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Kompromiss nach mühsamen Verhandlungen

Mussten Weilheimer Rat und Verwaltung im Juli noch zittern, ob sich die Umwandlung des ehemaligen Wiesenhof-Geländes auf dem Egelsberg in ein Wohngebiet realisieren lässt, so sieht es nun ganz danach aus, dass das Projekt umgesetzt werden kann. Wenn auch in abgespeckter Form.

ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM Die Verhandlungsergebnisse, die Bürgermeister Hermann Bauer dem Gemeinderat seit April regelmäßig mitteilte, glichen einer Berg- und Talfahrt: Schien im April noch der Kaufpreis der Ende vergangenen Jahres stillgelegten Immobilie die Hürde zu sein, so konnte der Verwaltungschef zwei Monate später von einem erfolgreichen Gespräch mit Vertretern der Landsiedlung Baden-Württemberg als Projektträger und der Firma Wiesenhof berichten. Wie durchsickerte, musste der Eigentümer bei den Preisverhandlungen ordentlich "Federn lassen". Im Juli folgte die Ernüchterung: Das Bestreben, das zu bebauende Areal um rund 67 Ar städtischer Flächen zu erweitern, damit sich das Projekt wirtschaftlich attraktiv gestaltet, wurde durch das Landratsamt und den Verband Region Stuttgart vereitelt. Der Grund: Bei dem an die Industriebrache angrenzenden Gelände handelt es sich laut Regionalplan um einen "schutzbedürftigen Bereich für Erholung und Landwirtschaft".

In weiteren Verhandlungen mit der Landsiedlung und den Fachbehörden, die Bauer als "sehr, sehr mühsam" bezeichnete, wurde jetzt ein Kompromiss mit einer geringeren Ausdehnung erarbeitet. Positiv wertete der Bürgermeister, dass der notwendige Lärmschutzwall in die ehemalige Obstanlage der WLZ hineingeschoben werden kann und damit die zu bebauende Fläche eine akzeptable Größe bekommt, auch wenn der gegenüberliegende städtische Streifen nicht im ursprünglich gewünschten Umfang hineingenommen werden kann. Damit soll im Geländeverlauf ein moderater Übergang zur freien Landschaft hin entstehen. "Wir mussten Einbußen gegenüber der letzten Lösung und dem anfangs favorisierten Plan hinnehmen", gab Hermann Bauer zu. Das "Minus" bezifferte er mit 50 000 bis 70 000 Euro.

Der Rathauschef gab sich dennoch optimistisch, dass das Projekt erfolgreich umgesezt wird. Um die künftigen Bewohner gegen den Autobahnlärm abzuschotten, soll außer dem Erdwall im Nordosten ein Band mit Garagen gezogen werden. Insgesamt umfasst das Gelände 1,8 Hektar Bauland. Damit ist es halb so groß wie das Baugebiet Gänsweide. Vorgesehen sind überwiegend Ketten- und Reihenhäuser; abhängig von der Nachfrage sind aber auch Doppelhäuser denkbar. "Wir wollen dort jungen Familien kostengünstiges Bauen ermöglichen", sagte Hermann Bauer. Im hinteren, der Stadt abgewandten Bereich, sollen Einfamilienhäuser entstehen. Die Vermarktung ist auf sieben Jahre angelegt.

Einstimmig befürwortete der Gemeinderat den als Chance gewerteten Beschlussvorschlag für das Gebiet Egelsberg III. Damit können die jahrelangen Nachbarschaftsquerelen zwischen Wohnbebauung und angrenzendem Gewerbe beseitigt werden. Der Antrag auf Änderung des Flächennutzungsplans wird auf der neuen Grundlage gestellt. Außerdem wird dem Beschluss zur Aufstellung des Bebauungsplans der aktuelle Plan zu Grunde gelegt. Das Landschaftsschutzgebiet im Bereich Egelsberg muss nun nicht geändert werden. Stattdessen reicht der Antrag auf Befreiung von den Festsetzungen der Landschaftsschutzverordnung aus.