Lokales

Kommunikationstalent mit Humor

Als humorvoll, selbstironisch und unangepasst an den Publikumsgeschmack beschrieb Franz Scholz, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen eine Frau, die zwar nicht Bundespräsidentin geworden ist, von der die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung aber behauptet: "So eine wie sie wird offensichtlich gebraucht".

ESSLINGEN "Gesine von Deutschland", wie das Blatt titelte, war auf Einladung der Kreissparkasse zur Veranstaltungsreihe "Frauen im Dialog" gekommen, die inzwischen zum zehnten Mal von der Fernsehjournalistin und Kolumnistin Susanne Offenbach moderiert wurde. Über 500 interessierte Zuhörerinnen waren in der Kundenhalle der Kreissparkasse zu Gast.

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Rückblickend sieht Gesine Schwan das knappe Wahlergebnis als Achtungserfolg: "Ich habe etwas niedergelegt, ohne es als Niederlage zu betrachten". Ihre Vita enthält viele Meilensteine der akademischen und politischen Karriere. Schwan, 1943 in Berlin geboren, studierte in ihrer Heimatstadt und Freiburg Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaft. Es folgten Studienaufenthalte in Warschau und Krakau mit einer Promotion 1970 als Abschluss. Im gleichen Jahr trat sie in die Partei ein und habilitierte 1975. Seit 1977 ist sie Professorin für Politikwissenschaft. Den "Marion-Dönhoff-Preis" für ihren Beitrag zur Völkerverständigung erhielt Gesine Schwan im Jahr 2004 verliehen.

Seit einem Jahr berät die Expertin für Osteuropa als Koordinatorin für deutsch-polnische Beziehung die Bundesregierung. Den Wechsel auf höchster bundespolitischer Ebene sieht sie gelassen. "Vermutlich wird es eine Kontinuität im politischen Brückenbauen geben", meint Schwan. Sie würde auch Kanzlerin Merkel beraten, wenn diese sie nach Rat fragen würde.

Polen befindet sich nach Ansicht Schwans derzeit in einer Modernisierungskrise. Tiefe Klüfte herrschten zwischen den Teilen der Gesellschaft, in der die Stürme der Modernisierung toben und den Teilen, die verunsichert sind und sich als Verlierer wähnen. Rechtsnationalismus sei eine Reaktion darauf. Gemeinsam mit ihrer polnischen Partnerin Irena Lipowicz will Schwan, die mit einer Arbeit über den Philosophen Kolakowski promovierte, Verständnis und Sympathien fördern.

Gesine Schwan, die mit dem Gründer der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International, Peter Eigen, verheiratet ist, hat sich nie als "Sozialistin", sondern immer als "Sozialdemokratin" verstanden, weil sie nicht an ein neues System glaubt, sondern die Gerechtigkeitskomponente in der Demokratie erhalten möchte. Ihr sozial engagiertes Elternhaus mit einem Vater, der aus der evangelischen Kirche ausgetreten ist, und einer katholischen Mutter hat zu diesem Verständnis beigetragen.

Abschließend verriet sie, was man hier zu Lande von Polen lernen kann: Herzlichkeit und Spontaneität, Dynamik und Optimismus, Improvisation und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. Schließlich gelte es, das Verhältnis zu vertiefen. Und Zuversicht sei eine der wichtigsten Eigenschaften, um etwas voranzubringen.

pm