Lokales

"Krankenhäuser im Wettbewerb positionieren"

In einer Feierstunde in der Festhalle des Paracelsus-Krankenhauses in Ruit wurde der neue Geschäftsführer der Kreiskliniken Esslingen, Franz Winkler, offiziell in sein Amt eingeführt. Kreisräte, Chefärzte verschiedener Kliniken im Landkreis, Vertreter der Pflegedirektion und der Krankenkassen hießen Winkler an seinem Sitz in Ruit willkommen.

ANKE KIRSAMMER

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Landrat Heinz Eininger skizzierte in seiner Begrüßung die aktuelle medizinische Landschaft: Kürzere Verweildauer, steigende Fallzahlen, zunehmende Behandlungsintensität sowie Verlagerung von bisher stationären Leistungen in den ambulanten Bereich. "Das führt dazu, dass das stationäre Leistungsangebot überdacht werden muss." Früher als andere habe der Landkreis Esslingen das Angebot schrittweise, zuerst in Plochingen, dann in Kirchheim neu strukturiert.

Den Zusammenschluss aller Kreiskliniken zu einem Unternehmen den Kreiskliniken Esslingen bezeichnete der Landrat als logische Konsequenz. Den Beschluss fällte der Kreistag am 21. Juli vergangenen Jahres. Am 13. Oktober wurde der 44-jährige Franz Winkler zum ersten Geschäftsführer der Kreiskliniken gewählt. Er stammt aus Rottenburg. Von 1996 an führte der Diplomverwaltungswirt (FH) und Betriebswirt (VWA) die Geschäfte des Eigenbetriebs Krankenhäuser des Landkreises Calw und war zusätzlich Geschäftsführer der Krankenhaus-Service GmbH Calw.

Als Geschäftsführer der Kreiskliniken Esslingen leitet Winkler nun seit Jahresbeginn die Geschicke des Klinikums Kirchheim-Nürtingen mit 666 Planbetten, des Kreiskrankenhauses Plochingen mit 150 Planbetten und des Paracelsus-Krankenhauses Ruit mit 350 Planbetten. Eininger ist überzeugt davon, dass sich die Rechtsform des Eigenbetriebes für die Krankenhäuser im Kreis bewährt hat. "Alle Kreiskliniken schreiben schwarze Zahlen und so war es nur konsequent, dass wir auch für das neue gemeinsame Unternehmen diese Rechtsform gewählt haben." Basis war ein Gutachten der Unternehmensberatung Ernst & Young. Für nicht ausgeschlossen hält der Landrat "weitere Entwicklungen"; gemeint ist wohl, die von den Gutachtern langfristig favorisierte Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH zu verfolgen.

Eininger sprach sich weiter für eine engere Zusammenarbeit der Kliniken aus, auch müssten die Leistungen besser aufeinander abgestimmt werden. "Nicht überall soll alles gleichermaßen angeboten werden, sondern die einzelnen Standorte sollen sich weiter spezialisieren, um Doppelvorhaltungen abzubauen." Als weitere Aufgabe sieht der Kreisverwaltungschef, die Zusammengehörigkeit der Mitarbeiter im Sinne von Corporate Identity zu stärken. "Auch müssen wir die Kreiskliniken im Wettbewerb mit anderen Krankenhäusern positionieren und dabei ausloten, was im Spannungsfeld zwischen Konkurrenz und Kooperation machbar ist", so Eininger weiter. Er hofft insbesondere auf eine gute Kooperation mit den Städtischen Kliniken Esslingen. Gelegen sei ihm auch an einer sehr guten Zusammenarbeit mit den Kostenträgern. Der Landrat plädierte für eine wohnortnahe Versorgung. Möglich hält er dies jedoch nur mit einem kompletten Leistungsangebot. Das müssten auch die Kostenträger erkennen. Die Entscheidung für den Linksherzkathetermessplatz in Kirchheim verteidigte er mit Blick auf eine wirtschaftliche Führung des Hauses.

Franz Winkler ist unter anderem für die Krankenhausprojekte an den Standorten Kirchheim, Nürtingen und Ruit zuständig. Wie Eininger ankündigte, sollen die Erweiterungsbauten in Kirchheim und der Neubau auf dem Säer in einem halben Jahr starten. Zudem übernimmt der Geschäftsführer Betriebsführung, Planung, Organsiation, Koordination und Controlling. Gleichzeitig ist er Vorgesetzter sämtlicher Mitarbeiter der Kreiskliniken. Die bisherigen Krankenhausdirektoren sind weiterhin für die Leitung des jeweiligen Klinikstandorts verantwortlich. Eininger beschwor den Teamgeist: "Sie treffen in den Häusern sowohl in der Organisation und Verwaltung als auch auf der Leistungsebene auf kompetente, gut eingespielte Mitarbeiter."

Chefarzt Dr. Kollmeier, Leitender Arzt des Kreiskrankenhauses Plochingen, hofft, dass die Zeiten vorüber sind, in denen jede Klinik ihr eigenes Süppchen kochte. Ärztliche Kompetenz sei in nächster Zeit insbesondere im geriatrischen Bereich gefragt, wird doch bis zum Jahr 2020 eine Zunahme der Diabetes-Kranken um 30 bis 50 Prozent erwartet, das würde einen Anstieg auf 50 000 bis 60 000 Diabetiker bedeuten. Ein Mehr an Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten hängt damit eng zusammen. "Die Linksherzkathetermessplätze werden wir deshalb dringend brauchen."

Eine glückliche Hand wünschte Norbert Nadler, Pflegedirektor des Klinikums Kirchheim-Nürtingen, "Admiral Winkler" am Steuerrad des Schiffes Kreiskliniken, und der Personalratsvorsitzende des Paracelsus-Krankenhauses Ruit, Günther Kilian, warnte davor, die Stellschrauben bei der Personalreduktion weiter anzuziehen. Schon jetzt sei die Belastungsgrenze von Pflegern und Ärzten überschritten. Der Geschäftsführer der AOK Esslingen, Dieter Kress, hielt es für notwendig, die Kooperation zwischen den Häusern zu verstärken. Preistreiberei müsse verhindert werden und es gelte, Einsparpotenziale zu erschließen.

Über die "tolle Aufnahme" in Ruit und "gute Ansätze in der Zusammenarbeit" freute sich der neue Geschäftsführer Franz Winkler. In wirtschaftlicher Hinsicht und beim Leistungsspektrum sieht er die Kreiskliniken Esslingen gut aufgestellt. Paradebeispiel interner Kooperation ist für ihn das Brustzentrum Nürtingen-Ruit. Ähnliches soll auch in anderen Bereichen auf die Beine gestellt werden. Stärken möchte er auch die Zusammenarbeit mit Kliniken anderer Träger sowie mit den niedergelassenen Ärzten. Winkler hob die Bedeutung der Krankenhäuser für die Region hervor. "Für die Patienten muss es selbstverständlich sein, die Kliniken vor Ort aufzusuchen." Die Entwicklung müsse weg von der High-Tech-Medizin hin zur High-Touch-Medizin gehen. "Die Zuwendung muss im Mittelpunkt stehen."