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Kreis zahlt künftig mehr

Die Schuldnerberatung hat ein Finanzierungsproblem: Nach neuer Gesetzeslage reduzieren die Großen Kreisstädte im Kreis Esslingen ihren Personalkostenzuschuss von 45 auf 20 Prozent. Der Landkreis stockt seinen Anteil entsprechend auf, damit das Angebot auch weiterhin aufrechterhalten bleibt.

ANDREAS VOLZ

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ESSLINGEN "Die Schuldnerberatung trägt zur Konsolidierung privater Haushalte bei. Ihre Notwendigkeit ist unbestritten." Dieses klare Bekenntnis für die Schuldnerberatungsstellen im Kreis legte Landrat Heinz Eininger gestern in der Sitzung des Sozialausschusses ab. Dessen Mitglieder hatten über die geänderte Finanzierung zu beraten. Eininger verwies darauf, dass die Großen Kreisstädte ursprünglich vorgehabt hatten, sich ganz aus dem bisherigen Finanzierungsmodell zurückzuziehen. Bis jetzt haben die betroffenen Städte und der Kreis je 45 Prozent der Personalkosten getragen, die restlichen zehn Prozent übernehmen die freien Träger, die die Beratung vor Ort anbieten. Für Kirchheim und Umgebung ist dafür die Diakonische Bezirksstelle zuständig.

Nun haben sich die Großen Kreisstädte aber darauf verständigt, ihren Kostenanteil nicht ganz zu streichen, sondern auf 20 Prozent zurückzufahren. "Wir müssen mehr übernehmen", machte Heinz Eininger im Sozialausschuss des Kreistags deutlich, wie die Lösung aussehen wird: Der Landkreisanteil an den Personalkosten der Schuldnerberatungsstellen beträgt vom kommenden Haushaltsjahr an 70 statt wie bisher 45 Prozent. Im Haushaltsplanentwurf für 2006 sind dafür bereits Mittel in Höhe von 240 000 Euro vorgesehen.

Bei drei Gegenstimmen der Grünen und einer Enthaltung hat der Sozialausschuss diesen Vorschlag der Verwaltung abgesegnet. Zuvor hatte die Mehrheit der Ausschussmitglieder den Antrag der Grünen-Fraktion abgelehnt, die freien Träger auch noch von den zehn Prozent Eigenanteil an den Personalkosten zu entbinden. Das würde sich auf zusätzliche 48 000 Euro im Jahr belaufen. "Wir müssen mindestens die vollen Personalkosten erstatten", hatte Grünen-Kreisrat Wolfgang Latendorf verlangt, "sonst überfordern wir die Träger finanziell." Weil diese noch die Verwaltungskosten zu tragen hätten, liege ihr Anteil an den Gesamtkosten der Beratung bei 40 Prozent.

Dem hatte Landrat Eininger entgegengehalten, dass auch niemand an die "Überforderung der Finanzierungskraft des Landkreises denkt". Frank Buß (Freie Wähler) bemerkte, dass sich die freien Träger mit dem Schuldnerberatungsangebot auch profilieren, wofür zehn Prozent Personalkosten durchaus angemessen seien: "Wenn der Kreis die Kosten ganz übernehmen müsste, wäre die Alternative, dass er die Schuldnerberatung in eigener Regie betreibt." Außerdem erinnerte Sozialdezernent Dieter Krug daran, dass ursprünglich einmal angedacht war, die freien Träger mit 25 Prozent an den Personalkosten zu beteiligen.

In Kirchheim gibt es Dieter Krug zufolge noch den Sonderfall, dass die Stadt nur eine von 1,5 Personalstellen mitfinanzieren und für die verbleibende halbe Stelle die Umlandgemeinden in die Pflicht nehmen wolle. Mit dem Kreis habe das allerdings nichts zu tun, betonte Landrat Eininger: "Das hängt ausschließlich vom Verhandlungsgeschick der Stadt Kirchheim mit den Umlandgemeinden ab." Vielleicht muss auch noch zusätzlich mit Fachleuten verhandelt werden, die sich ehrenamtlich in der Schuldnerberatung engagieren können. Diesen Weg hatte Krug generell vorgeschlagen, um das Angebot an die Nachfrage anpassen zu können.