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Kripo beendet Ermittlungsgruppe "Ziegel" mit großem Erfolg

Mit einem großen Erfolg hat die Esslinger Kripo in dieser Woche die Ermittlungsgruppe "Ziegel" beendet. Wegen Einbrüchen, Rauschgifthandels und Verbreitung von Falschgeld wurde seit Sommer 2004 gegen insgesamt 75 Personen aus dem Großraum Stuttgart ermittelt. Gegen 14 Tatverdächtige wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart Haftbefehl erlassen.

STUTTGART/ESSLINGEN Nach dem Stand der Ermittlungen wird den Tatverdächtigen vorgeworfen, seit 2001 über 40 Kilogramm Marihuana beschafft und an Drogenabhängige verkauft zu haben. Gegen weitere Beschuldigte wurde wegen Einbrüchen und Diebstählen ermittelt.

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Im Sommer vergangenen Jahres war die sechsköpfige Ermittlungsgruppe nach einer deutlichen Zunahme von Einbrüchen und Rauschgiftdelikten im Raum Kirchheim bei der Kriminalpolizei in Esslingen eingerichtet worden. Sehr schnell ergab sich ein Verdacht gegen eine Gruppe von Spätaussiedlern aus dem Bereich Kirchheim. Durch eigene Ermittlungen und verschiedene Hinweise wurde bekannt, dass die Personengruppe Drogenabhängige in Kirchheim und Umgebung mit Marihuana versorgen soll. Allerdings war die Herkunft des Rauschgifts zunächst nicht bekannt. Durch monatelange umfangreiche Ermittlungen und Überwachung konnte dieser Anfangsverdacht erhärtet werden.

Auf Grund der bisherigen Ermittlungen besteht nunmehr der Verdacht, dass die in Kirchheim, Wendlingen und Ostfildern wohnhaften Tatverdächtigen insgesamt über 40 Kilogramm Marihuana beschafft haben. Den Weiterverkauf der Drogen überließen sie mehreren Zwischenhändlern. Der Tatzeitraum erstreckte sich von Anfang 2001 bis zur Festnahme der Beschuldigten im Februar dieses Jahres. In der Anfangszeit führten die Hauptverdächtigen das Rauschgift aus Holland ein. Seit dem vergangenen Jahr kauften sie das Marihuana ausschließlich von einem Händler aus dem Bereich Ludwigsburg. Nach Erkenntnissen der Ermittler hatten die Tatverdächtigen dabei Marihuana im Gesamtwert von über 240 000 Euro umgesetzt. Vor allem die drei Hauptverdächtigen, drei arbeitslose Spätaussiedler im Alter zwischen 32 und 42 Jahren aus Kirchheim, Ostfildern und Wendlingen hatten nach Erkenntnissen der Ermittler ihren Lebensunterhalt seit einigen Jahren mit der Verübung von Straftaten bestritten.

Dabei führten sie augenscheinlich ein ganz normales Leben, hatten eine Familie, einen dauerhaft festen Wohnsitz und waren auch polizeilich bis zu diesem Verfahren kaum auffällig geworden. Außerdem besteht der Verdacht, dass einige der Hauptverdächtigen im Sommer vergangenen Jahres eine größere Summe Falschgeld aus Estland eingeführt haben. Die Verdächtigen sollen dort von einem Lieferanten insgesamt 80 000 US-Dollar gekauft und nach Deutschland gebracht haben. Ein Teil der "Blüten" wurde über Kontaktpersonen aus dem Großraum Stuttgart im osteuropäischen Raum verteilt. Gegen einen der Empfänger wurde von der Staatsanwaltschaft Stuttgart zwischenzeitlich Anklage erhoben.

Im Februar dieses Jahres wurden im Kreis Esslingen insgesamt zwölf Russlanddeutsche im Alter zwischen 30 und 57 Jahren auf Grund von der Staatsanwaltschaft Stuttgart erwirkten Haftbefehlen festgenommen. In den vergangenen Monaten wurden dann zwei weitere Haftbefehle erlassen. Von den 14 Tatverdächtigen befinden sich noch neun Personen in verschiedenen Haftanstalten in Untersuchungshaft. Drei Haftbefehle wurden zwischenzeitlich außer Vollzug gesetzt. Gegen vier Zwischenhändler wurde Anklage erhoben. Zwei von ihnen sind bereits rechtskräftig zu mehrjährigen Freiheitsstrafen, die zum Teil zur Bewährung ausgesetzt wurden, verurteilt.

Zeitgleich konnte die Kriminalpolizei Ludwigsburg im Februar dieses Jahres den Lieferanten der im hiesigen Verfahren Beschuldigten und drei weitere Verdächtige festnehmen. Es gelang, zirka 30 Kilo Marihuana sicherzustellen. In dem Verfahren, das durch einen Hinweis der Esslinger Beamten in Gang gekommen war, hat die Staatsanwaltschaft Heilbronn Anklage gegen die dortigen Beschuldigten erhoben. Sie wurden mittlerweile vom Landgericht Heilbronn zu Freiheitsstrafen verurteilt. Eine weitere Person konnte auf Grund der Ermittlungen der Beamten der Polizeidirektion Waiblingen festgenommen werden. Gegen den Beschuldigten wurde zwischenzeitlich Anklage von der Staatsanwaltschaft Stuttgart erhoben. Er ist erstinstanzlich wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz und Geldfälschung zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Im Zuge der Ermittlungen konnten auch Diebstähle aus einer Stuttgarter Spedition aufgeklärt werden. Bis vor wenigen Wochen wurden Elektronikgeräte und Werkzeuge im Wert von insgesamt zirka 80 000 Euro gestohlen. Der Tatverdächtige war bei der Spedition als Fahrer beschäftigt. Ein weiterer Beschuldigter, der inzwischen rechtskräftig zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde, erbeutete bei mehreren Einbrüchen in Getränkehandlungen und Einkaufsmärkten in Kirchheim und Dettingen Getränke und Verbrauchsgüter im Gesamtwert von zirka 30 000 Euro.

Die Ermittlungsgruppe "Ziegel" übergibt nun die Akten der noch nicht abgeschlossenen Verfahren der Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Die sechs Ermittler hatten an diesen Verfahren über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren intensiv gearbeitet. Das Ergebnis waren 14 Haftbefehle, 50 Durchsuchungen, weit über einhundert Vernehmungen und 40 prall gefüllte Ordner mit Ermittlungsakten.

lp