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Konzept soll mit S-Bahn aufgegriffen werden

Hochfliegenden Träumen und Wunschvorstellungen im Blick auf eine Einbahnregelung rund um den Alleenring wurde in der jüngsten Sitzung des Kirchheimer Gemeinderats eine klare Absage erteilt. Die Hoffnung auf eine Umsetzung der jetzt intensiv diskutierten Planungen wurde zeitlich mit der Aufnahme des S-Bahn-Verkehrs nach Kirchheim verbunden.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Die zwei entscheidenden Zahlen, die Diplom-Ingenieur Andreas Weber vom Verkehrsbüro Kölz in seinem Sachvortrag nannte, sorgten dafür, dass die Diskussion sich nicht allzu sehr auf Details konzentrieren musste. Mit 250 000 Euro wurden die Kosten eines Probelaufs veranschlagt, der nach der gutachterlichen Empfehlung auf ein Jahr festgelegt, direkt in eine zumindest abschnittweise Umsetzung des Gesamtprojektes münden sollte. Die Kosten einer städtebauliche Akzente setzenden Umsetzung der Gesamtmaßnahme werden mit 3,96 Millionen Euro angegeben, wobei "noch keine Tiefbauanteile" mit eingerechnet seien.

Wie schon in der Juni-Sitzung, als sich das Gremium mehrheitlich der Einschätzung der Gutachter angeschlossen hatte, dass ein Ein-Richtungsverkehr am Alleenring "ein verfolgenswerter konzeptioneller Ansatz" sei, wurden auch in jüngster Sitzung die fundierten Vorschläge der beauftragten Verkehrsexperten überwiegend positiv bewertet. Angesichts der mit der Gesamtmaßnahme verbundenen Kosten wurde aber bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltung die klare Mehrheitsmeinung vertreten, die vom Planungsbüro Kölz vorgelegte Machbarkeitsstudie einschließlich der überschlägigen Kostenschätzung zur Kenntnis zu nehmen, von einer Realisierung aber vorerst abzusehen.

Als klaren "Schlüssel zum Erfolg" hatte Andreas Weber einen Probelauf bezeichnet, der schon klar die städtebaulichen Verbesserungen darstellt. Zwingend erforderlich sei, dass auch eine zeitnahe Umsetzung folgt. Im Blick auf die von der Liste FDP / KiBü erarbeitete einfache Probelauf-Variante zeigte er an Beispielen, dass die Verkehrssicherheit nicht durchgängig gewährleistet sei, städtebauliche Verbesserungen nicht berücksichtigt würden und auch nicht als Ziel erkennbar sei, alle am Verkehrsgeschehen Beteiligten von einer Änderung profitieren zu lassen.

Nachdem Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker noch einmal appeliert hatte, die große Chancen eröffnende wertvolle Planung nicht in der Schublade verschwinden zu lassen, sondern sich darauf zu einigen, wann einer Realisierung näher getreten werden könnte, eröffnete CDU-Fraktionsführer Helmut Kapp die Rednerliste. Eine Anregung der Grünen Alternative vorwegnehmend, signalisierte er Bereitschaft, den Einbahnverkehr auf dem Alleenring mit der Aufnahme des S-Bahn-Betriebes zu verbinden und "in zirka vier Jahren" wieder aufzugreifen.

Für die Freien Wähler machte Dr. Miller deutlich, dass die Attraktivitätssteigerung und die künftig deutlich besseren Rad- und Fußwegeverbindungen klar für einen Probelauf sprechen, der daraus resultierende Zeitdruck aber eine sofortige Umsetzung ausschließe. Nach der gemeinsam vereinbarten Prioritätenliste müssten Schulen, Turnhallen und das Thema Hallenbad vorrangig angepackt werden.

Seiner Einschätzung, dass eine Verbindung mit der Aufnahme des S-Bahn-Betriebes oder mit konkreten Maßnahmen auf dem Kolb & Schüle-Areal oder in der unteren Max-Eyth-Straße geeignete Zeitpunkte seien, teilte auch Wolfgang Schuler von der CIK, für den trotz grundsätzlicher Sympathien für eine Einbahnlösung die "überschuldeten Kassen" derzeit das im Vordergrund stehende Thema darstellen. Angetan von der möglichen Aufwertung der Innenstadt zeigte sich auch Birgit Müller für die Frauenliste, konnte sich einen Probelauf aber erst dann vorstellen, wenn eine sich direkt anschließende Realisierung möglich erscheint.

"Sinnvoll, verfolgenswert, derzeit aber nicht möglich", lautete das Urteil von Anderas Schwarz für die Grüne Alternative. Im Blick auf die S-Bahn-Anbindung verspricht er sich für das Jahr 2009 eine große Chance, Verkehre neu zu ordnen und Elemente der vorliegenden Einbahnregelung umzusetzen. Nach Abschluss der Baumaßnahme Schweinemarkt könne auch daran gedacht werden, die untere Max-Eyth-Straße verkehrsberuhigt einzurichten. Abgelehnt wird von ihm dagegen der Vorschlag der FDP / KiBÜ. "Eine zweispurige Autobahn mit Parkplätzen" könne sicher nicht das gemeinsam angestrebte Ziel sein.

Während Stadtrat Kahle bedauerte, dass die einfache Lösung keine Unterstützung fand, sprach Stadtrat Most von einer "schwerwiegenden Unterlassungssünde", deren Folgen noch schmerzen würden. Für die SPD machte Stadtrat Mendler deutlich, dass zum jetzigen Zeitpunkt nicht vier Millionen in die Hand genommen werden könnten, "um ein völlig neues Fass aufzumachen", nachdem die Devise der Haushaltsberatungen mit "Sparen, Schieben, Schwerpunkte setzen" klar definiert wurde. Im Blick auf die angeregte durchdachte Umsetzung eines Probebetriebs betonte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker abschließend, dass diese Mehrheitsentscheidung "nicht auf mangelndem Mut, sondern auf gereiften Überlegungen" basiere.