Lokales

Kreuzeiche symbolisiert Revierreform

Die alte Kreuzeiche zwischen Ohmden und Schlierbach liegt schon seit Jahrzehnten flach. Jetzt endlich hat sie eine junge Nachfolgerin bekommen: In einem symbolischen Akt haben zwei Revierförster eine neue ­Kreuzeiche gepflanzt. Sie markiert einen Neuanfang nach der Reform der Forstreviere im Kreis.

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BIANCA LÜTZ

Ohmden. Gemeinsam packen die beiden Revierförster Daniel Rittler und Markus König zu: Sie wuchten die junge Stileiche – mit tatkräftiger Unterstützung einiger Waldarbeiter – in das Loch auf der Kreuzeichwiese und bringen den Stamm ins Lot. Wenige Minuten später ist der Wurzelballen nicht mehr zu sehen und die Erde rund um den Baum festgetreten: Die neue Kreuzeiche hat, wenn alles nach Plan läuft, ihren Platz für die nächsten Jahrhunderte gefunden.

„Der Baum soll 300 bis 400 Jahre alt werden“, lautet der Wunsch des Kirchheimer Revierförsters Daniel Rittler. Die Idee, eine Nachfolgerin für die einstige Kreuzeiche zu pflanzen, war ihm gekommen, als er im Januar die Kreuzeichwiese samt dem Rest des Staatswaldgebiets von seinem Weilheimer Kollegen Markus König übernahm. Symbolisch steht die Neupflanzung des Baums für die Revierübergabe und für einen Neuanfang nach der Umstrukturierung der Forstreviere im gesamten Kreis und rund um die Teck.

Begonnen hatte alles mit der Verwaltungsreform im Jahr 2005. Damals waren die einzelnen Forstämter zu einer zentralen Kreisforstbehörde verschmolzen und ins Esslinger Landratsamt eingegliedert worden. Die Aufgabe für die kommenden Jahre lautete: „Eine Effizienzsteigerung von 20 Prozent und damit auch den Abbau von Personal“, wie Forstdirektor Felix Reining, Leiter des Kreisforstamts, erläutert: „Das ging nur, indem wir einige Forstreviere aufgelöst und die Flächen auf die anderen verteilt haben.“

Betroffen von den Veränderungen sind unter anderem auch der Kirchheimer Revierförster Daniel Rittler und sein Weilheimer Kollege Markus König. Daniel Rittler hat zu Beginn dieses Jahres von seinem Kollegen Markus König den Staatswald übernommen, der 220 Hektar umfasst und sich vom Kirchheimer Schafhof bis zur Göppinger Kreisgrenze bei Hattenho­fen erstreckt. Zum 1. April ist außerdem noch der Holzmadener Wald in seine Zuständigkeit gefallen. Markus König hat im Gegenzug zusätzlich zu seinen Waldflächen auf den Gemarkungen Weilheim und Ohmden das Neidlinger Forstrevier übernommen. Der ehemalige Neidlinger Revierförster Werner Nagel war zum Januar 2008 in den Ruhestand getreten.

Seine Stelle ist nicht die einzige, die gestrichen worden ist. In den vergangenen drei Jahren sind neben dem Neidlinger Revier auch die Forstreviere Nürtingen West und Plochingen aufgelöst und in die anderen Reviere eingegliedert worden. Kündigungen hatte es immerhin keine gegeben: Zwei Förster gingen ohnehin in Pension, ein anderer kehrte dem Forst freiwillig den Rücken und ließ sich umschulen. Insgesamt ist die Zahl der Forstreviere im Kreis damit seit 2005 von 19 auf 16 gesunken. Als logische Konsequenz sind die verbliebenen Reviere größer geworden. „Für die Förster bedeutet das eine zusätzliche Arbeitsbelastung“, weiß Felix Reining.

Das bekommen auch Daniel Rittler und Markus König zu spüren. Nicht nur, dass sie insgesamt mehr Arbeit haben. „Wer schneller schafft, macht mehr Fehler“, fürchtet Daniel Rittler. Aus Sicht von Markus König geht mit der Vergrößerung der Reviere auch ein Stück Bürgernähe verloren, etwa wenn es um den Brennholzverkauf geht. Früher sei es noch möglich gewesen, mit dem Interessenten in den Wald zu fahren. Dafür habe er nun keine Zeit mehr. Auch was die Kontrolle angeht, müssen die Förster immer mehr Abstriche machen. „Wenn wir Arbeiten in Auftrag geben, haben wir kaum noch Zeit, hinterher alles zu überprüfen“, so König. Deshalb sei die Eigenverantwortlichkeit der Forstmitarbeiter immer mehr gefragt. „Unsere Leute sind aber alle gut ausgebildet und ortskundig“, fügt Markus König hinzu.

„Die Försterromantik ist vorbei“, fasst Forstdirektor Reining zusammen. Aus seiner Sicht hat die Forstbehörde aber das Beste aus der Situation gemacht: „Ich glaube, dass wir trotzdem eine gute Lösung gefunden haben, sodass alle Waldbesitzer noch gut bedient werden können.“

Ein bisschen schwer gefallen ist Markus König der Abschied vom Staatswaldgebiet aber schon. „Das war die einzige ebene Fläche, die ich noch hatte.“ Sein neues Gebiet in Neidlingen sei geprägt durch steile Hänge und Steigen. Dort sei die Arbeit im Wald beschwerlicher und die Verkehrssicherung schwerer zu gewährleisten. Aber seine neuen Flächen bringen auch Vorteile: Jede Menge Holz zum Ernten. Vor Daniel Rittler dagegen liegt jede Menge Pflege- und Pflanzarbeit in seinem mittlerweile 1250 Hektar umfassenden Revier: „In meinem Gebiet gibt es viele Aufforstungsflächen“, sagt er.

Den ersten Baum in seinem neuen Zuständigkeitsgebiet Staatswald hat Daniel Rittler mit der Kreuzeiche nun schon gepflanzt. „Das fand ich eine ganz tolle Idee“, lobt Felix Reining die Aktion der beiden Förster. Leider würden heute nur noch selten Einzelbäume an besonderen Stellen als Wegmarken gepflanzt. Auch den Platz, an dem die Eiche steht, hält er für absolut gelungen. Die etwa zehn Jahre alte, fünf Meter hohe Jung-Kreuzeiche steht nur wenige Meter entfernt von den Überresten ihrer Vorgängerin, die immerhin einen Stammdurchmesser von 1,60 Meter hatte und rund 400 Jahre alt war. Gefällt wurde sie übrigens im Jahr 1964 – dem Jahr, in dem sowohl der ehemals zuständige Förster Markus König als auch der frisch gebackene Staatswald-Förster Daniel Rittler geboren wurden.