Lokales

Knapp an einer Katastrophe vorbei

14 Menschen konnten bei Brand in Holzmadener Altenpflegeheim gerettet werden

„Dank der Schnelligkeit der Feuerwehren sind wir in Holzmaden knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt“, sagte Bürgermeister Jürgen Riehle gestern sichtlich erleichtert. In der Nacht hatte die Seniorenresidenz in der örtlichen Bahnhofsstraße gebrannt. Insgesamt 45 Fahrzeuge waren im Einsatz, und 150 Einsatzkräfte sorgten dafür, dass alle Bewohner gerettet werden konnten.

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irene strifler

Holzmaden. Es geschah in der Nacht zum dritten Advent, kurz nach Mitternacht: Ein junger Krankenpfleger, der Nachtdienst hatte, wurde hellhörig, als ein Rauchmelder im Dachgeschoss Alarm schlug. Der 31-Jährige tat das einzig Richtige: Er verständigte sofort über Notruf 112 die Feuerwehr.

Die örtlichen Floriansjünger hatten es aus verschiedenen Gründen nicht weit. Ein im Nachhinein glücklicher Zufall ergab sich daraus, dass sich Feuerwehrangehörige gemeinsam mit einer Streife des Polizeireviers Kirchheim zu diesem Zeitpunkt an einem Wasserrohrbruch in der Nähe zu schaffen machten. Auch Verstärkung aus Weilheim, Kirchheim, Nürtingen und Esslingen traf schnell ein. Etliche Fahrzeuge und Helfer des Deutschen Roten Kreuzes, darunter mehrere Notärzte, standen zur Versorgung bereit, auch 20 Angehörige der Schnelleinsatzgruppe Teck.

Trotz aller Schnelligkeit stand der Dachstock des Hauses bereits voll in Flammen, als die Holzmadener Wehr eintraf. Die Einsatzkräfte evakuierten sofort 14 Senioren, die überwiegend nicht gehfähig waren. Sie wurden in einer nahe gelegenen beheizten Tiefgarage durch DRK-Kräfte versorgt. Eine Helferin aus der Nachbarschaft und ein Heimbewohner mussten notärztlich versorgt werden. Die Frau hatte bei einem Sturz eine Wirbelsäulenprellung erlitten, der Mann litt an Atemproblemen. Beide wurden ins Kirchheimer Krankenhaus gebracht. Die meisten Heimbewohner konnten vorläufig in einem Altenheim in Hattenhofen untergebracht werden.

Zur weiteren Brandbekämpfung setzte die Feuerwehr unter anderem auch zwei Drehleitern ein. Fünf Trupps rückten den Flammen gleichzeitig im Gebäude zu Leibe. Um 2.20 Uhr war das Feuer unter Kontrolle, doch die Nachlöscharbeiten gingen bis in den Morgen hinein weiter. Eine 600 Meter lange Leiter sicherte die Löschwasserversorgung.

Das dreistöckige Gebäude wurde durch den Brand stark in Mitleidenschaft gezogen, sodass es unbewohnbar ist. „Auf allen Stockwerken zeigen sich starke Wasserschäden“, berichtete Jürgen Riehle. Der Gesamtschaden am Gebäude wird nach ersten Schätzungen mit mindestens 250 000 Euro beziffert. Über die Ursache ist noch nichts bekannt, die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Alles in allem haben die Holzmadener, speziell die Bewohner der Seniorenresidenz, am Wochenende Glück im Unglück gehabt. „Hier hat sich einmal mehr gezeigt, wie sinnvoll es ist, Feuerwehren in den einzelnen Ortschaften zu haben“, kommentierte Riehle das flotte Tempo, in dem die Lösch- und Rettungsarbeiten über die Bühne gingen.

Die Sicherheit in mehrstöckigen Gebäuden, die von Menschen mit Gehbehinderungen bewohnt werden, wird in der Gemeinde derzeit heiß diskutiert. Vor fünf Jahren hatte an der Seniorenresidenz bereits eine Feuerwehrhauptübung stattgefunden, berichtete der Bürgermeister. In der Folgezeit wurde dann aus Sicherheitsgründen ein zweites, außen liegendes Treppenhaus aus Stahl angebaut. Die Rettung im jetzt eingetretenen Ernstfall erfolgte allerdings ausschließlich über das innen liegende Treppenhaus. Es bietet mehr Raum und war glücklicherweise zum Zeitpunkt der Rettung nicht verraucht. So gelang es tatsächlich, auch die schwerst pflegebedürftigen Menschen zu retten.

Auch der Zeitpunkt des Brandes wirkte sich positiv aus für die Betroffenen. „Um diese Zeit sind die meisten Helfer zu Hause und schnell einsatzfähig“, bilanzierte Bürgermeister Riehle. Die Personenrettung war bereits um 1.26 Uhr abgeschlossen.