Lokales

Kreis führt Schullandheim weiter in Eigenregie

Das Schullandheim Lichteneck wird weiter unter der Ägide des Landkreises geführt. Ein Pächter ließ sich für die oberhalb Hepsisaus liegende Einrichtung trotz aller Bemühungen nicht finden.

ANKE KIRSAMMER

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KREIS ESSLINGEN Beim Wälzen des Etatentwurfs für 2005 waren zu Beginn des Jahres gleich mehrere Fraktionen des Esslinger Kreistags über den vermeintlichen Zuschuss von rund 424 000 Euro für das Schullandheim gestolpert. Abzüglich interner Leistungsverrechnungen, Abschreibung und Verzinsung bleiben tatsächliche Kosten von 132 000 Euro pro Jahr am Kreis hängen. An der Auslastung liegt es nicht. Mit knapp 10 000 Übernachtungen pro Jahr ist Lichteneck fast ausgebucht. Schon jetzt sind Termine bis ins Jahr 2008 vergeben. Die Freien Wähler hatten in der Debatte im Januar darauf gepocht, nach Sparpotenzial zu suchen und sogar den Verkauf in Erwägung gezogen. Die SPD bat die Verwaltung, sich nach einem Pächter umzuschauen, und die FDP überlegte, das Schullandheim als Stiftung weiterzuführen.

Wie Landrat Heinz Eininger in jüngster Kreistagsssitzung mitteilte, war die Suche nach einem privaten Pächter nicht von Erfolg gekrönt. Bei zahlreichen Gesprächen mit Interessenten habe sich herausgestellt, dass der Betrieb des Schullandheims durch einen Pächter auch weiterhin subventioniert werden müsste, wenn die Konditionen für Schüler- und Jugendgruppen beibehalten werden sollen. Dazu kommt: Weil ein privater Betreiber voll dem Steuerrecht unterliegt, müsste er noch mehr Geld zuschießen als der Kreis bislang. Auch gaststätten- und gewerberechtlich wäre ein Verpachtung nicht ganz einfach, sollte Lichteneck neben Schulklassen auch anderen Gästen offenstehen. Seit Jahren schult der Kreisverband der Blasmusik beispielsweise seinen Nachwuchs während der Sommerferien in dem idyllisch am Albaufstieg gelegenen Haus, und die wenigen nicht von Schulen belegten Tage buchen mitunter auch andere Gruppen.

Unterstützung gibt es nun von anderer Seite: "Die Stiftung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen bezahlt für das Schullandheim einen jährlichen Zuschuss von 60 000 Euro", sagte Landrat Eininger. Das ist das Ergebnis von Verhandlungen, die parallel zur Suche nach einem anderen Betreiber geführt wurden. Bedingung für das Sponsoring ist, dass Schüler und Jugendliche in Lichteneck auch künftig vergünstigt unterkommen.

Einstimmig entschied der Kreistag, die Tagessätze zum 1. August 2006 um fünf bis sechs Prozent anzuheben. Zuletzt wurden die Sätze zum 1. August 2004 erhöht. Danach bezahlen Kinder und Jugendliche bis 21 Jahren aus dem Kreis künftig 18 Euro statt bisher 17 Euro für einen Tag mit Vollpension. Jugendliche aus anderen Landkreisen müssen künftig 20,50 Euro pro Tag berappen. Für einheimische Erwachsene wird der Satz von 24,50 auf 26 Euro hinaufgesetzt. Auswärtige Erwachsene über 21 bezahlen vom neuen Schuljahr an mit 28,50 Euro ebenfalls 1,50 Euro mehr als bislang. Die Verwaltung erwartet durch die höheren Sätze im kommenden Jahr 4000 Euro mehr an Einnahmen. Sie sind im Haushaltsplan bereits berücksichtigt. Der Kreistag beauftragte außerdem den Kultur- und Schulausschuss, künftig die Tagessätze für das Schullandheim festzulegen.

Einen Wechsel gab es inzwischen in der Leitung des Schullandheims. Seit 1. Oktober ist Brigitte Frank verantwortlich für das Haus. Der bisherige Herbergsvater Markus Hänel, der in Lichteneck aufgewachsen ist und die Leitung des Hauses 2003 von seiner Mutter übernommen hatte, fürchtete wegen der geplanten Verpachtung um seinen Job und kehrte dem Schullandheim, das im kommenden Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert, Ende September den Rücken.