Lokales

Krankenhäuser für die Zukunft fit machen

Der Landkreis will seine Kreiskrankenhäuser für die Zukunft fit machen. Den immer härter werdenden Wettbewerb sollen die Kliniken gegenüber der Konkurrenz erfolgreich bestehen können. Deshalb will der Kreistag nicht nur sein Strukturveränderungskonzept umsetzen, sondern auch eine langfristige Strategie entwickeln.

RICHARD UMSTADT

Anzeige

NÜRTINGEN Beim jüngsten "Auswärts"-Spiel des Kreisparlaments in der Nürtinger Stadthalle stand das "Thema der nächsten Jahre", so Landrat Heinz Eininger, im Mittelpunkt: die Kreiskrankenhäuser. Dabei ging es nicht nur um die Baufreigabe für die neue, rund 4,6 Millionen Euro teure Röntgenabteilung der Kirchheimer Klinik sowie um eine Bürgschaftsübernahme des Landkreises für die Vitalcenter am Paracelsus-Krankenhaus Ruit GmbH.

Der Kreistag rief ebenso die von den Freien Wählern beantragte 13-köpfige, projektbegleitende "Arbeitsgruppe Bau" für die Kreiskliniken Esslingen ins Leben, um auf Kostenentwicklungen rechtzeitig auch politisch reagieren zu können. Dies erachteten alle Fraktionen angesichts eines Investitionsvolumens der Bauten am Klinikum Kirchheim-Nürtingen von rund 150 Millionen Euro und eines ohnehin ausgepressten Kreisetats als hilfreich.

Alfred Bachofer, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, rannte denn auch offene Türen ein, als er ein langfristig angelegtes Strategiekonzept für alle Krankenhäuser des Landkreises forderte. In einem verschärften Wettbewerb auf dem Gesundheitsmarkt "werden nur die Häuser medizinisch und wirtschaftlich die Nase vorn haben, die strategisch richtig aufgestellt sind." Dabei plädierte Alfred Bachofer sowohl für Schwerpunktbildungen an den Kliniken als auch für Entwicklungskonzepte für die einzelnen Häuser. Erforderlich seien die Abstimmung mit anderen Krankenhausträgern im Landkreis Esslingen und in den Nachbarkreisen. Auch die privaten Dienstleister auf dem Gebiet der ambulanten Medizin wollte er nicht aus den Augen verlieren.

"Ohne Investitionen werden unsere Häuser keine Zukunft haben", wusste Gerhard Remppis, SPD. Deshalb müsse der Landkreis trotz eines gewissen Risikos viel Geld in die Hand nehmen. Die ambulanten Behandlungen werden ansteigen, prophezeite er, und in Folge dessen würden in den Krankenhäusern nur noch die schweren Fälle behandelt werden. "Dazu ist eine teure Hochleistungsmedizin notwendig."

Wie sein Vorredner Martin Fritz, CDU, erachtete auch Remppis die projektbegleitende Arbeitsgruppe als sinnvoll. Sie werde für Kosteneffizienz und eine Optimierung der Arbeitsabläufe sorgen. Von den "zukunftsfähigen Konzepten" des Kreises für seine Kliniken war der Sozialdemokrat überzeugt. Am Herzen lagen ihm aber auch zufriedene und qualifizierte Mitarbeiter, "denn die entscheiden über den Erfolg der Krankenhäuser." Flexible Arbeitszeitmodelle könnten hier einiges bewirken, meinte Remppis.

Die Frage, ob man in einem immer heftiger werdenden Wettbewerb die Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten aufgeben müsse, stellte Dr. Gerhard Bäßler. Dabei gestand der Grüne aber dem Eigenbetrieb zu, dass in Konkurrenz zum bestehenden Gesundheitsmarkt das Geld "in dessen Taschen" fließen müsse.

"Kooperation ist wünschenswert, aber nicht zu jedem Preis", kam Wolfgang Haug, FDP, auf die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten im Kirchheimer Krankenhaus zu sprechen, "damit für uns nicht nur die Knochen übrigbleiben und sich andere das Fleisch wegschnappen." Die gemeinsame Nutzung des Computer- und des Kernspintomografen endet zum 30. September 2007. Den Kreis kritisierte Haug, weil er sich um die Kooperation mit Kliniken in den Nachbarkreisen herummogle.

Den Vertrauensschutz gegenüber den niedergelassenen Ärzten der Kirchheimer Röntgen-Kooperation nicht gewahrt sah Ulrich Deuschle, Republikaner. "Warum gibt man eine erfolgreiche Partnerschaft auf?" lautete seine kritische Frage.

Das sah der Geschäftsführer der Kreiskliniken, Franz Winkler, anders: "Wir haben dem Vertrauensschutz unserem Kooperationspartner gegenüber Rechnung getragen." Die Verlagerung der Radiologie innerhalb des Standorts Kirchheim sei die logische Konseqenz aus dem Umzug der Psychiatrie von Nürtingen in die Teckstadt gewesen.

Was die Frage der Rechtsform der Krankenhäuser betrifft, so verwies Winkler auf ein vom Kreistag in Auftrag gegebenes Strukturgutachten. "Wir werden einen Vorschlag zur Weiterentwicklung der Rechtsform machen", meinte der Geschäftsführer. "Es spricht einiges für mehr Selbstständigkeit der Kreiskrankenhäuser." Für Franz Winkler stellt der Eigenbetrieb der Kreiskliniken eine Übergangsform dar. Eine eigenständige Rechtsform wie die einer GmbH sei, langfristig gesehen, sinnvoll.