Lokales

Konzertantes im Zeichen des Gedenkens

Der Kulturring präsentiert im kommenden Jahr auch im Konzertbereich ein eindrucksvolles Programm

Kirchheim. Das Programm des neu aufliegenden Konzertabonnements des Kulturrings hatte zahlreiche Vorgaben, die in ihrer überbordenden Fülle kaum abzudecken sind. Neben

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G. Fink / W.-D. Truppat

einem Haydn-, Mendelssohn-, Händel- und Purcell-Jahr stehen auch noch viel andere „Jubilare“ an, denen eigentlich auch entsprechend gedacht werden sollte.

Nach elf langen Jahren ist das Auryn-Quartett wieder in Kirchheim zu hören. Das seit immerhin 26 Jahren in derselben Besetzung zusammen spielende Quartett mit Ausnahmerang eröffnet die anspruchsvolle Konzertmiete. Gleich ein ganzes Wochenende ist für Joseph Haydn, den Klassikregenten des Musikjahres 2009 reserviert. Im Gepäck haben sie Joseph Haydns Streichquartette op. 20/5, op. 33/1, op. 54/2, op. 76/1,4 und 6. Die Ensemblemitglieder Lingenfelder, Oppermann, Eaton und Arndt spielen sonst in der Carnegie Hall und bei den Salzburger Festspielen, veranstalten eigene Sommerfestspiele in Italien und zeigen Präsenz rund um den Erdball. Die vier Streicher gelten schlichtweg als vollkommen und wurden daher schon mit unzähligen hochkarätigen Auszeichnungen und Preisen gefeiert.

In der für so ein musikalisches Ereignis viel zu kleinen Stadthalle werden sie gleich an drei Abenden in Folge zu hören sein, wobei nur der erste und der dritte Abend im Abonnement eingeschlossen ist. Wer den Zyklus vollständig erleben möchten, kann gegen einen geringen Aufpreis auch am zweiten Abend seinen gewohnten Abonnement-Platz in Anspruch nehmen.

Das Tübinger Kammerorchester unter der Leitung von Gudni A. Emilisson hat sich mit einem Gastspiel vor drei Jahren in Kirchheim schon bestens eingeführt. Das Kammerorchester hat im Auftrag des Auswärtigen Amts, des Deutschen Musikrats, des Landes Baden-Württemberg, der Stadt und der Universität Tübingen in 67 Konzert-Tourneen über 90 Länder in allen fünf Erdteilen besucht. Bei seinem neuerlichen Gastspiel in der Stadthalle präsentiert das Orchester gleich zwei Solisten. Die Konzertmeisterin Julia Galic spielt den Solopart in Vivaldis „Frühling“ und „Sommer“ aus den „Vier Jahreszeiten“ und der in Frankfurt lebende Pianist Leonid Dorfmann wird den Solopart in Joseph Haydns Klavierkonzert in D-Dur übernehmen. Auf dem Konzertprogramm stehen weiter die Griechischen Tänze von Nikos Skalkottas und das erste Kammerkonzert des estnischen Komponisten Jaan Rääts, für den sich Gudni Emilsson besonders engagiert und erfolgreich einsetzt.

Die Konzertmiete wird fortgesetzt mit einem Klavierabend mit Gerhard Vielhaber, der schon als Siebzehnjähriger die Kirchheimer Musikfreunde mit seinem Spiel in den Bann zog: Man staunte seinerzeit über einen Schuljungen, der die „Blaue Blume“ der Romantiker mit traumwandlerischer Sicherheit zu beschwören wuss­te und große Erwartungen weckte. Das Studium bei Karl-Heinz Kämmerling und Jacques Rouvier löste dieses Versprechen mittlerweile in schönster Weise ein. Das Kammerkonzert mit dem Cellisten Maximilian Hornung stellte vor zwei Jahren diese Qualitäten eindrucksvoll unter Beweis. Für seinen zweiten Klavierabend in Kirchheim wählte Gerhard Vielhaber ein Programm der Superlative: Bachs glanzvolle Partite Nr. 1, Beethovens Opus 111 und die Sonate f-Moll von Brahms.

„Vox Cellestis“ steht auf dem Programm des fünften Abonnementkonzerts der kommenden Saison. Den in Freiburg geborenen Bariton Georg Gaedker, den Cellisten Peter-Phillipp Staemmler und den Pianist Hansjacob Staemmler führte die erfolgreiche Teilnahme am Deutschen Musikwettbewerb 2007 zusammen. In Kirch­heim präsentieren sie unter anderem Schottische Lieder von Ludwig van Beethoven, Lieder und Romanzen von Johannes Brahms sowie dessen Sonate in F-Dur op. 99. Dieses Konzert findet statt im Rahmen der 52. Bundesauswahl Konzerte junger Künstler.

Als Solistin und Kammermusikerin hat die Pianistin Patricia Pagny in den letzten 15 Jahren das Musikleben in Kirchheim immer wieder bereichert. Dieses Mal ist sie mit ih­rem Cellopartner Alexander Hülshoff zu Gast, mit dem sie Gesamtaufnahmen der Beethoven- und Brahms-Sonaten eingespielt hat. Patricia Pagny selbst erfuhr durch den Fernsehsender arte eine besondere Auszeichnung: Ihre CD mit Mendelssohns „Liedern ohne Worte“ wurde als eine der besten fünf Aufnahmen des Jahres 2007 ausgezeichnet. Auf dem Kirchheimer Programm des Meisterduos stehen unter anderem Beethoven-Variationen, die D-Dur-Sonate von Mendelssohn Bartholdy und die Märchenbilder von Schumann.

Die Wassermusik Georg Friedrich Händels zählt auch heute noch zu seinen beliebtesten Kompositionen. Die Horn-Suite daraus ist ein Schwerpunkt des Konzerts, der zu den Jahrestagen Georg Friedrich Händels (1685 – 1759) und Henry Purcells (1659 – 1695) auf dem Programm des Ensembles Concerto Imperiale unter der Leitung von Bernhard Moosbauer steht. Die Hornisten Martin Martin Roos und Oliver Picon spielen außerdem die Soloparts im Concerto für zwei Hörner, zwei Soloviolinen und Orchester. Das Concerto grosso Nr. 4 mit einem solistischen Oboenpart runden die Hommage an Händel ab. Die Solostimme wird Constance Petersmann übernehmen.

Das Mendelssohn-Jahr bringt die Auffrischung einer „alten“ Freundschaft, und die Kirchheimer Musikfreunde ziehen daraus ihren Vorteil. Vor Jahr und Tag sind sich die Schwestern Bard und das Schwäbische Kammerorchester bei der intensiven Vorbereitung von Poulencs Konzert für zwei Klaviere und dem „Karneval der Tiere“ von Saint-Saëns künstlerisch nahe gekommen. Jetzt erinnerten sich die Solistinnen an diese Kooperation und fragten an, ob sie mit dem schönen E-Dur-Konzert für zwei Klaviere wieder von dieser Zusammenarbeit profitieren könnten, ehe sie im Oktober mit diesem Werk bei der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz gastieren.

Der künstlerische Leiter Matthias Baur und sein Schwäbisches Kammerorchester haben gerne zugestimmt und so kommt es in der Kirchheimer Stadthalle nach dem exzellenten Duokonzert anlässlich der Tasta-Tour binnen Jahresfrist zu einem reizvollen „Remake“. Das Schwäbische Kammerorchester wird bei dieser Gelegenheit auch dem Haydn-Jahr einen Tribut entrichten und die Sinfonie Nr. 103 zur Aufführung bringen und mit entsprechendem Paukenwirbel die Konzertmiete ausklingen lassen.