Lokales

Kohlköpfe und Tabak aus Kinderperspektive

Vier dampfende Zigaretten, ein quietschgelbes T-Shirt, zwei sattgrüne Kohlköpfe und andere Kinderzeichnungen zieren zwölf Infotafeln, die seit diesem Jahr neu an den Äckern des Freilichtmuseums Beuren stehen. Sie sind das Ergebnis eines Schulprojekts und informieren Kinder ebenso wie Erwachsene über alte Kulturpflanzen und deren Verwendung.

BIANCA LÜTZ

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BEUREN Dicke grüne Kohlköpfe gedeihen auf den Feldern des Freilichtmuseums, direkt daneben blüht der Flachs, der auf den ersten Blick ein wenig wie Unkraut aussieht. "Was ist denn das für eine Pflanze?" und "Was macht man eigentlich damit?" sind Fragen, die sich viele junge, aber auch ältere Besucher des Museums stellen. Antworten auf solche Fragen geben seit dieser Saison zwölf Infotafeln, die im Rahmen eines Schulprojekts entstanden sind.

"Unsere Besucherinnen und Besucher wollten einfach noch mehr Informationen", geht Museumsleiterin Steffi Cornelius auf die Hintergründe der neuen Beschilderung ein. Dabei war der Museumsleiterin besonders wichtig, dass die neuen Tafeln nicht nur Erwachsene ansprechen, sondern vor allem auch Kinder. "So haben wir zum ersten Mal ein Schulprojekt gestartet", berichtet sie. Ihre Mitarbeiterin Ulrike Zimmermann besuchte zwei erste Klassen der Esslinger Schillerschule und arbeitete dort mit Lehrern und Kindern die Motive für die Schilder aus.

Das Ergebnis sind ein Dutzend Infotafeln, die mittlerweile am Rand der Felder im Freilichtmuseum aufgestellt sind und sich großer Beliebtheit bei den Besuchern erfreuen, wie die Museumsleiterin festgestellt hat. Das Markenzeichen sämtlicher Schilder: Auf allen ist eine bunte Kinderzeichnung mit Sprechblase zu sehen. "Linsen mit Spätzle typisch schwäbisch" heißt es da zum Beispiel in der Sprechblase auf dem Schild vorm Linsenacker. Daneben sind ein gefüllter Teller und Besteck abgebildet beides von kindlicher Hand gezeichnet. Unter der Abbildung folgt ein übersichtlich gestalteter Info-Block: "Da können die Eltern spickeln, wenn die Kinder nachfragen", sagt Steffi Cornelius.

Dabei lässt sich beispielsweise die Frage klären, warum auf dem Linsenacker auf den ersten Blick gar keine Linsen, sondern vor allem Gerste zu sehen ist. Die Infotafel erläutert, dass die Hülsenfrüchte bis ins 20. Jahrhundert auf der Schwäbischen Alb angebaut wurden meist im Gemisch mit Gerste: "Das Getreide diente als Kletterhilfe und verhinderte, dass die Linsen bei feuchter Witterung am Boden faulten."

Während eine Zeichnung mit Pommes am Kartoffelacker steht, zieren das Schild beim Tabakfeld vier dampfende Zigaretten. In der Sprechblase steht der Hinweis: "Nicht nur die Kartoffel kommt aus Amerika". Daneben prangt eine Warnung, wie sie auch auf Zigarettenschachteln abgedruckt ist. Auch über die alten Getreidearten Emmer und Einkorn, sowie über Lein, Hanf und Kohl können sich die Besucher bei ihrem Spaziergang durchs Museumsdorf informieren.

Unter anderem erfahren sie Wissenswertes zur Verwendung der einzelnen Pflanzen. Das dünne Stroh des Einkorns beispielsweise diente zum Anbinden von Weinreben, Tabak war als Heilmittel bekannt, und aus den Fasern von Hanf stellten die Menschen Feuerwehrschläuche her was sich auch in der Zeichnung auf der Infotafel niederschlägt. Im Freilichtmuseum wird allerdings nur ein Teil der Ernte so eingesetzt wie früher. Dazu gehört etwa der museumseigene Flachs, den die Besucher beim Infotag eigenhändig auf traditionelle Weise bearbeiten können. Emmer und Einkorn liefern vor allem Einstreu und Futter fürs Vieh und "die Tabakpflanzen werden natürlich nicht zu Tabak verarbeitet", betont Steffi Cornelius, dass die Blätter höchstens zu Schauzwecken getrocknet werden. Den Hanf vernichten die Museumsmitarbeiter entsprechend den Vorgaben der Bundesopiumstelle nach der Ernte sogar vollkommen.

Mit dem Ergebnis des ersten Schulprojekts ist Museumsleiterin Steffi Cornelius nun rundrum zufrieden. "Das ist ein toller Weg", lobt sie und stellt in Aussicht, dass sie auch künftig eine Zusammenarbeit mit Schulen anstrebt.