales

Klinik soll moderne Struktur erhalten

Das Ruiter Kreiskrankenhaus ist in die Jahre gekommen. Die Klinikleitung will deshalb Struktur und Betriebsabläufe des 1968 eröffneten Hauses modernisieren. Aus den fünf Millionen Euro für ein Gesundheitszentrum mit niedergelassenen Ärzten ist ein 27-Millionen-Projekt geworden, das zudem eine neue Notaufnahme, eine Intensivstation, eine onkologische Tagesklinik und ein Parkhaus vorsieht.

ROLAND KURZ

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OSTFILDERN Schon Klinikverwalter Bernt Rommel hatte das Projekt Gesundheitszentrum angestoßen, in dem niedergelassene Ärzte direkter mit dem Paracelsus-Krankenhaus Ruit kooperieren sollen. Franz Winkler, der seit einem Jahr Geschäftsführer der drei Kreiskliniken ist, hat das Thema noch weiter gespannt. Heute werde der Patient von der Aufnahme an anders durch das Haus gesteuert. Ambulant und stationär müssten besser miteinander verzahnt und die Bauten an die Betriebsabläufe angepasst werden, erläutert Winkler. Das ist was ganz Normales, ganz Unspektakuläres, dass man ein Haus anpasst, das seit 1968 in Betrieb ist.

Ohne zentrale Notaufnahme wird heute überhaupt kein neues Krankenhaus mehr genehmigt. Das ist der erste Ansatzpunkt Winklers. Nicht mehr zeitgemäß sind auch getrennte Intensivstationen für Chirurgie und Innere. Also plant er eine interdisziplinäre Intensivabteilung. Ganz wichtig sind ihm ambulante OP-Strukturen. Wir können unter stationären Bedingungen keine ambulanten Operationen wirtschaftlich erbringen. Zwar wolle das Krankenhaus nicht alles machen, aber mit privaten, ambulanten Op-Zentren könne man finanziell nicht mithalten. Ruit, das bereits viele Krebspatienten ambulant bestrahlt, will künftig die Chemotherapie verstärkt ambulant anbieten und dafür eine Tagesklinik einrichten.

Seit 1968 hat die Zahl der Ärzte erheblich zugenommen, aber mehr Dienstzimmer gibt es nicht. Auch an Umkleiden für das Personal fehlt es. Klinikleiter Rommel schätzt, dass die Beschäftigtenzahl von etwa 350 auf heute 800 gestiegen ist. Und schließlich ist auf der Planskizze auch ein Parkhaus eingezeichnet. Zwar wurden im Zusammenhang mit dem Vitalcenter etwa 100 neue Stellplätze eingerichtet, aber das Angebot ist schon wieder knapp. Zudem sind die Wege für Angehörige und Patienten weit.

In der Öffentlichkeit ist bislang wenig über das Projekt geredet worden. Erst die Anträge der Kreistagsfraktionen in der Etatdebatte wiesen kürzlich darauf hin, dass die Krankenhausleitung eine Menge Geld in die Hand nehmen will.

27,3 Millionen Euro stehen für die Weiterentwicklung des Standortes im Wirtschaftsplan. Diese Summe soll durch einen Sperrvermerk blockiert werden. Erst müsse eine Wirtschaftlichkeitsrechnung vorliegen, verlangt die SPD. Erst müssen die Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Krankenhäusern ausgelotet werden, so die Freien Wähler. Er habe Verständnis dafür, dass der Kreistag größere Sicherheit wünsche, sagt Winkler. Gebremst fühlt er sich von den Anträgen nicht, denn sachlich stünden die Kreisräte hinter dem Vorhaben, nur müsse er noch zeigen, wie man es finanziere. Für den Teil Gesundheitszentrum ist das privat-öffentliche Finanzierungsmodell PPP (Private-Public-Partnership) im Gespräch.

Einen Zusammenhang mit der Kooperation mit anderen Krankenhäusern, über die Kreisräte neuerdings ständig reden, sieht Winkler weniger. Die Regel- und Grundversorgung sei unabhängig von einer Kooperation. Notfallaufnahme und Intensivstation brauche jedes Krankenhaus, ebenso ambulante Operationen, um wirtschaftlich zu arbeiten. Durch Tariferhöhungen und Budgetkürzungen hat Winkler an den drei Kreiskrankenhäusern nächstes Jahr eine Finanzierungslücke von 4,2 Millionen Euro. Kommt der Gesundheitsfonds, fehlen noch einmal zwei Millionen Euro.

Nächste Woche wird der Betriebsausschuss des Kreistags über die Anträge beraten.