Lokales

Konsumieren trotz drohender Krise

Einzelhandelsverband berichtet von „zufriedenstellendem“ Weihnachtsgeschäft

Kurz vor Weihnachten hat die Finanzkrise die deutsche Wirtschaft fest im Griff. Der Abschwung scheint unvermeidlich. Viele Arbeitnehmer, auch in Kirchheim und Umgebung, fürchten um ihre Arbeitsplätze. Auf die vorweihnachtliche Einkaufslust wirkt sich das bisher nicht aus, berichten Kirchheimer Einzelhändler.

Anzeige

Antje Dörr

Kirchheim. Es ist dieselbe Prozession wie in jedem Jahr: An den Adventssamstagen schieben sich die Massen durch die Kirchheimer Fußgängerzone, auf der Suche nach Geschenken für die Liebsten. Parkplätze sind Mangelware.

Die Kirchheimer Einzelhändler freut‘s. Schließlich sind sie auf ein gutes Weihnachtsgeschäft angewiesen – gerade angesichts des nahenden Abschwungs. „Wir merken bisher nichts davon, dass sich die Konjunktur abschwächt“, sagt Karl Bantlin, Geschäftsführer des Modehauses Bantlin und Erster Vorsitzender des Kirchheimer City Rings.

In seinen eigenen Geschäften sei das Weihnachtsgeschäft bisher „okay“ gewesen: „Besser könnte es natürlich immer sein“, so Karl Bantlin. Er wolle aber noch die letzten Tage vor Weihnachten abwarten. Erfahrungsgemäß würden die Leute zuerst in den großen Städten schauen, bevor sie in Kirchheim einkauften. „Am Schluss verkaufen wir meistens mehr.“ Von Konsumgutscheinen hält Bantlin nichts: „Die Leute brauchen Sicherheit, damit sie etwas kaufen.“

Für das nächste Jahr sieht Karl Bantlin nicht schwarz für den Einzelhandel. Mit dem Nanz-Center käme ein neuer Mitbewerber nach Kirchheim, aber das böte auch viele Chancen für die bestehenden Einzelhändler. Er sei optimistisch, dass sich die schwierige Parkplatzsituation, die so manchen Käufer möglicherweise abschrecke, bald verbessern werde. Den Kirchheimer Weihnachtsmarkt findet Bantlin ebenfalls „verbesserungswürdig“. Der City Ring führe darüber Gespräche mit der Stadt.

Jochen Nägele, Zweiter Vorsitzender des City Rings, weiß ebenfalls Positives zu berichten. Er selbst habe seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr sogar gesteigert, berichtet der Geschäftsführer von Optik Bacher.

Aus dem Rest von Baden-Württemberg kommen keine enthusiastischen, aber positive Töne. Der Einzelhandelsverband Baden-Württemberg hat in einer Trendumfrage stichprobenartig die Stimmung im Einzelhandel erfasst. „Für die ersten drei Adventswochenenden haben wir zufriedenstellende Rückmeldungen bekommen“, sagt die Sprecherin des Verbands, Eva Schulze. In allen Bereichen, von der Bekleidung über die Unterhaltungselektronik bis hin zu Klassikern wie Büchern und CDs, laufe das Weihnachtsgeschäft gut. Außerdem werde fleißig „alles fürs Kind“ gekauft, sagt Schulze: „In dem Bereich wird nicht gespart.“

Als Gründe für den ungebremsten Konsum sieht sie unter anderem positive Nebeneffekte wie den gefallenen Benzinpreis und die Wiedereinführung der Pendlerpauschale. Die Finanzkrise habe den Einzelhandel bisher nicht erreicht. „Unser Eindruck ist, dass sich der Konsument davon bisher nicht beeindrucken lässt.“