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Krankenhaus braucht keinen Zuschuss

Der Abschied von der Sana zum Jahresende ist bereits beschlossen, doch nun konnte das private Management der Städtischen Kliniken Esslingen noch einmal positive Ergebnisse verkünden. Für 2004 weist die Bilanz sogar einen kleinen Gewinn von 13 000 Euro aus. "Wir fallen dem städtischen Haushalt in keiner Weise mehr zur Last", freut sich der scheidende Krankenhausdirektor Gerhard Straub.

KORNELIUS FRITZ

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ESSLINGEN Bei der Vorstellung der Zahlen betonte Straub, dass die schwarze Null unter dem Strich ohne buchhalterische Tricks zu Stande gekommen sei. "Die Bilanz enthält weder Trägerzuschüsse noch einen Zugriff auf die Rücklagen", sagte der Sana-Manager. Auch alle Abschreibungen sowie Zinsen und Tilgung seien bereits berücksichtigt. Für 2005 peilt das Krankenhausmanagement ein ähnliches Ergebnis an. Das spiegelt sich auch in steigenden Fallzahlen wider. 25 000 stationäre Aufnahmen und 600 ambulante Behandlungen registrierte das Krankenhaus im vergangenen Jahr rund 500 mehr als noch 2003. Weiter gesunken ist dagegen die durchschnittliche Verweildauer: Sie ist seit 1995 kontinuierlich von über zehn auf knapp sieben Tage zurückgegangen eine Entwicklung, die das Management freut. Denn seit die Kliniken von den Krankenkassen Fallpauschalen erhalten, verdient das Krankenhaus umso mehr, je schneller ein Patient das Krankenhaus wieder verlassen kann.

Weil die Patienten immer kürzer bleiben, ist die Auslastung der 661 Betten in den Städtischen Kliniken im vergangenen Jahr von 77 auf 72 Prozent zurückgegangen. Da die Betten häufiger leer standen, sei auch die Zahl der Pflegekräfte leicht reduziert worden, berichtet der Krankenhausdirektor: 920 Vollzeitstellen für Schwestern und Pfleger habe es 2004 im Durchschnitt gegeben 20 weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Ärzte wurde hingegen von 167 auf 177 aufgestockt. Diese Verstärkung war vor allem deswegen nötig, weil die Städtischen Kliniken einige Bereiche deutlich ausgebaut haben. Das gilt insbesondere für die Kardiologie, für die zwei neue Linksherzkatheter-Messplätze sowie ein Computer- und ein Kernspintomograf angeschafft werden. Auf einer neuen Station für "Intermediate Care" werden Patienten nach Infarkten oder schwierigen Herzoperationen überwacht. Dass nun auch in Kirchheim ein Herzkathether angeschafft wird, hat in Esslingen zwar für Wirbel gesorgt, der Krankenhausdirektor glaubt aber, dass für die hiesige Kardiologie genug vom Kuchen übrig bleibt.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Krebstherapie: Der Anfang wurde hier bereits gemacht durch den Aufbau einer onkologischen Tagesklinik. Ausgebaut werden soll auch der Bereich Schmerztherapie, zudem ist eine eigene Palliativstation geplant, auf der unheilbaren Krebspatienten ihr letzter Lebensabschnitt so erträglich wie möglich gemacht werden soll.

"Kardiologie und Onkologie sind unsere wichtigsten Standbeine für die Zukunft", betont der stellvertretende Verwaltungsdirektor Michael Schuler. Daneben will sich das Krankenhaus aber auch auf neue Felder wagen und sich zum Beispiel um die geplante Kinder- und Jugendpsychiatrie für die Landkreise Esslingen und Göppingen bewerben. Sollte Esslingen hier den Zuschlag bekommen, müssten auch wieder die Bauarbeiter anrücken, die in den vergangenen Jahren auf dem Klinikgelände fast ebenso präsent waren wie Ärzte und Krankenschwestern. "Durch die hohen Investitionen haben wir eine sehr gute bauliche Substanz erreicht", freut sich Gerhard Straub. Dennoch wolle man sich nicht ausruhen, sondern weiter investieren: "Denn ein Krankenhaus, in dem nicht mehr investiert wird, ist tot." So wird noch in diesem Jahr ein ambulantes OP-Zentrum eingerichtet, als nächstes steht die Sanierung der Kinderklinik auf dem Programm. Und auch bei der Notaufnahme wird noch einmal nachgebessert: Nachdem es gegen die Abschaffung der Kindernotaufnahme massive Proteste gegeben hatte, soll es im Rahmen der zentralen Notaufnahme künftig doch wieder eine eigene Anlaufstelle für kleine Patienten geben.