Lokales

Kreativität und Vielfalt anderer Kulturen entdecken

Nächsten Montag startet in Kirchheim die „Interkulturelle Woche“ unter dem Motto „Miteinander leben“

Kirchheim ist die Heimat von Menschen aus aller Welt. Viele haben Vereine gegründet, in denen sie ihre Traditionen, Sprachen und Religionen pflegen können. Die „Interkulturelle Woche“ lädt Interessierte bei Film, Musik und Sport dazu ein, die Vielfalt der Vereine und Kulturen kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Verbunden durch Musik: Die Flüchtlingsband unter der Leitung von Serour Sidahmed (ganz links) bestreitet zur interkulturellen Wo
Verbunden durch Musik: Die Flüchtlingsband unter der Leitung von Serour Sidahmed (ganz links) bestreitet zur interkulturellen Woche ihren ersten öffentlichen Auftritt im Kirchheimer Rathaus. Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Die Zusammenarbeit mit Migranten hat in Kirchheim eine lange Tradition. Seit 22 Jahren gibt es in der Stadt einen Integrationsausschuss, der sich um interkulturellen Dialog bemüht und für ein friedliches Zusammenleben einsetzt. In der Vergangenheit hatte es bereits einen „Tag der offenen Tür der Migrantenvereine“ gegeben, der allerdings nicht übermäßig gut besucht war. An einem Nachmittag hatten die Vereine damals ihre Türen geöffnet, doch für viele Bürger war dies offenbar ein zu kleines Zeitfenster und die Hemmschwelle, so kurzfristig mit einer anderen Kultur in Berührung zu kommen, zu groß.

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„Wir haben uns für dieses Mal einen anderen Ansatz überlegt“, erklärt Ömer Savas, Mitglied des Inte­grationsausschusses. Statt eines einfachen Tags der offenen Tür in den Vereinsräumen habe man das Programm zum einen auf eine ganze Woche ausgedehnt, jeden Tag einer anderen Kultur zugeordnet und zum anderen auf mehrere Veranstaltungsorte in der Innenstadt verteilt. „Dadurch rückt das Programm auch räumlich in die Mitte der Gesellschaft, wo leichter Begegnungen stattfinden können“, fügt Roland Böhringer, Leiter des Amts für Familie und Soziales, hinzu.

Um die Hemmschwelle weiter herabzusetzen, wurde zu jedem Termin ein Film ausgewählt, der zum jeweiligen Thema des Tages passt – das Rahmenprogramm sowie die Gestaltung und Verpflegung vor Ort übernehmen die beteiligten Vereine selber. „Es ist ein wenig wie die Filmwochen gedacht, wie man sie auch aus anderen Städten kennt“, erläutert Ömer Savas das Konzept weiter. Mit dieser Idee habe man bei den Vereinen „offene Türen eingerannt“. Im Mittelpunkt, sagt Jutta Ziller vom Mehrgenerationenhaus Linde, stehe aber immer die Einladung zur Begegnung. „Die Besucher sollen sich idealerweise die Zeit nehmen, auch nach dem Film mit anderen ins Gespräch zu kommen“, hofft auch Renate Hirsch vom Integrationsausschuss.

Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker erhofft sich von der Veranstaltungsreihe einen „echten Mehrwehrt für die Gesellschaft unserer Stadt.“ Indem die Migrantenvereine und -organisationen sich so offen und herzlich der Öffentlichkeit präsentieren, zeigten sie: „Wir gehören dazu, wir sind ein Teil dieser Stadt.“ Auch sie selbst ist am Programm beteiligt: Der Große Sitzungssaal im Rathaus dient an einem Termin als Veranstaltungsort für einen Abend mit Flüchtlingen aus der staatlichen Unterkunft für Asylbewerber.Zusätzlich zum Film wird eine Kirchheimer Flüchtlingsband unter der Leitung von Serour Sidahmed ihren ersten großen Auftritt haben. „Es war mir wichtig, dass auch diese Menschen, die normalerweise eher isoliert und am Rande der Gesellschaft leben, die Möglichkeit bekommen, herauszukommen – und merken, dass sie willkommen sind“, betont Matt-Heidecker.

Mit dem Motto „Miteinander leben“ ist das Programmheft der interkulturellen Woche überschrieben, und das Angebot ist dabei so vielfältig wie die Organisationen selbst.

Den Anfang macht am Montag um 19 Uhr die „Italienische Nacht“ im Mehrgenerationenhaus Linde, natürlich mit italienischem Ambiente und frisch gebackener Pizza. Gezeigt wird der Film „Solino – Pizza und Vino“ von Regisseur Fatih Akin, der von der italienischen Gastarbeiterfamilie Amato handelt, die ihr Glück im Ruhrgebiet sucht und in Duisburg eine Pizzeria eröffnet.

Weiter geht es am Dienstag um 19  Uhr im Club Bastion mit dem „Türkischen Abend“ und dem Dokumentarfilm „Wir sitzen im Süden“. Der Film handelt von Call-Center-Agenten in einem Großraumbüro in Istanbul, die ihre Jugend in Deutschland verbracht haben und thematisiert die Paradoxien von Migration und Integration.

Der Mittwoch lässt um 19 Uhr im Ernst-Traub-Gemeindehaus ein großes Stück russischer Kultur lebendig werden: Hier werden „Romanzen“ gespielt, poetische Liebeslieder, begleitet von Klavier oder Bajan (Akkordeon). Passend dazu gibt es den Film „Kukushka“, eine Liebesgeschichte, die durch die unterschiedlichen Muttersprachen der Protagonisten kompliziert wird und gleichzeitig berührt.

Am Freitag begrüßt Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker um 19 Uhr im Kirchheimer Rathaus Gäste aus Kirchheim und aller Welt. Neben dem Film „Vier Wochen Asyl“, der die Erfahrungen eines Fernsehteams in einer staatlichen Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge dokumentiert, gibt es auch den Auftritt der Kirchheimer Flüchtlingsband unter der Leitung von Serour Sidahmed zu sehen.

Den Abschluss bilden am Samstag gleich zwei Veranstaltungen: Am Nachmittag findet ab 14 Uhr das „Interkulturelle Elfmeterschießen“ auf der Klosterwiese in der Lindachallee statt. Abends ab 19 Uhr gibt es im Mehrgenerationenhaus Linde dann den „Goldenen Abend“ der tamilischen Gemeinschaft. Gezeigt wird das Bollywood-Epos „Raavanan“ des tamilischen Regisseurs Mani Ratnam. Anschließend präsentiert der Kirchheimer DJ Ragu Musik aus Sri Lanka und der ganzen Welt.