Lokales

„Kostenneutral“ ist ganz schön teuer

Technischer Ausschuss nimmt Umbau und Erweiterung des Schlossgymnasiums unter die Lupe

Über drei Millionen Euro sind seit 2007 in Baumaßnahmen am Kirchheimer Schlossgymnasium geflossen, mehr als zweieinhalb Millionen folgen demnächst für die energetische Sanierung. – Wahrlich kein Pappenstiel. Was mit dem Geld passiert ist, das haben sich die Vertreter des Technischen Ausschusses nun vor Ort angeschaut.

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Irene Strifler

Kirchheim. 1 100 Schüler aus Kirchheim und Umgebung drücken derzeit die Schulbank im Schlossgymnasium in der Jesinger Halde. Das Pädagogenteam um Schulleiterin Lucia Heffner zählt fast hundert Köpfe, Referendare inklusive. Beim Bau der Schule vor 32 Jahren war der Gymnasial-Boom noch nicht abzusehen: „Eingerichtet wurde die Schule für dreizügigen Betrieb“, erläuterte Heffner. Heute jedoch sind alle Klassenstufen fünfzügig, das heißt, es gibt jeweils fünf Parallelklassen.

In zwei Bauabschnitten wurde der Raumnot entgegengewirkt und Platz für pädagogische Neuerungen geschaffen. Von „Kerninvestitionen in Bildung“ sprach Bürgermeister Günter Riemer. Insgesamt sind seit 2007 elf neue Klassenzimmer entstanden. Die acht Zimmer des zweiten Bauabschnitts können ab dem neuen Schuljahr in Betrieb genommen werden. Das gilt auch für das neue Treppenhaus, das Architekt Siegfried Meissner in Sichtbetonbauweise mit Industrieverglasung konstruiert hat. Als Erste stiegen die Bürgervertreter die Treppen hinauf und nahmen die Neuerungen unter die Lupe.

Da gibt es zum Beispiel einen lichtdurchfluteten Kunstraum mit vorgeschaltetem grünen Klassenzimmer. Schnee von gestern sind Fachräume im Hörsaal-Stil. „Heute ist schülerzentriertes Arbeiten gefragt“, erläuterte Lucia Heffner. Schüler experimentieren in NWT (Naturwissenschaft und Technik) im Team. Das jedoch erfordert eine aufwendige Ausstattung: „Der Umbau eines solchen NWT-Raumes kostet 250 000 Euro“, rechnete Hochbauamtsleiter Wolfgang Zimmer vor. Mehrere Hörsäle im Schlossgymnasium warten daher noch auf ihre Verwandlung in moderne Experimentiereinrichtungen. Bürgermeister Günter Riemer konnte sich einen Seitenhieb auf das Land nicht verkneifen, demzufolge die Veränderungen im Bildungsplan „kostenneutral“ seien. – Die Kommunen kommen sie teuer zu stehen.

Für die Erweiterungsarbeiten, die mit fast 3,5 Millionen Euro zu Buche schlagen, gibt es Zuschüsse aus dem Schulbauförderungsprogramm in Höhe von etwas über zehn Prozent. Anders sieht es bei der energetischen Sanierung aus. Sie gehört zum Konjunkturprogramm des Bundes. Von den veranschlagten 2,6 Millionen Euro kommen daher 70 Prozent aus Berlin. Zu den Maßnahmen, die in das Gesamtpaket fürs Schlossgymnasium gepackt wurden, gehört der Austausch maroder Fenster, Einzelraumsteuerungen, ein Vollwärmeschutz für die Walter-Jacob-Halle und anderes mehr.

Lehrreich für die Besucher aus dem Ratsrund war zum einen die Information darüber, was mit dem Geld für Sanierung und Erweiterung konkret passiert. Dazu kam die Erkenntnis, dass selbst nach großen Investitionen nie richtig Schluss ist: Für 2011 ist eine Planungsrate von 20 000 Euro vorgesehen, die für den Umbau weiterer NWT-Räume verwandt werden soll. Verbesserungen im Brandschutz, die sich aus neuen Vorschriften ergeben, sind ab 2013 dran.