Lokales

Know-how und Attraktivität bleiben erhalten

Wie eine gelungene Kooperation zwischen einem Unternehmen und der Kommune zum Thema Kinderbetreuung aussieht, darüber haben im Jugendhilfeausschuss des Kreistags Personalchefin Helga Zimmermann von der Firma Balluff und Sozialamtsleiter Herbert Geyer von der Gemeinde Neuhausen auf den Fildern berichtet.

RICHARD UMSTADT

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ESSLINGEN Spätestens seit die beliebteste Politikerin der Republik, Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, ankündigte, die Betreuungsplätze für Kleinkinder erhöhen zu wollen und sich damit den verärgerten Vorwurf des Augsburger Bischofs Mixa einfing, sie mache Frauen zu Gebärmaschinen, ist das Thema in den Schlagzeilen und in aller Munde.

Dass jedoch weder die Ausführungen des ewigen Singles Mixa noch Kurt Becks Einwurf vom kastrierten Kater hilfreich sind, sondern ein Handeln im Sinne junger Familien, wurde beispielsweise auf den Fildern schon vor Jahren erkannt. Und nicht nur dies. Die so oft beschworene Kooperation zwischen Wirtschaft und öffentlicher Hand beim Thema Kinderbetreuung ist in Neuhausen Wirklichkeit.

Für die international tätige Firma Balluff mit über 700 Beschäftigten in Neuhausen und mehreren Produktionsstandorten im Ausland ist es wichtig, ihre hoch qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu behalten. "Dies sind bei uns 80 Prozent", berichtete Personalchefin Helga Zimmermann. Durch flexible Arbeitszeiten ("seit 20 Jahren Gleitzeit und viele Teilzeitmodelle für alle Mitarbeiter"), Telearbeitsplätze und seit Beginn des Jahres die Kinderkrippe "Nesthäkchen", will das Unternehmen dem demografischen Wandel entgegenwirken und die Know-how-Träger bei der Stange halten.

"Wir hatten zuvor gezielt in der Belegschaft den Bedarf an einer Betreuung von Kindern bis drei Jahren abgefragt und sind dabei auf sehr großes Interesse gestoßen, nicht nur bei den Frauen", erklärte Helga Zimmermann. Der Nutzen all dieser Maßnahmen lag für Balluff auf der Hand: "Durch die hohe Vereinbarkeit von Familie und Beruf behalten wir die Qualifikation im Hause, sparen Rekrutierungskosten und der Krankenstand ist zurückgegangen".

Interessant dabei ist, dass das Angebot der Kinderbetreuung auch von jungen Vätern wahrgenommen wird, deren qualifizierte Frauen dadurch im Beruf bleiben können.

Bei der Gemeinde Neuhausen rannte das Unternehmen mit seiner Bitte auf Unterstützung bei der Kinderbetreuung offene Türen ein. "Die Balluff-Anfrage kam etwa gleichzeitig mit dem Tagesbetreuungsausbaugesetz, wobei der Planungsprozess einer Kinderbetreuung für bis Dreijährige bei uns bereits 2000 begonnen hat", berichtete Herbert Geyer, Sozialamtsleiter der Gemeinde Neuhausen. Um die Betreuung der Kleinen bis drei Jahren verwirklichen zu können, wurde in der Filderkommune der Verein Kinder- und Elternzentrum Neuhausen gegründet. Er ist verantwortlich für die Führung der Kinderkrippe "Nesthäkchen", die mit zehn Plätzen seit Beginn des Jahres in Betrieb ging. "Wir hatten insgesamt 39 Anmeldungen", erinnerte sich der Sozialamtsleiter. Fünf Plätze sind für das Unternehmen reserviert.

Die Gemeinde Neuhausen stellte für die Kinderkrippe die Räume zur Verfügung, die Firma Balluff beteiligte sich finanziell am Umbau und stellte einen Computer bereit. Die Handwerker erbrachten ihre Leistungen teilweise über Spendenbescheinigungen. Die Kommune trägt wie bei den kirchlichen Kindertageseinrichtungen 100 Prozent des Abmangels, dies sind Herbert Geyer zufolge 45 000 Euro im Jahr. Die Eltern steuern 1,50 Euro pro Stunde bei.

Sowohl Landrat Heinz Eininger als auch die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses lobten diese gelungene Kooperation zwischen der Wirtschaft und der Kommune und hofften auf "Nachahmer" im Landkreis Esslingen.