Lokales

„Klosterwiese bleibt Klosterwiese“

Am morgigen Sonntag findet von 8 bis 18 Uhr die Oberbürgermeisterwahl in Kirchheim statt

Das OB-Wahlkampffinale stieg im streiterprobten Bastionskeller: „Auf den Zahn fühlen“ konnten Kirchheims Wähler ihrer einzigen Kandidatin drei Tage vor der Wahl. Erwartungsgemäß wurden weder schmerzhafte Wurzeln behandelt noch empfindliche Nerven freigelegt.

Kirchheim, Wahlkampf OBin Angelika Matt-Heidecker in der Bastion
Kirchheim, Wahlkampf OBin Angelika Matt-Heidecker in der Bastion

Kirchheim. Amtsinhaberin Matt-Heidecker präsentierte sich vor interessiertem Publikum erneut als engagierte Stadtchefin, die um einen breiten politischen Konsens und um jede Wählerstimme kämpft. „Ich will mich auseinandersetzen, will überzeugen, dass es richtig ist, die Stimme für mich abzugeben“, eröffnete sie den Zuhörern und fügte fast entschuldigend hinzu, selbst nichts dafür zu können, dass kein anderer Kandidat auf dem Podium saß. Diese Aussage nahm sie allerdings umgehend zurück und interpretierte das Ausbleiben von Gegenkandidaten als Bestätigung für ihre Politik der vergangenen acht Jahre.

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Zunächst zog Angelika Matt-Heidecker politische Bilanz, um dann ihre Zukunftsvisionen darzustellen, in vier Aspekte unterteilt: Kirchheim als Familienstadt, Kirchheim als Wirtschaftsstadt, Kirchheim als Bürgerstadt und Kirchheim als Stadt von Morgen. Nach einer Dreiviertelstunde war die Bahn frei für Fragen. Die Moderation übernahm Bastions-Urgestein Andreas Kenner. Er sei in die­se Rolle eingesprungen, nachdem „die uns versprochenen Gegenkandidaten leider alle verhindert sind“, sandte er einen Seitenhieb an die Adresse des politischen Gegners. Als langjähriger SPD-Stadtrat konnte Kenner so manche Frage aus dem Publikum gleich selbst beantworten oder ergänzte die Antwort zumindest mit bewährt kabarettistischer Note.

Größeres Interesse als andernorts nahm in der Bastion der Bereich Umweltschutz und erneuerbare Energien ein. So wurde moniert, dass die Vergabe städtischer Dächer für die im Mai gegründete Bürgerenergiegenossenschaft schleppend ginge. Matt-Heidecker räumte ein, die Verwaltung sei hier im Verzug. Bei der Frage, wie sie zur Bürgerbeteiligung bei Energiefragen stehe, schilderte Matt-Heidecker die Zwickmühle: Zum einen gibt es die Stadtwerke, die ausgebaut werden sollen. Nach Ablauf der Konzessionsbindung hätten sich außerdem eine Reihe von Unternehmen, darunter die Teckwerke, um die Stromkonzessionen beworben. Eine Arbeitsgruppe des Gemeinderats befasse sich nun mit der Fragestellung, was überhaupt umsetzbar ist. Zeitdruck beim Abchecken rechtlicher Grundlagen sieht die Stadtchefin nicht, denn die Konzession kann auch um ein Jahr verlängert werden. „Für mich ist die EnBW nicht der große Feind“, stellte sie auf weitere Nachfragen hin klar und verwies auf den hochoffiziellen Beschluss zum Atomausstieg. Das Land trage als größter EnBW-Aktionär Verantwortung für das Unternehmen. „Auch ich habe hier 130 Arbeitsplätze zu schützen“, verwies die Stadtchefin auf das Kirchheimer EnBW-Regionalzentrum.

Unabhängig davon bekannte sie sich zur Förderung regenerativer Energien und betonte, Windkraft-Standorte auf Kirchheimer Gemarkung dürften kein Tabu sein. Erfreut verwies sie darauf, dass Kirchheim demnächst eine Stelle für Umwelt- und Energiefragen besetzen werde. Im Publikum wurden Zweifel laut, ob eine einzige Person dieses breite Feld überhaupt kompetent abdecken könne. „Lassen Sie uns mal anfangen“, warb die Stadtchefin um Vertrauen in die Stadtverwaltung, die die Stellenbeschreibung gemeinsam mit der GPA (Gemeindeprüfungsanstalt) konzipiert hat.

Breiten Raum nahm das Thema Bürgerbeteiligung ein. Manch einer empfindet den politischen Einfluss der Bürger als beschränkt, dafür werde der Bürger andererseits stark in die Pflicht genommen, etwa beim Thema Sauberkeit in einzelnen Wohnvierteln. Matt-Heidecker verwies auf zahlreiche Einflussmöglichkeiten der Bürger, etwa im Rahmen der Schulentwicklung oder der Vereinsplanung. Für politische Grundsatzentscheidungen gebe es die Staatsform der repräsentativen Demokratie. Dass die Mitwirkungsbereitschaft der Bürger ihre Grenzen hat, machte die Stadtchefin deutlich, indem sie auf die Veranstaltung verwies, bei der der Doppelhaushalt in der Stadthalle vorgestellt wurde: Gerade mal 80 Bürger waren der Einladung gefolgt. Immerhin gilt die Arbeit der Stadtverwaltung mittlerweile als sehr transparent, wie ein Bürger betonte.

Ansonsten waren es vor allem ganz gezielte Fragen mit persönlichem Hintergrund, die an die Oberbürgermeisterin herangetragen wurden. So ging es um die Parksituation im Paradiesle infolge der BlessOF-Neubebauung, um die Zukunft des Bahnhofsgeländes, um Medienkompetenz bei Lehrern oder um die Lindachallee, für die wohl Erschließungskosten anfallen. Alle Fragen wurden kurz und bündig beantworten. So auch die eines Bürgers zur Zukunft der Klosterwiese. Bekanntlich gab es dafür Bauüberlegungen. Matt-Heidecker entschärfte die Bedenken: „Klosterwiese bleibt Klosterwiese!“

Nach zwei Stunden war alles gesagt, der angekündigte Zugabenteil konnte entgegen Bastions-Gewohnheiten entfallen.