Lokales

Krankenhausfahrten als Weg zur Freundschaft

Seit rund einem Jahr sind Werner Gollmer und Werner Köble ein eingespieltes Team. Dank regelmäßiger Krankenhausfahrten ist zwischenzeitlich auch eine Freundschaft entstanden, die es ohne das Lenninger Netz nicht geben würde.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN "Wir kennen uns jetzt ein Jahr", erzählt Werner Gollmer am Esszimmertisch von Werner

O:STERN.TI_Köble. Es herrscht eine vertraute Atmosphäre zwischen den beiden Männer, die nicht von ungefähr kommt. Weil das Bein des 82-Jährigen lange Zeit nicht heilen wollte, riet die Hausärztin zu einer ambulanten Versorgung im Kirchheimer Krankenhaus. Zunächst übernahm der Bruder von Werner Köble die Fahrten von Brucken nach Kirchheim, doch weil so schnell kein Ende der Behandlung abzusehen war, wurde es ihm auf die Dauer zu viel.

Das war die Stunde von Werner Gollmer, einer der wenigen Männer, die im Dienst des Lenninger Netzes stehen. "Die Frauen fahren nicht so gerne Auto, deshalb übernehme ich diese Aufgabe gerne", verrät der Oberlenninger. So hat er beispielsweise einen Lenninger Patienten nach Bad Cannstatt in die Klinik gefahren und einen Rekonvaleszenten nach Bad Schussenried. Hauptchauffeur war er jedoch für Werner Köble. Zu Beginn dreimal die Woche, später dann zweimal, fuhr Werner Gollmer regelmäßig nach Kirchheim ins Krankenhaus. "Um halb elf ging's los und meistens waren wir so gegen eins wieder daheim", erzählt der Oberlenninger. Während Werner Köble behandelt wurde, nutzte er die Zeit, um in der Stadt das eine oder andere zu erledigen, oder einfach einen Kaffee zu trinken. "Ich bin selbstständig und kann mir die Zeit selbst einteilen. An solchen Tagen wird es halt abends ein bisschen länger", sagt Werner Gollmer.

"Ich bin froh, dass Herr Gollmer immer Zeit für mich hatte. Ich wüsste nicht, was ich sonst gemacht hätte", meint Werner Köble. Auf der Fahrt nach Kirchheim gab es rege Unterhaltungen, denn der Bruckener ist begeisterter Zeitungsleser und konnte seinen Fahrer über das aktuelle Geschehen auf dem Laufenden halten. Außerdem erzählt der einstige Mitarbeiter des Flurbereinigungsamts gerne von früher und stößt dabei auf großes Interesse bei Werner Gollmer.

Der 57-Jährige weiß um die Nöte, wenn Menschen auf Hilfe und Pflege angewiesen sind. Er hat selbst seine Mutter ein Jahr lang bis zu ihrem Tod gepflegt. Dafür war er an seiner ehemaligen Arbeitsstelle freigestellt. "In dieser Zeit hat gerade das Lenninger Netz angefangen und ich habe mich entschlossen, dort mitzumachen", so der Oberlenninger. Er besuchte die vom Lenninger Netz angebotenen Vorträge. "Es hat dann aber relativ lange gedauert bis wir starten konnten, denn wir haben erst einmal ,Kunden' gebraucht", erinnert er sich an die Anfänge vor rund zwei Jahren.

Ein Besuch pro Woche gehört zur Grundausstattung des Lenninger Netzes. Da Werner Köble nicht mehr ins Krankenhaus muss, bekommt er nun regelmäßig freitagmittags Besuch von Werner Gollmer. Das Duo hat sich vorgenommen, kleinere Ausflüge in die nähere Umgebung zu unternehmen, beispielsweise zum Breitenstein. "Seit zwei Jahren kann ich nicht mehr Auto fahren. Das fehlt mir", gesteht Werner Köble.

Oberstes Ziel des Lenninger Netzes ist es, dass die Menschen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben können. Zu dem üblichen Wochenbesuch können weitere Dienste dazugekauft werden, wie Wäsche waschen oder einkaufen gehen. "Wir machen rundrum alles und unterstützen die Menschen, wo sie Hilfe benötigen", so Werner Gollmer. Er ist der Mann für besondere Aufgaben, sprich für die Sachen, "die die Frauen nicht so gerne machen", wie er augenzwinkernd meint. So reinigt er Lichtschächte, schneidet Hecken, mäht den Rasen oder auch mal eine Wiese und Werner Köble hat er auch schon einmal ein Geburtstagsgeschenk besorgt.

"Ich bin dankbar, dass es das Netz gibt und hoffe, dass ich noch lange daheim bleiben kann", sagt Werner Köble. Seine weit entfernt wohnende Tochter hatte ihn auf die Idee gebracht, doch mal beim Lenninger Netz anzufragen. Daraufhin hat ihm Gabriele Riecker, Leiterin der Koordinationsstelle für das "Betreute Wohnen zu Hause", die Unterlagen vorbeigebracht. Neben dem guten Gefühl, zu Hause wohnen bleiben zu können, ist aus dem mit dem Lenninger Netz geschlossenen Vertrag zwischenzeitlich auch eine Männerfreundschaft entstanden.

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