Lokales

Körperverletzung mit Todesfolge

Wegen Körperverletzung mit Todesfolge und wegen gemeinschaftlichen Raubes sowie zweier weiterer Körperverletzungen, hat das Stuttgarter Landgericht jetzt einen 17 Jahre alten Spätaussiedler aus Kasachstan mit Wendlinger Wohnsitz zu der Einheitsjugendstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt.

BERND WINCKLER

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KIRCHHEIM/STUTTGART Der Angeklagte hatte unter anderem im April dieses Jahres seine 17-jährige Ex-Freundin in Kirchheim im Streit auf den Boden geworfen und sie getreten. Das Mädchen war an den Folgen Ende Oktober verstorben.

Angeklagt waren vor der vierten Großen Jugendstrafkammer des Stuttgarter Landgerichts zwei junge Spätaussiedler aus Kasachstan. Der zweite 19-Jährige war nach den richterlichen Feststellungen nur in dem Fall dabei, als man in der Nacht zum 30. Januar dieses Jahres vor dem Kirchheimer Jugendhaus Linde Zoff mit anderen Jugendlichen bekam und in dessen Verlauf einem Opfer einen Fausthieb ins Gesicht verpasste. Später wurden dann noch einem anderen Jugendlichen 20 Euro geraubt. Der 19-jährige Täter kam mit eineinhalb Jahren Jugendstrafe davon.

Schwerer wogen hingegen die Vorwürfe gegen den 17-Jährigen, der in der Nacht zum 26. Mai in Ötlingen einen Jugendlichen gewaltsam zur Herausgabe seiner Barschaft in Höhe von 20 Euro und dessen Armbanduhr veranlasst hatte. Das Opfer erlitt dabei Prellungen.

Noch schwerer stufte schließlich der Staatsanwalt den Vorfall ein, der sich am Abend des 21. April vor dem Kirchheimer Übergangs-Wohnheim in der Charlottenstraße abspielte. Der Angeklagte hatte damals Streit mit der 17-Jährigen bekommen, mit der er einige Monate zuvor liiert war. Plötzlich schlug er zu. Die Schülerin fiel dabei so unglücklich auf den Boden, dass sie bewusstlos wurde, später aber wieder erwachte. Dennoch brachte man sie ins Krankenhaus, wo ein Blutgerinnsel im Gehirn festgestellt und operiert wurde. Mehrfach wurde das Mädchen in andere Kliniken verlegt. Im Stuttgarter Katharinenhospital musste sie sich zwei weiteren Operationen unterziehen. Dann ging es ihr besser. Doch am 24. Oktober verstarb das Mädchen plötzlich an den Folgen der Kopfverletzung, wie jetzt ein Gutachter feststellte.

Bei allen Taten war der jeweilige Alkoholspiegel des Angeklagten recht hoch. Vor Gericht konnte er sich an die Einzelheiten nicht mehr erinnern. Er wusste nur noch, dass man sich jeweils "blöd angemacht" hatte und es dabei zu dem Raub mit den 20 Euro kam. Die Verletzungen der 17-Jährigen mit der Todesfolge bedauerte er in seinem "Letzten Wort"und fügte an, dass man "halt sehr betrunken war".

Während der Staatsanwalt den Vorfall als besonders schwer einstufte und gegen den 19-Jährigen eine sechsjährige Einheitsjugendstrafe beantragte, bezweifelte dessen Verteidiger den kausalen Zusammenhang zwischen dem Vorfall vom 21. April und dem Tod des Opfers. Er fügte an, dass hier auch die Ärzte in Stuttgart einen "Kunstfehler" verursacht haben könnten, an deren Folgen das Mädchen verstarb.

Dem schloss sich die Jugendstrafkammer nicht an und stellte die Körperverletzung mit Todesfolge fest, wobei man vom Vorwurf eines Totschlags abrückte. Zusammen mit dem Geld- und Uhren-Raub sowie der weiteren Körperverletzung vor dem Kirchheimer Jugendhaus verhängten die Juristen vier Jahre und sechs Monate Jugendstrafe.