Lokales

Kochen, Backen und Brutzeln nach alten Rezepten

Im Freilichtmuseum in Beuren wird in der kommenden Saison gebrutzelt, gebacken und gegart; Die Besucher werden eine Ahnung davon bekommen, was in den Albflecken auf den Tisch kam, wenn Schmalhans Küchenmeister war. Sämtliche sieben Freilichtmuseen in Baden-Württemberg bieten Veranstaltungen rund ums Thema "Essen und Trinken".

ANKE KIRSAMMER

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STUTTGART Ein Fest am Sonntag, 2. April, in den Beurener Herbstwiesen wird Appetit machen auf die kommende Museumssaison. Die zweite gemeinsame Auftaktveranstaltung ist ein buntes Allerlei der "Sieben im Süden" mit der Präsentation regionaler Gerichte und wird vom Südwest Fernsehen aufgezeichnet. Unter der Überschrift "Alte Rezepte neu gekocht" geht der SWR-"Treffpunkt" den Fragen nach: Was ist Rietemer Gmootz? Wie macht man Striebela? Und wie schmecken Habermus, Linsengerstbrot oder Albschnecken?

Derzeit werben die Häuschen der Kriechtiere für das Beurener Museumsdorf auf der Touristikmesse CMT auf dem Stuttgarter Killesberg. Dort tischte der Tuttlinger Landrat Guido Wolf, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der "Sieben im Süden" in einer Pressekonferenz auf, was auf offenen Herden und in rauchigen Küchen in der kommenden Saison in den Museen fabriziert und als Versucherle unter den Besuchern verteilt werden soll. Als Kostprobe reichte Elfriede Moser vom Freilichtmuseum Vogtsbauernhof Gutach in Schwarzwälder Arbeitstracht deftige Speckbrote und Kirschwasser.

"Was auf den Teller kam, war früher abhängig von der Jahreszeit und davon, was die Böden hergaben", machte Thomas Naumann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft und Leiter des Odenwälder Freilandmuseums Gottersdorf, klar. Happen aus der alten Küche werfen so ein Schlaglicht auf die karge Alltagskost der vorindustriellen Welt. "Die Besucher werden genießen können, da und dort wird ihnen aber auch schaudern", kündigte Naumann an.

In Beuren werden vor dem Genuss am 7. Mai und am 30. Juni erst einmal die Schweißperlen rinnen, wenn die Besucher eingeladen sind, den Spätzlesteig ins heiße Wasser zu drücken oder zu schaben. Interessant sicher auch die Veranstaltungen "Von Muckefuck bis Latte macchiato" Kulturgeschichte des Kaffeetrinkens am 23. September sowie die Sonderführung am 2. November zum Thema "Von Kindbettbrot bis Leichenschmaus" Essen in Freud und Leid.

In Verbindung mit Kultur werden Essen und Trinken immer wichtiger, betonte Walter Knittel, Leiter der Geschäftsstelle der Arbeitsgemeinschaft und des Freilichtmuseums Neuhausen ob Eck. "Bei uns geht dieses Jahr die Kultur durch den Magen." Doch soll nicht nur geschlemmt, sondern an einem "Ekeltag" unter dem Schlagwort "Igitt" auch untersucht werden, wo die Abscheu vor Speisen herrührt. Dass das Thema nicht bierernst genommen werden soll, zeigt auch das Motto "Was Oma noch wusste und Opa nicht mochte".

Zwar müssen die "Sieben im Süden" aufgrund der Budget-Kürzung von Seiten des Landes um 30 Prozent in diesem Jahr kleinere Brötchen backen, doch weil die Bauvorhaben in den Museumsdörfern weitgehend abgeschlossen sind, wie Guido Wolf erläuterte, ist den Leitern der Appetit auf die kommende Saison offenkundig nicht vergangen.