Lokales

Kommunikation und fachliche Kompetenz

"Habe keine Angst vor der Zukunft, die kommt ganz alleine." Mit diesem Zitat Albert Einsteins begrüßte der 1. Vorsitzende des Handels- und Gewerbevereins Owen, Wolfgang Schmidt, die rund 50 Mitglieder und Gäste, die sich im Herzog-Konrad-Saal der Teckhalle in Owen zum fünften Neujahrsempfang des Vereins versammelt hatten.

ANGELA WANKMÜLLER

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OWEN Er verlieh damit auch seiner Hoffnung Ausdruck, es könne im neuen Jahr zumindest wirtschaftlich gesehen nur besser werden. Dazu gab er seinen Zuhörern ein kleines aber feines Rezept, das "Erfolgskriterium Nr. 1" für ein gewinnbringendes Berufsleben, mit auf den Weg. Nachdem Wolfgang Schmidt zunächst die größten Schwierigkeiten, nämlich zunehmender Konkurrenzkampf und steigende Forderungen der Kunden vor allem im Dienstleistungsbereich aufgezeigt hatte, stellte er dar, wie der einzelne Unternehmer dennoch persönlichen und wirtschaftlichen Erfolg erzielen könne: "Beziehungs-Intelligenz" sei neben fachlicher Kompetenz die entscheidende Fähigkeit. Der "beziehungs-intelligente" Unternehmer beherrscht demnach die kluge, wache und umsichtige Kommunikation mit seinen beruflichen Partnern, das heißt, er versteht es, voll und ganz auf sie einzugehen, ihnen außer fachlichen Leistungen zusätzlich Energie und Selbstbewusstsein mitzugeben und ihnen so "ein Höchstmaß an Nutzen und persönlicher Zufriedenheit zu liefern."

Ein weniger optimistisches Zukunftsbild zeichnete Owens Bürgermeister Siegfried Roser, der sich wünschte, in seiner verbleibenden Amtszeit "nochmals einen positiveren Bericht abgeben zu können." Zwar betonte er zu Beginn seiner Rede, wie vergleichsweise gering und unbedeutend unsere Sorgen und Nöte angesichts der verheerenden Flutkatastrophe in Südasien eigentlich seien, und dass wir, auch wenn wir "unsere Zukunftsperspektiven in den dunkelsten Farben schildern," doch weiterhin auf sehr hohem Niveau leben werden. Dennoch äußerte er große Unzufriedenheit und Besorgnis über die hohen Fehlbeträge auch im Owener Haushalt und stellte fest, dass selbst Steuererhöhungen und drastische Ausgabenkürzungen in der letzten Zeit lediglich "ein Tropfen auf einen nicht nur heißen, sondern glühenden Stein" gewesen seien, dass auch im neuen Jahr "kein Lichtschein am Ende des Tunnels zu sehen" sei und dass es nun auch in Owen "ans Eingemachte" gehe. Roser wies jedoch darauf hin, dass die Owener Finanznot "nicht hausgemacht, sondern fremdbestimmt durch Bund, Land, Region und Landkreis" sei. Damit wandte er sich auch an den Gastredner des Abends, Dr. Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS), indem er aufzeigte, warum die "Region Stuttgart" den Owenern aus ihrer Sicht bislang hauptsächlich finanzielle Belastungen nahezu ohne erkennbaren Nutzen bringe. Er führte ins Feld, dass Owen durch seine geografische Lage am Rande der Region von Einrichtungen wie zum Beispiel der S-Bahn oder der Messe genau die gleichen nämlich so gut wie keine Vorteile habe wie einige nur wenige Kilometer entfernte Gemeinden in anderen, nicht zur Region Stuttgart gehörenden Landkreisen, etwa Reutlingen oder der Alb-Donau-Kreis. Diese müssten jedoch nichts bezahlen, während Owen per Gesetz verpflichtet werde, sich entsprechend seiner Steuerkraftsumme an der Finanzierung dieser und anderer Einrichtungen und Projekte der Region zu beteiligen.

Dr. Walter Rogg entschloss sich daraufhin spontan, nicht nur wie geplant über den Wirtschaftsstandort Region Stuttgart und die Bedeutung des Mittelstandes sowie die Aufgabenfelder und Projekte der WRS zu referieren, sondern auch zu versuchen, den Wert der Region Stuttgart auch für Owen zu belegen. Der Verband "Region Stuttgart" wurde 1994/95 gegründet und umfasst neben dem Stadtgebiet Stuttgart die Landkreise Esslingen, Göppingen, Böblingen, Ludwigsburg und den Rems-Murr-Kreis. Er verfügt über ein direkt gewähltes Regionalparlament, das sich mit Fragen, die den Ballungsraum als Ganzes betreffen, befasst. Eine Besonderheit der Region ist außerdem die enorme Bedeutung mittelständischer Unternehmen, die über 96 Prozent aller Unternehmen in der Region ausmachen. Etwa 70 Prozent aller Arbeitnehmer und sogar 80 Prozent aller Auszubildenden sind bei mittelständischen Unternehmen beschäftigt, die außerdem drei von vier Patenten anmelden.

In Bezug auf Owen stellte Dr. Rogg fest, dass die Gemeinde bei der Beschäftigungsentwicklung in den vergangenen zehn Jahren einen überdurchschnittlichen Zuwachs von 2,7 Prozent verzeichnen konnte (in der Gesamtregion waren es lediglich 0,1 Prozent). Während in der Gesamtregion etwas mehr Beschäftigte im Dienstleistungssektor tätig sind, liegt der Schwerpunkt in Owen nach wie vor beim Produzierenden Gewerbe.

Zu den Aufgaben des Verbands Region Stuttgart gehören die regionale Verkehrs- und Infrastrukturplanung, die Landschaftsrahmenplanung sowie die Wirtschafts- und Tourismusförderung. Davon sollte eigentlich auch die Stadt Owen profitieren. Die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) wurde 1995 vom Verband gegründet und versteht sich als Dienstleister für die Städte und Gemeinden sowie die Unternehmen der Region. Sie kooperiert mit den Landratsämtern und den kommunalen Wirtschaftsförderern. Ihr Ziel ist, die Position der Region im nationalen, europäischen und internationalen Standortwettbewerb zu stärken und die regionale Zusammenarbeit zu verbessern. Dazu versucht sie, den Bekanntheitsgrad der Region weltweit zu erhöhen und ihr Image zu verbessern, um so neue Unternehmen sowie qualifizierte Arbeitskräfte zu gewinnen.

Rogg konnte den Owenern zumindest ein wenig Hoffnung machen, dass ihnen künftig wieder neue gewerbliche Flächen zugestanden werden würden. Inwieweit die Stadt Owen nun tatsächlich vom Verband profitiert, wurde wohl nicht ganz geklärt. Dennoch konnte Dr. Walter Rogg den Mitgliedern des HGV sowie Bürgermeister Siegfried Roser und den anwesenden Gemeinderäten sicherlich einige interessante Fakten und neue Erkenntnisse vermitteln.

Bevor das Büffet eröffnet wurde, spielte das Jugendblasorchester des Musikvereins Owen, das unter der Leitung von Daniela Sommerluksch bereits den ganzen Abend für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung gesorgt hatte, noch ein paar heitere, schwungvolle Weisen.