Lokales

Kommentar

Ist es gerechtfertigt, dass der Staat das Monopol auf Sportwetten hält? Darüber streiten die deutschen Gerichte, und auch der Europäische Gerichtshof (EUGH) hat sich bisher zu keiner Entscheidung durchringen können. Das hat seinen Grund. Denn der Markt für Sportwetten ist längst nicht so schwarz-weiß, wie die Lottogesellschaften der Bundesländer, die das Monopol halten, das gerne suggerieren. Obwohl ihre Oddset-Wetten strengeren Kontrollen unterliegen, gilt auch dort keine verbindliche Einsatzobergrenze, die die Suchtgefahr verringern oder die Verluste begrenzen würde. Zwar können Spieler auf einer Kundenkarte selbst einen maximalen Einsatz festlegen. Aber das dürfte auf Dauer ähnlich gut funktionieren, wie der Versuch des Kettenrauchers, täglich nur noch fünf Mal zum Glimmstängel zu greifen.

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Dennoch muss eine Entscheidung her, und zwar bald. Zunächst einmal brauchen die Behörden Rechtssicherheit. Dass die Gewerbeämter der Kommunen Wettbüros zulassen müssen, die im Grunde illegal sind, ist unsinnig. Hier ist der Gesetzgeber gefragt, das Gewerberecht so zu ändern, dass die Ansiedlung der Wettbuden gleich im Vorfeld verhindert werden kann. Denn die Strategie, ihnen den Betrieb im Nachhinein zu untersagen, bleibt häufig ohne Erfolg und bindet zudem Zeit und Personal. Beides haben die Behörden, die ohnehin mit immer weniger Mitarbeitern auskommen müssen, nicht.

Die größten Leidtragenden sind letzten Endes oft die Spieler und deren Familien – und die Steuerzahler. Wer wettsüchtig ist, schert sich in der Regel nicht darum, ob die Familie am Ende des Monats noch etwas zu essen hat oder ob genügend Geld übrig bleibt, um den Kredit für das Haus zu bedienen. Wer die Kontrolle über seine Einsätze verliert, der kann häufig keiner geregelten Arbeit mehr nachgehen. Wer sich verzockt, braucht Hilfe. Glücklicherweise leben wir in einem Staat, in dem Süchtige mit all diesen Problemen nicht allein gelassen werden. Aber die Kosten trägt jeder von uns mit. ANTJE DÖRR