Lokales

Kress rügt "Wettrüsten"

KORNELIUS FRITZ

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ESSLINGEN Am heutigen Freitag will Landrat Eininger öffentlich erklären, was die Entscheidung der Stadträte für die weiteren Verhandlungen über eine Kooperation zwischen dem Klinikum Esslingen und den vier Kreiskrankenhäusern in Plochingen, Ruit, Nürtingen und Kirchheim bedeutet.

Nach Ansicht von AOK-Chef Dieter Kress sind die Chancen auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit durch die Entscheidung des Gemeinderates jedoch gesunken: "Ich befürchte, dass das Tischtuch nun zerschnitten ist."

Der AOK-Chef bedauert es, dass Stadt und Kreis ihre Kliniken zurzeit gegeneinander in Stellung bringen, statt nach Gemeinsamkeiten zu suchen: "Inzwischen kann man ja schon von einem Wettrüsten sprechen", kritisiert der AOK-Chef. Dabei führt an einer Kooperation aus Sicht von Kress kein Weg vorbei. "Sie ist notwendig, um eine flächendeckende Krankenhausversorgung im Landkreis sicherzustellen", ist der Geschäftsführer überzeugt. Da der neue Gesundheitsfonds zu sinkenden Einnahmen führe, werde andernfalls die eine oder andere Klinik auf der Strecke bleiben.

Bereits vor der Gemeinderatssitzung am Montag hatte sich Kress in einem Brief an Oberbürgermeister Jürgen Zieger gewandt. Darin versucht der Krankenkassen-Chef einige Punkte richtigzustellen, die aus seiner Sicht in der Vorlage für die Gemeinderäte falsch dargestellt wurden. "Offensichtlich bewusst werden Tatsachen verdreht", schreibt Kress. Falsch sei beispielsweise die von Klinik-Chefin Cornelia Lindner in der Gemeinderatssitzung vorgetragene Behauptung, die Kassenärztliche Vereinigung habe im Raum Esslingen ein Versorgungsdefizit in der Strahlentherapie ausgewiesen. "Eine Bedarfsnotwendigkeit für die Einrichtung einer Strahlentherapie ist schlicht und ergreifend nicht gegeben", schreibt Kress.

Dass die Verwaltung in der Gemeinderatsvorlage auch noch aus einem Gutachten der Krankenkassen zitiert, findet Kress unerhört. Die Äußerungen seien aus dem Zusammenhang gerissen, denn das Gutachten empfehle weder die Einrichtung einer Strahlentherapie in Esslingen, noch gebe es Hinweise auf ein Defizit in der Versorgung von Krebspatienten. Für wenig überzeugend hält Kress auch das Argument, eine Strahlentherapie sei notwendig, damit das Krankenhaus onkologischer Schwerpunkt werden könne.

"Unabhängig davon wird das Klinikum Esslingen nie und nimmer alleine als onkologischer Schwerpunkt anerkannt", prophezeit Kress. Der Landeskrankenhausausschuss vergebe solche Schwerpunkte nämlich grundsätzlich nur an einen Verbund aus mehreren Krankenhäusern. Dass es im Kreis Esslingen noch keinen Schwerpunkt gebe, liege alleine daran, dass sich die Kliniken in Esslingen und Ruit bisher nicht darauf einigen konnten, wer in einem solchen Verbund die erste Geige spielen soll.