Lokales

Konzept setzt auf Umdenken am Alleenring

Der Bauzaun am Schweinemarkt ist ein vertrautes Bild. An ihm entlang fließt derzeit der Verkehr einigermaßen reibungslos auf dem Alleenring. Doch wenn gegenüber dem Schwarzen Adler in die neue Tiefgarage ein- und ausgefahren wird, drohen Stauungen. Um das zu vermeiden, hat die Stadt ein Lösungskonzept vorgeschlagen. Die Umsetzung erfordert aber massive Eingriffe in die Verkehrstraditionen am Alleenring.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Mit einer Kombination zweier untersuchter Modelle wollen Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker und ihr Team den Verkehrsfluss am Alleenring im Bereich der Tiefgarage verbessern. "Das wichtigste Kriterium ist die Erreichbarkeit der Innenstadt", beschrieb Architekt Andreas Weber von der Planungsgruppe Kölz vor dem Technischen Ausschuss des Gemeinderates das Leitmotiv der Untersuchungen, die Ingenieur Froese mit Verkehrsberechnungen unterfütterte.

Der Vorschlag der Gutachter basiert auf zwei Säulen: Von der Alleenstraße soll künftig am Schwarzen Adler Linksabbiegen Richtung Ziegelwasen nur noch für Busse erlaubt sein. Weiter soll der nördliche Alleenring schon im Vorfeld entlastet werden, indem die Max-Eyth-Straße zwischen Post und Alleenstraße nur einpurig befahren werden kann.

Das Linksabbiegeverbot in die Schlierbacher Straße bringt laut Weber zwar nicht weniger Autos, aber ein besseres Fließen des Verkehrs. Einschränkungen schon in der Unteren Max-Eyth-Straße reduzieren den Verkehrsdurchfluss etwas, gestalten sich aber sehr komplex. Denn dadurch würden weiträumig andere Wege gefahren und beispielsweise die Kolbstraße mehr belastet. Froese unterstrich den Anstieg der Leistungsfähigkeit im Knotenpunkt Schwarzer Adler durch die Bündelung beider Maßnahmen.

Doch im Ratsrund hielt sich die Begeisterung über die neuen Vorschläge in Grenzen. "Sie haben doch im Januar 2004 bestätigt, dass im Bereich der Tiefgaragenausfahrt allenfalls kurzfristige Behinderungen zu erwarten seien", wandte sich Walter Aeugle erbost an Froese und fragte: "Wozu brauchen wir dann jetzt so gravierende Einschnitte?" Mit dem SPD-Fraktionsführer solidarisierte sich der Chef der Freien Wähler: "In der Sache ist kein System", wetterte Hagen Zweifel. So sei man davon ausgegangen, dass der Kreuzungspunkt Schwarzer Adler zwar stark belastet, aber eben bis 2015 nicht überlastet sei. Im Übrigen habe Professor Kölz wiederholt auf die Probleme beim Aufbrechen eingefahrener Verkehrsbeziehungen verwiesen. Das Thema Untere Max-Eyth-Straße komme zur Unzeit, der Verkehr würde verlagert. An die angestrebte Änderung in der Max-Eyth-Straße erst in Verbindung mit Aktivitäten im Kolb- &-Schüle-Areal erinnerte auch Helmut Kapp, Fraktionsvorsitzender der CDU. Er lehnte zudem eine zusätzliche Ampel bei der Tiefgaragenausfahrt strikt ab.

Was die Räte verdross, war die Tatsache, dass die beim Schwarzen Adler schon länger drohenden Probleme jetzt plötzlich zu Konsequenzen führen sollten. Schon vor über zwei Jahren hatten Stimmen davor gewarnt, Ein- und Ausfahrt der Tiefgarage an einer Stelle zu vereinen. So hatte nicht nur der Arbeitskreis Attraktive Kernstadt in einer Stellungnahme für die Beibehaltung der ursprünglich getrennten Zu- und Abfahrt plädiert.

Stadtplaner Dr. Oediger erinnerte allerdings an die Hintergründe der veränderten Einfahrt: Ziel war eine Entlastung des Verkehrsknotens am Amtsgericht sowie eine Aufwertung der Turmstraße. Jetzt könnten noch zusätzliche Verbesserungen erreicht werden. "Das bisherige System würde funktionieren", beschwichtigte auch Bürgermeister Günter Riemer die Gemüter, "aber eben mit gewissen negativen Auswirkungen." Deshalb habe die Verwaltung nach Verbesserungen gesucht. "Wir haben die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Tiefgarage angenommen wird", stellte Matt-Heidecker einen übergeordneten Zusammenhang her.

Die Verkehrskommission hat nach einem Vor-Ort-Termin im Januar Bereitschaft zum Umdenken am Alleenring in Richtung Verwaltungsvorschlag signalisiert: Da derzeit keine Alternative zur Verfügung stehe, müsse der Nachteil, dass der Ziegelwasen ohne Linksabbiegemöglichkeit schlechter erreichbar sei, in Kauf genommen werden.

"Wir haben jetzt die Möglichkeit, Fehler zu revidieren", tröstete sich Andreas Schwarz von den Grünen Alternativen. Freude über die Wiederaufnahme der Idee, die Max-Eyth-Straße zu einem Stadtboulevard rückzubauen, äußerte seine Fraktionskollegin Sabine Bur am Orde-Käß und bat, die Radler nicht zu vergessen. Sie bezeichnete den Verzicht auf die Linksabbiegemöglichkeit am Schwarzen Adler als sinnvoll, sah jedoch Widerstände voraus. "Einen Wegfall der Linksabbiegespur wird die Bevölkerung nur mit Kopfschütteln hinnehmen", meinte Albert Kahle (FDP/Kibü) und wehrte sich vehement gegen die neuerliche Ampel. Im Übrigen erkannte er in manchen Vorschlägen die "Hintertür zum Kreisverkehr" am Alleenring, der die beste Lösung sei. Dr. Oediger räumte ein, dass nicht zuletzt durch die im vergangenen Jahr in Auftrag gegebene Untersuchung neue Impulse aufgekommen waren. Um das Linksabbiegen am Schwarzen Adler zu retten, sann Ulrich Kübler (Freie Wähler) anderweitig auf Abhilfe. Er regte an, den Fuß- und Radweg nahe der Bastion zu verschmelzen, um Platz für eine längere Abbiegespur zu schaffen.

Der Verzicht auf eine Ampel an der Ausfahrt aus der Tiefgarage stand für Matt-Heidecker und Riemer angesichts der ansteigenden Tiefgaragenausfahrt nicht zur Debatte, und wurde auch von Verkehrsfachmann Froese und einigen anderen im Rund als "sehr problematisch" bewertet.

Auf den Sitzungsmarathon, der am Dienstag bis Mitternacht dauerte, folgte eine wahre Antragsorgie. Die Abstimmungen erübrigten sich, als gleich der erste Antrag von SPD-Vertreter Dr. Herzberg eine Mehrheit fand: Das Thema soll in den Gemeinderat "hochgezoomt" und dort in der März-Sitzung behandelt werden.