Lokales

Konjunkturerholung lässt auf sich warten

Die Konjunkturindikatoren der IHK-Konjunkturumfrage für das erste Quartal 2005 signalisieren unerwartet eine negative Trendwende: Sowohl bei der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage als auch bei den Fragen nach den Umsätzen, der Geschäftserwartung und den Beschäftigtenzahlen gingen die Erwatungen der Unternehmen im Kreis Esslingen leicht zurück.

KREIS ESSLINGEN Damit zeigt das Ergebnis der aktuellen IHK-Umfrage bei knapp 380 Unternehmen im Kreis Esslingen, dass die zur Jahreswende positive Stimmung und die in den letzten Quartalen stets hohen Erwartungen an eine positive Entwicklung sich im ersten Quartal 2005 eingetrübt haben. Trotzdem ist die Situation nicht so dramatisch, wie es die Auswertung auf den ersten Blick erwarten lässt. Die Zahl derer, die die Geschäftslage als schlecht einschätzen (20,8 Prozent), hat zwar leicht zugenommen gegenüber dem Vorquartal (13,1 Prozent), insgesamt verharrt der IHK-Konjunkturindikator zur Geschäftslage jedoch mit minus 4,4 Punkten noch in einem "moderaten negativen Bereich", so die IHK.

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Neuerliche SkepsisÄhnlich wie bei der Bewertung der Geschäftslage verhält es sich bei den Umsatzzahlen. Gestiegene Umsätze melden immerhin noch 34,7 Prozent der Unternehmen, gegenüber 39,7 Prozent im Vorquartal. Gleich gebliebene oder fallende Umsätze hingegen sind bei 65,3 Prozent der Betriebe zu verzeichnen. Im Vorquartal waren es 60,3 Prozent.

Auch das Ergebnis bei der Frage nach der erwarteten Geschäftsentwicklung für die nächsten zwölf Monate zeigt leicht nach unten. Erstmals seit einem Jahr sehen die Unternehmen jetzt wieder etwas skeptischer in der Zukunft. Etwa die Hälfte der Befragten erwartet eine gleich bleibende Geschäftsentwicklung, etwa 20 Prozent erwarten eine schlechtere, immerhin noch etwa 30 Prozent eine bessere Geschäftsentwicklung.

Wenn die Geschäftszahlen die hohen Erwartungen ein ums andere Mal nicht erfüllen, hat dies selbstverständlich auch zur Folge, dass die Unternehmen ihre Zukunftserwartungen nach unten korrigieren. Die insgesamt eher gedämpfte Stimmung spiegelt sich auch in der Einschätzung der Entwicklung der Beschäftigtenzahlen wider. Zwar rechnen noch etwa genauso viele Betriebe wie im Vorquartal mit steigenden Beschäftigtenzahlen, jedoch hat auch der Anteil der Unternehmen wieder zugenommen, die von einem Personalabbau ausgehen.

Stimmung mäßigDas Stimmungsbild bei den Industrieunternehmen im Landkreis Esslingen ist im Vergleich zum Vorquartal zwar mäßig ausgefallen, allerdings bewegen sich die IHK-Konjunkturindikatoren im Gegensatz zu anderen Branchen insgesamt noch im positiven Bereich. So bezeichnen 18,3 Prozent der befragten Unternehmen (Vorquartal: 27,6 Prozent) ihre aktuelle Geschäftslage als gut, während der Anteil der Unzufriedenen geringfügig von 12,2 Prozent auf 15,7 Prozent gestiegen ist. Gut zwei Drittel der Firmen sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden. Erstaunlich ist, dass im Hinblick auf die Geschäftserwartung die Zahl der Optimisten sogar leicht zugenommen hat. Eine Ausnahme bildet der Maschinenbau. Hier ist die Anzahl derer, die ihre Geschäftslage als schlecht beurteilen, von 14,9 Prozent auf 26,2 Prozent gestiegen. Besonders auffällig ist, dass die Umsätze aus dem Ausland gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal bei 50 Prozent rückläufig sind. Im Vorquartal berichtete noch etwa die Hälfte der Unternehmen von gestiegenen Auslandsumsätzen.

Eine gleich bleibend hohe Anzahl der befragten Industriebetriebe sieht den Kostendruck weiterhin als größten Risikofaktor für die Konjunkturentwicklung. Dabei spielt die Steuer- und Abgabenbelastung zwar immer noch eine große Rolle, allerdings werden auch die gesamten politischen Rahmenbedingungen als Risikofaktor angesehen. Interessant ist, dass in diesem Quartal weniger Unternehmen die Entwicklung der Weltwirtschaft als Chance ansehen. Dies deckt sich mit den Aussagen zu den Auftragseingängen, die im Vergleich zum Vorquartal auch aus dem Ausland eher als stagnierend eingestuft werden. Bisher war das Auslandsgeschäft immer das Zugpferd der Branche gewesen.

Hinsichtlich der Investitionstätigkeit im Inland rechnen etwa 70 Prozent der Industriebetriebe mit einer gleich bleibenden oder fallenden Entwicklung. Immerhin etwa 30 Prozent erwarten steigende Investitionen in den nächsten zwölf Monaten. Dabei werden Rationalisierung und Ersatzbedarf weiterhin Hauptmotive sein, Produkt- oder Verfahrensinnovationen belegen weiterhin nur den dritten Platz. Die Entwicklung bei den Beschäftigtenzahlen wird sich in der Industrie voraussichtlich dem allgemeinen Trend anschließen. Die Unternehmen rechnen damit, dass es zu einem leichten Abbau der Beschäftigtenzahlen kommen wird.

Kaufverhalten zurückhaltendIm Handel weisen die Zeichen deutlich nach unten. Nachdem sich die Händler in der letzten Umfrage überraschend positiv geäußert hatten, befinden sich die IHK-Indikatoren nun wieder fast ausnahmslos im negativen Bereich und haben in etwa die Werte von vor einem Jahr angenommen. Die aktuelle Geschäftslage bezeichnen nun nur noch 11,6 Prozent der Handelsunternehmen als gut, der Anteil derer, die die Geschäftslage als schlecht bezeichnen, ist deutlich von 17,9 auf 39,5 Prozent gestiegen. Auch die Umsatzzahlen zeigen kein erfreuliches Bild. Die Hälfte der Betriebe berichten von gefallenen Werten gegenüber dem Vorjahresquartal. Nachdem zur Jahreswende das Kaufverhalten der Kunden sich etwas stabilisiert hatte, berichten nun zwei Drittel der Unternehmen wieder von einem zurückhaltenden Kaufverhalten. Damit werde deutlich, dass die Verunsicherung beim Endverbraucher angesichts der ungewissen Zukunft und der hohen Arbeitslosenzahlen weiterhin groß ist, urteilt die IHK in ihrer Pressemitteilung.

Bauwirtschaft verliert SchwungDie leichte Erholung, die sich in den Ergebnissen der letzten Umfrage abzeichnete, hat nicht angehalten. Die Bauwirtschaft hat wieder an Schwung verloren. Bei der Frage nach der aktuellen Geschäftslage beurteilen 72,7 Prozent ihre Geschäftslage als befriedigend, 27,3 Prozent berichten von einer schlechten Geschäftslage. Im Vorquartal hatten immerhin 7,1 Prozent die Geschäftslage als gut eingestuft. In diesem Berichtsquartal findet sich kein Unternehmen mit guter Geschäftslage.

Bei den Dienstleistungsunternehmen im Landkreis Esslingen weisen die IHK-Konjunkturindikatoren zwar nach unten, die Stimmung ist aber nicht so schlecht wie in anderen Branchen. Immerhin bezeichnen etwa 20 Prozent der Befragten die Geschäftslage als gut. Die Zukunftserwartungen im Dienstleistungsbereich sind verhalten. Auch im Hotel- und Gaststättengewerbe ist die Stimmung wieder etwas verhaltener, nachdem im Vorquartal die Werte fast lückenlos nach oben gezeigt haben. Allerdings sind die Betriebe weiterhin zum Großteil mit der Geschäftslage zufrieden und erwarten auch überwiegend eine bessere Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten.

pm