Lokales

Kommunikation mit Betreibern unerlässlich

Die Gemeinde Dettingen strebt an, Sendemasten aus dem Ort zu entfernen und außerhalb anzubringen, um die Strahlenbelastung im Ort zu verringern.

REBEKKA BROX

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DETTINGEN Das Handy ist für viele unverzichtbar geworden. Ob privat oder geschäftlich genutzt, für die meisten ist es selbstverständlich geworden, immer und überall erreichbar zu sein. Um diese Erreichbarkeit zu gewährleisten, müssen die Netzbetreiber vielerorts Sendemasten aufstellen. Oft löst das Wissen um die hohe Strahlenbelastung durch die Sender jedoch Unbehagen auf Seiten der Bürger aus.

Nachdem das Thema Mobilfunk bereits elf Mal im Dettinger Gemeinderat behandelt wurde, fand nun ein Informationsabend für die Bürgerinnen und Bürger in der Schlossberghalle statt. Bürgermeister Rainer Haußmann legte zunächst die Rechtslage dar. Laut der Landesbauordnung sind Sendemasten bis zu zehn Metern Höhe verfahrensfrei. Das bedeutet, der Netzbetreiber braucht keine Baugenehmigung, solange er die Vorgaben der 26. Bundesemissionsverordnung einhält. Findet der Betreiber jemanden, der ihm erlaubt, einen Sendemasten auf seinem Grundstück zu errichten, so kann er dies tun, ohne dass die Kommune rechtliche Schritte dagegen einleiten kann. Die Netzbetreiber haben ein erhöhtes Interesse daran, ihre Sender direkt in den Orten anzubringen. Dort installieren sie sie im Zielgebiet auf hohen Gebäuden, wodurch die beste Strahlleistung erreicht wird.

Der Umweltstressanalytiker Norbert Honisch wusste von Gemeinden zu berichten, in denen ein regelrechter "Wildwuchs" entstanden sei. "In meiner zwölfjährigen Beschäftigung mit dem Thema Mobilfunk habe ich noch nie erlebt, dass es ein Netzbetreiber nicht erreicht hätte, einen Standort für seinen Sendemasten zu finden", sagte er. Gerade in diesen Orten sei die Strahlenbelastung sehr hoch. Daher empfehle es sich, dass die Gemeinden mit den Betreibern kommunizierten und sich auf geeignete Standorte außerhalb des Ortes einigten. Zudem betonte er, dass die Netzbetreiber nicht wahllos Sender aufstellen, sondern aus wirtschaftlichen Gründen handeln. Die Kunden fordern, überall Empfang zu haben und beschweren sich auch bei den Betreibern, wenn dieser es nicht schafft, dies zu ermöglichen. "Würden wir alle auf unsere Handys verzichten, gäbe es das Problem der Strahlung nicht", sagte der Referent. Man muss jedoch der Realität ins Auge schauen. Der Trend gehe momentan zum Zweit oder gar Dritthandy. Dafür reicht die Kapazität der bereits vorhandenen Sendemasten jedoch nicht aus und es müssen neue errichtet werden. Das eigene Verhalten trägt also stark zur vermehrten Strahlenbelastung bei.

Zur Zeit liegt in Dettingen ein Antrag des Netzbetreibers O2 vor, der einen neuen UMTSMasten bauen möchte. Das bisherige GSM-System wird in den nächsten Jahren auslaufen und durch das modernere UMTS ersetzt, das zum Beispiel das Versenden von Bildern per Handy ermöglicht.

Derzeit sind in Dettingen fünf Mobilfunkantennen von vier Mobilfunkanbietern in Betrieb. Während die Sendemasten von Vodafone und E-Plus bereits sowohl GSM- als auch UMTS-fähig sind, betreibt T-Mobile derzeit zwei Sendemasten in Dettingen. Einer der beiden Masten befindet sich auf dem Kirchturm. Der Mietvertrag dieses Mastens läuft 2009 aus. Die Gemeinde Dettingen bemüht sich, den neuen T-Mobile-Sender auf den gleichen Masten zu setzen wie den UMTS-Sender von O2. Ein geeigneter Standort ist etwas außerhalb des Ortes in den Mühlweingärten schon gefunden.

Befürchtungen, zwei Sender auf einem Masten würden auch die Strahlung verdoppeln, konnten sogleich zerstreut werden. Die Strahlenbelastung in der Umgebung bleibe immer gleich, egal wie viele Sender sich auf einem Masten befinden.

Norbert Honisch zeigte anhand von Computerberechnungen die aktuelle Strahlenbelastung. Anschließend demonstrierte er die Verringerung, wenn sowohl O2 als auch T-Mobile bereit wären, ihre Sender in den Mühlweingärten anzubringen. Nur die Umgebung des T-Mobile-Senders im Industriegebiet würde dann noch Strahlungen von circa 8000 Mikrowatt pro Quadratmeter aufweisen. An den bisherigen Standorten der beiden O2- und T-Mobile-Sender kann dagegen die Strahlung auf 1000 Mikrowatt pro Quadratmeter und weniger gesenkt werden.

Da in den nächsten Jahren Polizei- und Notarztfunk von analogem auf digitalen Funk umgestellt werden sollen, wird das Thema Funk und Strahlenbelastung den Dettinger Gemeinderat wohl nicht zum letzten Mal beschäftigt haben.