Lokales

Krippen als Verlierer

Nach Ansicht der Kirchheimer SPD-Landtagsabgeordneten Carla Bregenzer führt die jetzt vom Sozialministerium veröffentlichte Verwaltungsvorschrift dazu, dass sich die Förderung für viele Kinderkrippen deutlich verschlechtert, obwohl die Landesregierung öffentlich den gegenteiligen Eindruck erweckt habe. Besonders betroffen seien Krippen im ländlichen Raum und Krippen von kleineren Elterninitiativen.

KIRCHHEIM Verlierer seien vor allem die sogenannten "betreuten Spielgruppen" mit einer wöchentlichen Betreuungszeit von 10 bis 15 Stunden, die häufig von Elterninitiativen, Volkshochschulen und Familienbildungsstätten angeboten werden. Deren Förderung verschlechtere sich nach Ablauf einer Galgenfrist ab dem Jahr 2009 von bisher 6 000 Euro auf 5 040 Euro je Gruppe. Fast 2 000 der insgesamt rund 8 400 Betreuungsplätze in Kinderkrippen in Baden-Württemberg seien von diesen Abschlägen betroffen, so Bregenzer weiter.

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Schlechter gestellt würden aber auch die "Kleinkindgruppen", wenn sie Betreuungsangebote mit einer wöchentlichen Öffnungszeit von 15 bis höchstens 40 Stunden anbieten. Lediglich Krippen, die mehr als 50 Stunden Betreuung wöchentlich anböten, hätten geringfügige Vorteile gegenüber der jetzigen Förderung.

Schätzungsweise zwei Drittel der Betreuungsplätze im Kleinkindbereich, so Bregenzer, entfallen auf Einrichtungen von kleinen Elterninitiativen, wo Eltern mit viel ehrenamtlichem Engagement eine familienergänzende Krippenbetreuung organisieren. Auch hier seien Öffnungszeiten von mehr als 40 Stunden pro Woche eher die Ausnahme als die Regel. "Die neue Krippenförderung ist deshalb auch ein Schlag ins Gesicht für das ehrenamtliche Engagement vieler Eltern."

Bregenzer weist noch auf einen weiteren Pferdefuß der neuen Krippenförderung hin. Bisher sei die Krippenförderung unabhängig davon gezahlt worden, ob die jeweilige Gemeinde sich an der Finanzierung beteiligt oder nicht. Für neue Krippen gebe es ab 2008 und für bestehende Einrichtungen ab 2011 eine Förderung nur noch dann, wenn sich die Gemeinde mindestens in gleicher Höhe beteiligt.

Bregenzer: "Damit droht das Aus für viele Einrichtungen im Wahlkreis Kirchheim." Dort kämen die Kinder einer Krippe oft aus vielen verschiedenen Gemeinden und die Krippen müssten dann mit mehreren Bürgermeistern über eine kommunale Komplementärförderung verhandeln. Wenn sich die Gemeinde weigere zu zahlen, werde künftig auch der Landeszuschuss nicht gezahlt. "Dass diese kommunale Förderung von Einrichtungen mit gemeindeübergreifendem Einzugsgebiet Probleme bereitet, davon könnten die Waldorf-, Wald- und Montessori-Kindergärten ein Lied singen", so Bregenzer.

Nach den Worten der SPD-Abgeordneten wird die neue Krippenförderung den Ausbau des Betreuungsangebotes nicht vorantreiben, sondern behindern. Die SPD spreche sich deshalb dafür aus, zusätzliche Mittel in den Ausbau des Betreuungsangebotes zu investieren. Der Landes-Betriebskostenzuschuss für Krippen müsse von zehn auf 30 Prozent angehoben werden. "Dadurch werden die Kommunen entlastet und mit einer solchen Erhöhung des Betriebskostenzuschusses wird die Krippenförderung endlich der Kindergartenförderung gleichgestellt", so Carla Bregenzer.

pm