Lokales

Komplizierte Baumfällaktion

Verkehrssicherungsmaßnahme am Schlossberg in Gutenberg – Schutz für Wohnhäuser

Weil zahlreiche Altbuchen auf dem Schlossberg in Gutenberg nicht mehr standsicher sind, muss das Kreisforstamt Esslingen jetzt durch einen massiven Eingriff in den Baumbestand tätig werden, um eine Gefährdung der direkt angrenzenden Bebauung auszuschließen. Der bewaldete Steilhang wird mit Hilfe eines Starkholz-Seilkranes durchforstet.

Lenningen. Die Gemeinde Lenningen ist Eigentümerin dieses Waldes und somit obliegt ihr auch die Verkehrssicherungspflicht. Die Ortsbebauung schließt unmittelbar an den bewaldeten Steilhang an. Der Wald besteht teilweise aus Altbuchen, die am Absterben sind. Teile der Kronen sind bereits abgebrochen, an den Stammfüßen finden sich zum Teil größere Faulstellen. Sollten diese Bäume umstürzen oder abbrechen, wären die am Fuße des Schlossberges unmittelbar angrenzenden Häuser und ihre Bewohner gefährdet.

Angesichts dieser schwierigen Ausgangslage wird die Holzfällerei technisch anspruchsvoll. Da der Steilhang nicht befahren werden kann, bleibt nur der Einsatz eines Starkholz-Seilkranes. Dafür hat das Kreisforstamt Spezialisten mit ins Boot geholt. Mit den Arbeiten wurde die am Bodensee ansässige Firma Hochleitner beauftragt.

Die unmittelbare Nähe der Bebauung zum bewaldeten Steilhang macht selbst den Spezialisten Kopfzerbrechen. Machbar wird der Hieb deshalb, weil enorme Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. So wird am Fuße des Schlossberges ein Sicherheitsnetz gespannt. Dieses schützt vor Steinschlägen. Zudem wird jeder einzelne Baum mit Steigeisen bis zu einer Höhe von 15 Metern erklettert und dort oben mit einem Seil angebunden. Derart gesichert, kann der Baum ins Seil gefällt werden. Ist die Baumkrone breit und brüchig, muss ein Baum mit bis zu vier Seilen gesichert werden. Auf diese Weise wird verhindert, dass sich ein Baum oder seine Kronenteile selbstständig machen.

„Diese Verkehrssicherungsmaßnahme kostet sehr viel Geld“, sagt Kreisforstamtsleiter Felix Reining. Auch nach Abzug der Holzerlöse wird die Gemeinde Lenningen noch rund 30 000 Euro aufbringen müssen. Teuer wird die Maßnahme auch deshalb, weil eine Vollsperrung der vorbeiführenden Straße nicht möglich ist. Die Straße stellt die einzige Erschließung zu den Sport- und Tennisplätzen sowie zu dem Feuerwehrgerätehaus und zu zwei weiteren Straßen dar. Daher kann nur zeitweise gesperrt werden. „Besser wäre es natürlich, wenn wir eine Vollsperrung machen könnten“, meint der zuständige Revierförster Alexander Klein, denn jede Unterbrechung der Arbeit kostet bei einem Maschinenstundensatz von 400 Euro viel Geld.

Nach Abschluss der Arbeiten wird der Schlossberg sein Erscheinungsbild verändert haben. Nach Einschätzung der Spezialisten werden etwa zwei Jahre ins Land gehen, bis er wieder voll begrünt ist.

Eineinhalb Jahre Planungszeit sind dem Seilkraneinsatz vorausgegangen. Da der Schlossberg innerhalb des Naturschutzgebietes „Oberes Lenninger Tal mit Seitentälern“ liegt, sind alle Belange des Naturschutzes gründlich geprüft worden. Das Regierungspräsidium Stuttgart hat bereits im Frühjahr eine naturschutzrechtliche Genehmigung für das Vorhaben erteilt. Angesichts der schwierigen Ausgangslage und der Dringlichkeit der Situation waren sich aber alle Beteiligten einig: es gibt keine Alternativen. la

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