Lokales

Kompromiss: 15 000 plus Sonderveranstaltungen

Der Kirchheimer Gemeinderat hat einen Kompromiss in Sachen Sonderlandeplatz Hahnweide gefunden: Die Zahl der jährlichen Motorstarts soll auf 15 000 begrenzt werden. Ausgenommen davon sind besondere Veranstaltungen, die nicht jedes Jahr stattfinden, beispielsweise das Oldtimer-Fliegertreffen oder Meisterschaftswettbewerbe.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM Der Baden-Württembergische Luftfahrtverband (BWLV) hatte 17 000 Starts pro Jahr beantragt, was dem langjährigen Mittel auf der Hahnweide entspreche. Das Referenzjahr 2005, auf das die Zahl von 15 000 motorisierten Starts zurückzuführen ist, halten die Flieger für nicht repräsentativ, weil in jenem Jahr die Startbahn saniert worden war und deshalb bis April nicht zur Verfügung stand. Insofern seien zwangsläufig weniger Flüge möglich gewesen als im Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre.

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Deshalb sind die Flugsportler mit der Kompromisslösung, die der Kirchheimer Gemeinderat nun in einer Stellungnahme der Stadt an das Regierungspräsidium weiterleiten lässt, nicht wirklich zufrieden. Sie wissen noch nicht, wie sie mit einer "Deckelung" auf 15 000 Starts in der Praxis umgehen sollen. Vor allem die Segelflieger bedauern es, dass der jährlich stattfindende Hahnweid-Wettbewerb nicht unter die geplante Ausnahmeregelung fällt. Bei gutem Wetter und acht Tagen vollen Flugbetriebs fallen allein für diesen Wettbewerb rund 1 000 motorisierte Starts an, die dann von den 15 000 kontingentierten Starts abzuziehen wären.

Die Anwohner, die in der Einflugschneise der Hahnweide zwangsläufig starken Lärmbelästigungen ausgesetzt sind, zeigten sich im Anschluss an diesen Tagesordnungspunkt der jüngsten Gemeinderatssitzung auch nicht zufriedener als die Flieger. Sie glauben nämlich, dass ihnen durch die Ausnahmeregelung für die Sonderveranstaltungen insgeheim eben doch 17 000 Motorstarts pro Jahr untergeschoben werden könnten.

Der ideale Kompromiss wäre freilich einer, mit dem alle Beteiligten zufrieden sein können. Weil die Meinungen in diesem Fall aber so unterschiedlich sind und keine der beiden Parteien weder die Flieger noch die Anwohner auch nur im entferntesten auf die Maximalforderungen der jeweils anderen Partei eingehen kann, sehen beide Teile sich selbst als Verlierer des Kompromisses und die anderen als Gewinner. Da sich diese Ansicht aber auf beide Seiten gleichmäßig verteilt, muss der Kompromiss nicht unbedingt der schlechteste sein. Zumindest ist es ein echter Kompromiss, der beiden Seiten Zugeständnisse abverlangt.

Was allerdings in der Gemeinderatssitzung weder die Flieger noch die Anwohner nachvollziehen konnten, das war der vorherige Beschluss des Ältestenrats, auf Redebeiträge der Gemeinderatsmitglieder zu diesem Thema zu verzichten. Auf telefonische Nachfrage des Teckboten erklärte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker dazu, dass alle Argumente bereits im Vorfeld vielfach ausgetauscht worden seien: "Die Stellungnahme stammt ja eigentlich vom Dezember, und hier ging es nur noch um eine Ergänzung. Das Thema ist intensiv in beiden Ausschüssen vorberaten worden, und auch mit den Betroffenen haben wir mehrfach Gespräche geführt." Insofern habe es in der aktuellen Gemeinderatssitzung nichts wirklich Neues mehr zu sagen gegeben, alles sei bereits ausdiskutiert gewesen.

Außerdem verweist die Oberbürgermeisterin darauf, dass der Beschluss einstimmig erfolgt ist: "Die Einstimmigkeit zeigt mir, dass man alles sorgfältig abgewogen hat und dass es keine Bedenken mehr im Ratsrund gab. Wer nicht damit einverstanden gewesen wäre, hätte ja dagegen stimmen oder sich zumindest enthalten können."

Inhaltlich zeigt Angelika Matt-Heidecker Verständnis für beide Seiten. "Der Schutz vor Lärmbelästigung ist wichtig. Da haben wir eine Verantwortung gegenüber unseren Einwohnern und auch gegenüber den Umlandgemeinden", sagt sie einerseits. Auf der anderen Seite steht für sie aber auch fest: "Segelfliegen gehört zur Stadt Kirchheim. Der Betrieb auf der Hahnweide muss gesichert sein für den Flugsport, aber auch für Sonderveranstaltungen wie das Oldtimer-Fliegertreffen."

Letztlich aber gibt die Stadt Kirchheim in diesem Zusammenhang nur eine Stellungnahme ab, die das Regierungspräsidium zur Kenntnis nimmt. Wie sich die Verantwortlichen dort in Sachen Sonderlandeplatz Hahnweide entscheiden werden, steht bislang noch auf einem ganz anderen Blatt. Das Regierungspräsidium kann sich zwar eng an die Kirchheimer Stellungnahme anlehnen, aber die Entscheidung ist nicht an die Signale aus Kirchheim gebunden.