Lokales

"Kooperation ist das Gebot der Stunde"

Der Kreisjugendring KJR Esslingen geht neue Wege. Dabei erweist sich immer mehr eine Zusammenarbeit und Vernetzung in der Jugendarbeit mit Kommune, Schulen und Kirchen, aber auch mit der Wirtschaft, aus fachlichen und finanziellen Gründen als sinnvoll. Dies geht aus dem KJR-Jahresbericht 2004 hervor, den der Jugendhilfeausschuss zustimmend zur Kenntnis nahm.

RICHARD UMSTADT

Anzeige

KREIS ESSLINGEN Im Jahresbericht 2004 beschrieb der Geschäftsführer des Kreisjugendrings KJR Esslingen, Kurt Spätling, die Entwicklung der Jugendverbandsarbeit sowie die der offenen Jugendarbeit und ging auf Besonderheiten ein. So hat die Zusammenarbeit zwischen offener Jugendarbeit und Schulen weiter zugenommen. "Eine verstärkte Kooperation aller Beteiligten, die mit Jugendlichen zu tun haben, ist sowieso das Gebot der Stunde", war sich Kurt Spätling sicher.

Alle Jugendhäuser seien am jeweiligen Ort gut verankert. Als "konstruktiv und offen" bezeichnete er die Kontakte zu den Kommunalverwaltungen. Der Kreisjugendring wird sich auch um die Gemeinden bemühen, in denen er keine Einrichtungen unterhält, "damit wir uns ein umfassendes, kreisweites Bild über den aktuellen Stand der Jugendarbeit machen und gegebenenfalls auch neue Entwicklungen besser einschätzen können", so Spätling .

Auf Grund der Ebbe in den öffentlichen Kassen tritt der KJR-Geschäftsführer für noch mehr Synergieeffekte bei den Fachkräften der sozialen Arbeit ein. "Auch fachliche Überlegungen lassen es geboten erscheinen, neue Wege zu gehen." Gute Erfahrungen machte der Kreisjugendring mit Personalpools, in denen Vertreter der offenen Jugendarbeit, der Kommune, Schulen, Kirchen und freien Träger zusammenarbeiten. Vor allem will Spätling auch die Schulsozialarbeit in dieses Netzwerk miteinbeziehen.

Die Jugendhäuser als Freizeittreff bieten jungen Menschen auch an, bei der Arbeits- oder Ausbildungsplatzsuche behilflich zu sein. Dies fällt unter das Stichwort Jugendberufshilfe, wobei der KJR-Geschäftsführer betont, wie wichtig örtliche Netzwerke beziehungsweise die Zusammenarbeit mit Schulen, Unternehmen und der Arbeitsagentur ist.

Ein besonderes Problem stellt für Spätling die Integration von Jugendlichen ausländischer Herkunft dar. Obwohl sie in vielen Jugendhäusern die größte Besuchergruppe sind, ihnen dort auch sinnvolle Freizeitangebote geboten und sie im Alltag beraten werden, bekennt der Geschäftsführer im Jahresbericht selbstkritisch, das Problem der Integration vernachlässigt zu haben. "Der Besuch der Jugendhäuser bedeutet eben nicht automatisch, in diese Gesellschaft integriert zu sein." Der Kreisjugendring erarbeitet deshalb zurzeit Integrationsleitlinien für seine Jugendhäuser und Mitgliedsverbände. "Parallelgesellschaften sind auch im Freizeit- und außerschulischen Bereich falsch und kontraproduktiv."

Vermehrt will sich der Kreisjugendring auch der Thematik Generationengerechtigkeit annehmen. "Wer die Belastungen eines schrumpfenden Wohlfahrtsstaates angesichts des demografischen Wandels vor allem auf den Schultern nachfolgender Generationen ablädt, schränkt die Chancen junger Menschen ein", so Kurt Spätling.

Nach wie vor großer Beliebtheit erfreut sich das Sommerlager, das älteste und bekannteste Angebot des Kreisjugendrings Esslingen. Darüber hinaus nennt der Bericht Projekte wie die Jugendkompetenzbörse, das Computermobil von Frauen für Mädchen, das Mädchenkurzfilmfestival, das Freiwillige Soziale Jahr und die Aktion "Mitmachen Ehrensache".

Das Jahresbudget des Kreisjugendrings beläuft sich in den Jahren 2004 bis 2006 auf je 2,048 Millionen Euro. Für Investitionen kommen für 2005 und 2006 je 40 900 Euro dazu. Der Jugendhilfeausschuss war sich mit der Kreisverwaltung und dem KJR-Geschäftsführer einig: "Der Weg in die Budgetierung war der richtige."

Für 2006 strebt der Kreisjugendring wieder eine neue Budgetvereinbarung mit dem Landkreis für die Dauer von drei Jahren an. Kurt Spätling unterstrich die Eigenständigkeit und Selbstverwaltung des KJR, "obwohl wir mit unserer Nähe zur Landkreisverwaltung mitunter gerne als Nebenbehörde bezeichnet werden."

Wie Spätling sagte, denkt der Vorstand des Kreisjugendrings über eine objektive Außenbewertung seiner Einrichtungen durch die Hochschule für Sozialwesen in Esslingen nach. "Wir glauben, dass das sinnvoll sein könnte, weil so noch mehr die Qualität gesteigert werden kann und nach außen hin auch beweisbar wird, dass wir wichtige pädagogische Arbeit leisten, die immer mehr zum Ziel haben muss: Hilfe zur Selbsthilfe."