Lokales

Kooperation prägt die Zukunft

Zwei Arztbesuche an einem Tag, in der Wartezeit eine Tasse Tee im Bistro und im Anschluss gleich noch der Einkauf in der Apotheke dieser Service wird Patienten bundesweit bereits vielerorts geboten. In den Städten der gesamten Republik entstehen immer mehr Ärztehäuser, auch in Kirchheim gibt es entsprechende Überlegungen.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM "Die Zukunft liegt in der Kooperation", sagt Peter Ramolla, der die Abteilung Sicherstellung bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nord-Württemberg leitet. Der Zusammenschluss sei politisch gewollt, denn er wirke der Kostensteigerung entgegen: Ärzte können Gerätschaften und Räumlichkeiten gemeinsam nutzen und auch Personal zusammen anstellen, zum Beispiel im Reinigungsbereich.

Doch nicht nur das. "Ein großes Ärztehaus ist nicht einfach ein Haus, in dem viele Praxen nebeneinander existieren", erläutert Werner Hillenbrand vom Vorstand der Firma BAZ, die seit Jahrzehnten im medizinischen Sektor beratend tätig ist. Auch die Organisation ist aufeinander abgestimmt. "Doppeluntersuchungen gibt es immer weniger", nennt Hillenbrand einen positiven Aspekt für Patienten.

Die Kooperation wird nicht nur intern groß geschrieben, sondern auch zu Praxen, die außerhalb bestehen. Denn schließlich kann das Ziel nicht sein, die ärztliche Versorgung auf dem Land zu reduzieren. "Eine dezentrale Organisationsstruktur, speziell im Hausarztbereich, ist für die Patienten auf dem Land wichtig", sagt KV-Mann Peter Ramolla überzeugt. Der Schwerpunkt der bisher in Nord-Württemberg bestehenden Ärztehäuser liege daher klar bei den Facharztpraxen. Angesichts der Entwicklung im Gesundheitswesen sei es grundsätzlich zu fördern, dass Ärzte zunehmend unternehmerisch dächten.

Die gesundheitspolitische Entwicklung hat auch eine Gruppe Kirchheimer Ärzte dazu gebracht, über ein Ärztehaus nachzudenken und sich zu einer GmbH zusammenzuschließen. "Einzelpraxen werden heute mehr und mehr ins Abseits gedrängt", ist die Überzeugung der Geschäftsführer Dr. Kirsten Klein, Dr. Thomas Löffler und Dr. Friedrich Fink. Sie geben zu bedenken, dass jetzt schon für manche Landarztpraxis vergeblich ein Nachfolger gesucht wird. Zusammenschlüsse könnten die Situation des Einzelnen entscheidend verbessern, und ein Ärztehaus wäre dann auch in der Lage, Einzelpraxen im Umfeld quasi organisatorisch unter seine Fittichen zu nehmen. Das gilt für den gemeinsamen Einkauf, gemeinsam organisierte und wahrgenommene Fortbildungen und vieles mehr.

"Nur ein Teil unserer Mitglieder wird aus räumlichen, persönlichen und finanziellen Gründen zusammengehen", lautet auch die Prognose von Dr. Werner Baumgärtner vom MEDI-Verbund, in dem ein Großteil der niedergelassenen Ärzte Mitglied ist. "Dennoch werden solche Zusammenschlüsse den Gesamtverbund finanziell stärken."

Was den engagierten Ärzten in Kirchheim konkret vorschwebt, ist die Bündelung (fach)-ärztlicher Kompetenz an einem Ort, flankiert von allen möglichen Angeboten, die im Bereich der Gesundheitsversorgung eine Rolle spielen, vom Sanitätshaus bis zum Hörgeräteakkustiker. Kooperiert werden soll auch mit dem Krankenhaus, denn "ein Krankenhaus, das im stationären Bereich stark ist, ist für uns ein wichtiger Partner", wie die Geschäftsführer betonen.

Gut Ding will Weile haben: Mit der Einweihung eines solchen ärztlichen Kompetenzzentrums in Kirchheim rechnen seine geistigen Väter nicht vor Herbst 2006.