Lokales

Konkrete Zustimmung erst später

In der ersten Gemeinderatssitzung im neuen Jahr beschäftigte sich das Neidlinger Ratsrund vor vollen Besucherrängen mit der Aufnahme und Ausweisung der auf der Gemarkung liegenden Flächen in das von Land und Landkreisen geplante Biosphärengebiet "Mittlere Schwäbische Alb".

RENATE SCHATTEL

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Neidlingen ist damit eine der neun Kommunen im Landkreis Esslingen, die sich in das von der UNESCO anerkannte Reservat einbringen und die damit verbundenen Fördermaßnahmen nutzen will. Betroffene Gebiete sind die zum Staatswald gehörenden ökologisch wertvollen Hangschluchtwälder als Kernzone, die keinerlei forstwirtschaftliche Nutzung zulassen und zu Bannwäldern werden sollen sowie Pflege- und Entwicklungszonen bis hin zum Lindachtal, die bereits zu geschützten Flächen gehören. Angesichts der vorangegangenen langjährigen Naturschutzbemühungen in Neidlingen werde mit keinen weiteren Beschränkungen gerechnet und der Pflegeaufwand bleibt der gleiche. Bürgermeister Kammerlander erwartet hingegen wie seine acht Kollegen am Albtrauf zwischen Weilheim und Kohlberg eine Stärkung der Region im Wettbewerb um Urlaubsgäste, Investitionen und Fördermittel.

Zum Nulltarif gibt es aber die schöne Aussicht auf Förderung nicht und auch die Gemeinde Neidlingen wird sich an den Betriebskosten beteiligen müssen. "Die werden wir bezahlen können", ist sich der Verwaltungschef sicher, "aber wir sind auf alle Zuschüsse angewiesen". Einig war sich der Gemeinderat darüber, dass eine konkrete Zustimmung erst erfolgen kann, wenn der Inhalt der Rechtsverordnung bekannt ist, was für Ende März anvisiert wird. Da werden sich dann auch Fragen klären, wie zum Beispiel, ob in der Pflegezone Skisport betrieben werden und welche Wege noch betreten werden dürfen.

Das gesamte Biosphärengebiet umfasst inzwischen 54 000 Hektar und betrifft die Landkreise Esslingen, Reutlingen sowie den Alb-Donau-Kreis und ist vom ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen ausgegangen. Nach der Aufgabe des Truppenübungsplatzes durch die Bundeswehr Ende 2005 stellte sich die Frage der Nachfolgenutzung der ehemaligen militärischen Einrichtungen und der Erhaltung der über Jahrzehnte gewachsenen und nahezu unberührten Alblandschaft.

Mit der Schaffung eines Biosphärengebietes und dessen Anerkennung als besondere Kulturlandschaft durch die UNESCO sollen die regionale Entwicklung, die touristische Erschließung und die Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Betrieben der Region intensiviert werden. Gemeinderat und Verwaltung erhoffen nun Chancen, durch solches internationale Prädikat Fördergelder von der EU, vom Bund oder von Stiftungen einzuwerben, Gelder, die für den Erhalt und die Pflege der Landschaft künftig wichtiger denn je werden.