Lokales

"Kommt wieder!" war vielfach als Abschiedsgruß zu hören

NÜRTINGEN/KIRCHHEIM Auf den Spuren deutscher und polnischer Geschichte wandeln, aber auch den neuen EU-Mitgliedsstaat besuchen, der sich in einem sozialen und ökonomischen Umwandlungsprozess befindet, war Ziel der Reise. Kulturelle und geschichtliche Höhepunkte reihten sich im Programm wie Perlen aneinander. Für viele ältere Reiseteilnehmer war der Grenzübertritt bei Pomellen mit starken Gefühlen verbunden. Die im ehemaligen Ostpreußen Geborenen wollten wissen, wie es heute dort ist. Die Reise weckte viele Erwartungen und Empfindungen.

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Bei der Ankunft im Hotel in Stettin/Szczecin wurde die Gruppe von einem polnischen Arzt erwartet, der die Gruppe auf der gesamten Reise begleiten sollte. Er war Ansprechpartner für alle möglichen Situationen und ein großer Sicherheitsfaktor bei eventuellen Krankheitsfällen. Er berichtete über das sich in einem Umwandlungsprozess befindende Gesundheitswesen in Polen. Patienten müssten oft große Härten hinnehmen, weil in vielen Fällen das Geld für wichtige Medikamente fehle.


Am zweiten Tag auf polnischem Boden war die alte Hafen- und Hansestadt Stettin das Ziel. Heute sehr schmuck, besticht sie durch ihre reizvolle Lage an der Odermündung und zahlreiche kunsthistorische Zeugnisse. An der Oder war internationales Flair zu spüren, lagen doch Kreuzfahrtschiffe, Yachten und Ausflugsschiffe vor Anker.


Am Nachmittag mussten die 340 Kilometer bis Danzig/Gdansk zurückgelegt werden, was auf einspuriger Straße rund fünf Stunden in Anspruch nahm. Am Abend wohlbehalten in Gdynia/Gdingen eingetroffen, bezog die Gruppe Quartier in einem Hochhaushotel direkt am Hafen, wo Fracht- und Passagierschiffe angelegt hatten, aber auch ein Kriegsschiff, das zur Besichtigung freigegeben war. Am Abend konnte ein Spaziergang am weitläufigen weißen Ostseestrand genossen werden, es gab aber auch ein reges Nachtleben.


Am dritten Tag vermittelte ein Stadtführer zu Fuß und bei einer Rundfahrt die wechselvolle Geschichte der an der Bernsteinstraße gelegenen Stadt Danzig. In den engen Gassen um Rathaus, Neptunbrunnen und Marienkirche fühlte man sich angesichts der Patrizierhäuser, Kaufmanns- und Bürgerresidenzen zurückversetzt in die Zeit der "Buddenbrocks".


Am nächsten Morgen sollte es schnell weitergehen, aber die Technik machte einen Strich durch die Rechnung: Einige Teilnehmer steckten im Aufzug des 14-stöckigen Hotels fest. Nach einer guten Stunde waren sie wieder befreit und mit dem Schrecken davongekommen.


Die imposante Anlage Marienburg/Malbork war der erste Programmpunkt am vierten Tag. Im 13. und 14. Jahrhundert vom Deutschen Kreuzritterorden errichtet, ist sie eines der schönsten mittelalterlichen Bauwerke Europas und zugleich eine Art Nationalheiligtum Polens.


Durch eine idyllische Kanallandschaft ging es weiter nach Olsztyn/Allenstein, der Hauptstadt des Ermlandes und der Masuren. Die 160 000 Einwohner zählende Stadt wirkte beschaulich. Eine kleine Verschnaufpause gab es an der vom polnischen Begleiter und seiner Mutter organisierten Kaffeetafel. Eine junge Stadtführerin mit guten Deutschkenntnissen zeigte den Besuchern Sehenswertes. "Kommt wieder!", lautete die herzliche Verabschiedung.


Weiter führte die Reise durch eine märchenhaft verwunschene Landschaft in die Masuren als ob die Zeit stehen geblieben wäre. Zwei Tage waren für die Rundfahrt eingeplant. Ausgangspunkt war ein kleines Landhotel in dem winzigen Dorf Kruklanki, nicht weit von der russischen Grenze entfernt und direkt an einem der vielen Seen gelegen.


Am fünften Tag war eine Reiseführerin mit ostpreußischem Akzent zu erleben. Geschichte und Geschichtchen schienen nicht enden zu wollen. Die Landschaft und die zum Teil zerfallenen Gehöfte ehemals deutscher Gutsherren ließen die Zeit still stehen. Es wurden zwar Wiederaufbauversuche unternommen, es fehlt aber an Geld. Zu den Besichtigungspunkten gehörten auch die Ruinen der "Wolfsschanze", Hitlers Hauptquartier im Osten während des Zweiten Weltkriegs, das Ende 1944 gesprengt wurde.


Bei einem Orgelkonzert in der Wallfahrtskirche von Swieta/Lipka durfte wieder innere Ruhe einkehren. Im Ostpreußen-Museum erzählte bei Kaffee und Kuchen ein Buchautor von seiner eigenen Vertreibung. Einen schönen Abschluss bildete der Besuch in Nicolaiken, auch als "Masurisches Venedig" bekannt.


Mit einem "Kommt wieder!" verabschiedete sich am anderen Morgen das Hotelpersonal. Die Küche hatte einen großen Baumkuchen für unterwegs gebacken und die Reiseteilnehmer waren angenehm überrascht von so viel polnischer Gastlichkeit.


Von märchenhaften Landschaften führte die Reise am sechsten Tag zu den pulsierenden Metropolen Thorn und Posen. Mit seinem im Krieg nicht zerstörten Ensemble gotischer Architektur zählt die Altstadt von Thorn und Geburtsstadt von Nikolaus Kopernikus zum Weltkulturerbe der UNESCO.


Die Messestadt Posen mit bemerkenswerten Bauten, dem Renaissance-Rathaus und dem ältesten gotischen Dom Polens war letzter Programmpunkt dieser Reise. Die Reiseführerin war sehr stolz "auf ihre Stadt, in der fleißige Menschen es früher wie auch heute zu bedeutendem Wohlstand gebracht haben".


Auf die lange Heimreise nach Nürtingen ging es mit vielen Eindrücken, die zu Hause erst noch verarbeitet werden müssen. Es gab aber auch so manchen Wunsch, das schöne Land noch einmal zu besuchen.

Die Altstadt von Danzig ist reich an Sehenswürdigkeiten.