Lokales

Kniffe bringen ein Areal mit "Haken und Ösen" voran

Die Bissinger Bürgervertreter beschlossen am 14. März, für den Bereich "Kronegarten" einen Bebauungsplan aufzustellen. Nach einer Anhörung der Bürger sowie der Behörden billigte das Gremium in jüngster Sitzung den Entwurf des Bebauungsplans. Er wird erneut öffentlich ausgelegt.

RICHARD UMSTADT

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BISSINGEN Das Baugebiet zwischen Unterer Straße in Bissingen und dem Linsenbach hat seine Tücken. Dies mussten auch die Planer feststellen. "Das Areal ist relativ klein, aber mit Haken und Ösen behaftet", meinte Städteplaner Dipl.-Ing. Herbert Dickmann.

Da wäre zum einen der "sensible Bereich des Baches, der in öffentlicher Hand bleiben muss", wie Bürgermeister Wolfgang Kümmerle sagte. Auf der anderen Seite stellte die Verkehrsführung innerhalb des Baugebietes eine gewisse Schwierigkeit dar. Die Verkehrsbehörde bestand darauf, dass Dreiachser, zum Beispiel größere Müllfahrzeuge, die geplante Straße im "Kronegarten" befahren können. Aufgrund der geringen Größe des Areals gelang es aber den Planern nicht, an deren Ende einen Wendehammer vorzusehen. Dies bedeutet in der Praxis, dass etwa das Müllfahrzeug in der Mitte des Baugebiets wenden muss und die Bewohner der rückwärtig gelegenen Einfamilienhäuser ihre Mülltonnen maximal knapp 40 Meter weit bis zu dieser Wendemöglichkeit rollen müssen. Außerdem wird der Kronegarten keinen Gehweg besitzen.

"Es ist eine enge Geschichte", meinte Bürgermeister Kümmerle, und Dipl.-Ing. Erich Ernst Kuhn vom gleichnamigen Vermessungs- und Planungsbüro in Frickenhausen ergänzte: "Es ist wichtig, dass die Stellplatzverpflichtung eingehalten wird, sonst funktioniert's nicht." Auf den Straßen bleibe kein Platz zum Parken übrig, rührte er an einem wunden Punkt.

Die Untere Wasserrechtsbehörde des Esslinger Landratsamtes forderte einen insgesamt zehn Meter breiten Gewässerrandstreifen entlang des Linsenbaches. Da zwischen diesem und den Gebäuden ein gewisser Abstand eingehalten werden muss, hatte dies eine neue Einteilung des Baugebiets seitens der Planer zur Folge. Von den ursprünglich zehn vorgesehenen Einfamilienhäusern blieben noch acht übrig, die auf drei bis dreieinhalb Ar großen Grundstücken zum Stehen kommen sollen.

Die Gebäude sind nach Süden ausgerichtet, sodass auf ihren Satteldächern Solaranlagen installiert werden können.

Bei der Vorstellung der Entwurfsplanung ging Dipl.-Ing. Erich Ernst Kuhn auch auf die Oberflächenwässer ein. Die drei in der Nähe des Linsenbaches liegenden Gebäude entwässern ihre Dächer über eine Retenzionsfläche in den Bach, das Regenwasser der dahinter liegenden Häuser fließt über einen Kanal in den Linsenbach ab und nur ein Bauwerk wird über den konventionellen Abwasserkanal entwässert.

Der Planer plädierte dafür, das Neubaugebiet als allgemeines Wohngebiet auszuweisen und nur im Bereich der Unteren Straße, hier befindet sich auch ein Bauplatz, als Mischgebiet. Wie Dipl.-Ing. Kuhn weiter ausführte, ist bei einer Traufhöhe der Häuser von vier Metern eine vollwertige Wohnung unter dem Dach möglich. "Wir werden es uns in Zukunft wirtschaftlich nicht mehr leisten können, dass Eltern und Kinder getrennt bauen und wohnen", sprach er für ein Mehrgenerationenhaus.

Die Feinheiten der Gewässerplanung präsentierte Landschaftsarchitekt Dipl.-Ing. Peter Geitz, Stuttgart. Wochenlange Verhandlungen mit der Unteren Wasserrechtsbehörde des Landratsamtes waren nötig, um den Entwurf in trockene Tücher zu bekommen, sagte Geitz.

Das Problem: Ein Teil des Baugebiets liegt in einem faktisch abgegrenzten Hochwassergebiet. Die Aufgabe lautete deshalb, einen Weg zu finden, um die neuen Gebäude vor einem 100-jährigen Hochwasser plus Klimafaktor zu schützen, wobei der Landschaftsarchitekt von einer Wassermenge von rund 13 Kubikmeter pro Sekunde ausging.

Peter Geitz fand durch einen Kniff die Lösung: Das Bett des Linsenbachs wird etwas nach links verschoben und das rechte Ufer abgeflacht. Der beidseitige Gewässerrandstreifen von fünf Metern, in den auch der Mühlkanal hineingelegt wird, bildet schließlich den Korridor, in dem das Hochwasser aus dem Baugebiet hinausgeleitet werden kann.

Dies veranlasste Gemeinderat Herbert Hummel zu der Bemerkung: "Wir planen für das Neubaugebiet einen Hochwasserschutz, aber nicht für das bereits bestehende." Für das angesprochene Areal an der Unteren Straße bedeute die Planung keine Verschlechterung, meinte Dipl.-Ing. Geitz dazu. Um aber eine Verbesserung zu erhalten, müsste der Querschnitt der dortigen Dohle vergrössert werden, was aber in keinem Verhältnis zum Nutzen stehe.

Auf eine Anfrage von Gabi Goebel hin erachteten sowohl der Landschaftsarchitekt als auch Erich Ernst Kuhn Regenwasserzisternen als "sinnvolle Geschichte". Freilich brächten sie bei Hochwasser selbst in leerem Zustand nur eine "marginale Entlastung".

Der Bissinger Gemeinderat billigte schließlich einstimmig den Entwurf des Bebauungsplanes "Kronegarten" sowie die Örtlichen Bauvorschriften in der aktuellen Fassung vom 27. Juni. Das Planwerk wird vom 17. Juli bis 16. August im Rathaus der Seegemeinde ausgelegt.