Lokales

Kontroverse Debatte um Kosten, Lärm und Flächen

Ginge es nach früheren Planungsvorstellungen, müsste die neue Sporthalle der Raunerschule schon seit einem halben Jahr in Bau sein und ihrer baldigen Fertigstellung entgegensehen. Tatsächlich aber hat sich der Kirchheimer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung eine weitere Debatte über den geeigneten Standort für die Sporthalle geliefert.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM Schon vor über einem Jahr hatten die Kirchheimer Stadträte nach langer Diskussion wieder einmal mehrheitlich beschlossen, dass die Schulsporthalle beim Teckkeller entstehen soll. Zwischenzeitlich hatte Helmut Kapp, der Vorsitzende der CDU-Gemeinderatsfraktion, jedoch beantragt, nochmals zu überprüfen, ob der Standort entlang der Umgehungsstraße nicht geeigneter wäre. Zwei Hauptargumente führte er dazu ins Feld: Zum einen biete die Halle einen idealen Lärmschutz, wenn sie zwischen der Raunerschule und der Bundesstraße gebaut wird, zum anderen ließe sich dadurch die wertvollere Fläche am Teckkeller freihalten.

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Für diese Fläche dachte Helmut Kapp in jüngster Sitzung darüber nach, sie einmal für den Schul- oder Kindergartengartenbedarf zu nutzen. In früheren Diskussionen war auch schon eine Wohnbebauung an dieser Stelle im Gespräch gewesen. Den Nachteil des Standorts an der Bundesstraße benannte Helmut Kapp klipp und klar: "Die Mehrkosten lassen sich nicht wegdiskutieren." Aber die Möglichkeit, die bessere Fläche am Teckkeller vorerst freizuhalten, sei es ihm wert, 100 000 oder 150 000 Euro an Mehrkosten in Kauf zu nehmen.

Peter Bodo Schöllkopf (SPD) hielt dem entgegen, dass die Mehrkosten wesentlich höher liegen müssten. Er zählte verschiedene zusätzliche Posten auf und kam auf eine Gesamtsumme von bis zu 300 000 Euro, um die ein Bau am Standort Bundesstraße zum jetzigen Zeitpunkt teurer sein müsste als am Standort Teckkeller. "Das finde ich beträchtlich", fügte er hinzu und stellte fest, dass sich im Übrigen an den Argumentennichts geändert habe seit der Diskussion im September 2005. Es sei eher noch so, dass der damalige Beschluss für den Standort Teckkeller sogar bestätigt werde durch die Haltung der Schulleitung.

In der Sitzungsvorlage ist nämlich zu lesen, dass der Rektor in einer Anordnung der Sporthalle beim Teckkeller "funktionale Vorteile" sehe. Vor allem die Erreichbarkeit der Sporthalle und der Sportflächen im Freien seien wichtig, auch im Hinblick auf die Ganztagsbetreuung. Außerdem heißt es in der Vorlage, dass die Kosten der beiden Varianten nicht direkt zu vergleichen sind, weil die Variante an der Bundesstraße nicht bis zur Genehmigungsreife weiterentwickelt ist. In beiden Fällen geht es bislang um eine Größenordnung zwischen 2,8 und 2,9 Millionen Euro.

Karl-Heinz Schöllkopf von der Fraktion Grüne Alternative ging es außer um die Kosten vor allem auch um die richtige städtebauliche Lösung, wobei er den Standort entlang der Bundesstraße "für verträglich, vielleicht sogar für besser" hielt. Andererseits war er der Meinung, dass der Standort in direkter Nähe zum Teckkeller "deutlich kostengünstiger" sei. Aus diesem Grund halte er am früheren Beschluss fest. Außerdem betonte er, dass die Schule die Halle brauche. Dieser Meinung war auch Birgit Müller von der Frauenliste. Sie wollte unter anderem deshalb bei der bisherigen Planung bleiben, damit die Sporthalle "in absehbarer Zeit gebaut werden kann".

Ulrich Kübler (Freie Wähler) dagegen meinte: "Die ganze Sache ist etwas unglücklich gelaufen. Ich halte es aber für legitim, bis zum Schluss für die bessere Lösung zu kämpfen." Er selbst sieht in dem Standort an der Bundesstraße diese bessere Lösung und monierte, dass zuvor nicht genügend über die Möglichkeit informiert worden sei, mit der neuen Sporthalle entlang der Umgehungsstraße näher an das benachbarte Gewerbegrundstück heranzurücken.

Bürgermeister Günter Riemer verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass Gespräche mit dem betreffenden Gewerbebetrieb geführt worden seien, ohne dass sich dabei eine denkbare Lösung abgezeichnet hätte. Bei einer Planung gebe es eine Vielzahl unterschiedlichster Varianten: "Wir können aber keine Variante vorlegen, die nicht realisierbar ist."

Helmut Kapp, der den Stein erneut ins Rollen gebracht hatte, betonte wiederum, dass es nicht seine Aufgabe sein könne, "mit den Grundstücksnachbarn über Baulasten zu verhandeln". Albert Kahle (FDP/KIBÜ) wollte eine Lanze für den CDU-Fraktionsvorsitzenden brechen: "Wir müssen immer überlegen, was man für Kirchheim verbessern kann." Das Ergebnis von Kahles Überlegung sieht so aus, dass es besser sei, "die Sporthalle in der Senke zu bauen" also zwischen der Raunerschule und der Umgehungsstraße und dafür die freie Fläche oben beim Teckkeller zu bewahren.

Nachdem nahezu alle Argumente ausgetauscht waren, plädierte Wolfgang Schuler (CIK) dafür, zu prüfen, ob sich die Bundesstraßen-Variante verwirklichen lasse. Anschließend sei eine neue Vorlage zu erstellen und die Debatte erneut zu führen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Walter Aeugle dagegen warnte vor einer Vertagung: "Die Mittel sind knapp, und der Zuschussgeber könnte sagen, dass wir noch länger warten müssen, weil wir ja noch nicht wissen, was wir wollen."

In der folgenden Abstimmung zeigte sich dann, dass der Kirchheimer Gemeinderat mehrheitlich an seinem früheren Beschluss festhalten wollte: Mit 19 Gegenstimmen wurde der Antrag der CDU-Fraktion, den geplanten Standort der Sporthalle an die Umgehungsstraße zu verlegen, abgelehnt. Nur elf Ratsmitglieder hatten dafür gestimmt, fünf enthielten sich der Stimme.