Lokales

Kritik an der Finanzierungsform beim Bau des neuen Hallenbades

Sekt, Häppchen, launige Vorträge und gute Gespräche kennzeichnen schon lange den Neujahrsempfang der Turngemeinde Kirchheim, der gestern zum 28. Mal im TG-Vereinsheim stattfand. Unerwartete Würze brachte Siegfried Hauff, der Vorsitzende des Stadtverbandes für Leibesübungen (SfL) in die Veranstaltung ein.

HELGE WAIDER

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KIRCHHEIM Der Chef des Kirchheimer Sport-Dachverbandes stellte die Finanzierungsform des geplanten neuen Hallenbads in Frage. Mit dem Modell "Public Private Partnership" (PPP) verschiebe man nur heutige Finanzierungsprobleme in die Zukunft, sagte Hauff. Auch habe er die Sorge, dass bei einer solchen Finanzierung die viel zu häufig praktizierte Regel gelte, nach der Gewinne privatisiert, Verluste jedoch solidarisiert werden würden. Schließlich, so Hauff weiter, müsse doch der Investor etwas verdienen, "denn auch er muss einen Kredit aufnehmen und Zinsen dafür bezahlen." Seiner Meinung nach könnte die Kommune für den Gegenwert des Mehrverdienstes des Investors sogar ineffizient wirtschaften. Das wäre dennoch nicht teurer allerdings würden die Gestaltungsmöglichkeiten der Stadt voll erhalten bleiben.

Zuvor hatte Silvia Kretzschmar, die Erste Vorsitzende der Turngemeinde, im festlich dekorierten Saal des Vereinsheims die zahlreichen Gäste aus Sport, Wirtschaft, Verwaltung, Politik und Kultur begrüßt, darunter im Wahljahr 2006 auch die Landtagsabgeordneten Karl Zimmermann (CDU) und Carla Bregenzer (SPD). Das Ehrenamt gerate zunehmend in Gefahr, stellte Kretzschmar fest. Einsparmaßnahmen, zurückhaltende Sponsoren und vor allem der Mitgliederschwund stellten ein ernsthaftes Problem für die Arbeit in den Vereinen dar.

Zu seiner schon berühmt-berüchtigten Tour d'horizon setzte anschließend der TG-Ehrenvorsitzende Karl-Heinz Beck an. Vom bedrohten Ehrenamt über die traurigen Naturkatastrophen des Jahres 2005, über Politikverdrossenheit, Regierungskrise, Rentenkürzungen und Arbeitslosigkeit bis hin zur sozialen Marktwirtschaft spannte Beck, im Hauptberuf einst Gewerkschaftsfunktionär, den Bogen: "Die Banken vermelden große Gewinne und schicken gleichzeitig tausende Menschen in die Arbeitslosigkeit. Betriebe werden scharenweise ins Ausland verlagert und hier Arbeitsplätze vernichtet. Das hat Ludwig Erhard sicher nicht unter sozialer Marktwirtschaft verstanden", konstatierte Beck. Für das Jahr 2006 empfahl der Ehrenvorsitzende in diesem Zusammenhang die Rückkehr zur einst bewährten Formel: "Nicht mehr ausgeben als man einnimmt." Beck erinnerte aber auch an die Aktion der TG-Fußballjugend, die 2005, unterstützt von den Seniorenkickern, einen Flohmarkt organisiert hatte, aus dessen Erlös mehr als 1 000 Euro für die Opfer der Flutkatastrophe in Südostasien gespendet wurden. Dies, obwohl das Geld auch für die eigene Jugendarbeit dringend benötigt worden wäre.

Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker bedankte sich bei der TG und ihren Mitgliedern, die das alljährliche Treffen unter dem Motto "Politik trifft Sport" ermöglichen. Das Stadtoberhaupt ließ das lokale Sportjahr noch einmal Revue passieren, erinnerte unter anderem an die Leichtathletik-Erfolge von Tobias Unger, an die in Kirchheim ausgetragenen Deutschen Meisterschaften im Dartsport, die Internationalen Hahnweide-Wettbewerbe, den Relegationswettkampf der VfL-Turnerinnen, den Ball des Sports und das Radrennen. Letzteres soll in diesem Jahr mit neuer Organisationsstruktur am 4. Juni eine interessante Neuauflage erleben.

Ausblickend auf das Jahr 2006 berichtete die Oberbürgermeistein, dass neben dem Baubeginn der Rauner-Sporthalle die Regelung über die Schlüsselgewalt in den Sportstätten in den letzten Zügen liege. Ebenso sei die Stadt mit dem Mountainbikeclub Teck über ein Trainingsgelände im Gespräch. Das Thema Hallenbad gehe in der nächsten Gemeinderatsitzung in eine entscheidende Runde, nachdem das Markterkundungsverfahren abgeschlossen sei und nun über das weitere Vorgehen entschieden werden könne. Ganz aktuell, so Matt-Heidecker weiter, sei die Stadt wohl wegen der gelungenen Organisation des Relegationswettkampfs der VfL-Turnerinnen als Ausrichter der Deutschen Kunstturnmeisterschaften im Gespräch. Die Stadtverwaltung habe grundsätzliches Interesse bekundet. Der Gemeinderat wird sich in seiner nächsten Sitzung mit dem Thema beschäftigen.

Nicht vorbei komme man 2006, so Matt-Heidecker, an der Fußball-Weltmeisterschaft. Geplant sei momentan eine Großbildleinwand während des Stadtfestes und ein so genanntes "Kneipenprogramm" für die Gaststätten. Sportlich sei, so Matt-Heidecker, die Marschrichtung durch Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgegeben, die in ihrer Neujahrsansprache sagte: "Was Frauen können, nämlich Fußball-Weltmeisterinnen zu werden, sollten Männer wohl nachzuahmen im Stande sein."