Lokales

"Krötenschleim" und Karateshow

Eine bunte Mischung aus närrischer Unterhaltung, die stellenweise groteske Züge annahm, und vibrierender Spannung bot gestern die Narrentaufe der Kirchheimer Kloster-Deifel und die nahtlos anschließende Bruchtest-Wette des Karatemeisters Holger Mauch auf der Bühne des Marktplatzes.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Die närrische Zeit beginnt im Bereich der alemannischen Fasnet wie sie endet: mit einem Ritual. Das ist auch bei der noch jungen Kirchheimer Narrenzunft der Kloster-Deifel so. "Häs abstauba" und Narrentaufe heißen die Jahr für Jahr wiederkehrenden Zunftübungen, mit der Ober-Deifel Oliver Thaler gestern auch in der Teckstadt die fünfte Jahreszeit eröffnete.

Die Zutaten zum teuflischen Narrenmenü waren in Kirchheim keine anderen wie in Wernau, Wiesensteig, Rottenburg oder Rottweil. Masken, Schellengebimmel, Trillerpfeiffen und Guggamusik stimmten die Besucher in die Fasnetszeit ein. Dazu trugen auch mit den Kloster-Deifeln befreundete Narrenzünfte aus Reichenbach, Plochingen, Wernau und Raidwangen bei, die mit ihrem gelb-grünen, feuerroten und hellblau-weißen Häs für die entsprechenden Farbtupfer auf dem Marktplatz sorgten.

Den meisten Zuschauern erging es wie den Täuflingen. "Sie wissen nicht, was sie erwartet", versicherte Zunftmeister Oliver Thaler und dies klang eher drohend, denn heiter. Vor die Aufnahme in die teuflische Fasnetsgemeinde setzten die närrischen Höllenbewohner schlüpfrig-schleimische Prüfungen, die bei manchem empfindsamen Betrachter den Würgreiz stimulierte.

Es gehörte auch in diesem Jahr zur bewährten Choreografie der Kloster-Deifel, nach der Fasnetserweckung unter den Klängen von "Conquest of Paradise", dem Häs abstauba mit Klobürsten, Flederwisch, Staubwedel und Handfeger sowie der Häsabnahme die Taufe der Narrenanwärter als Höhepunkt der Veranstaltung ans Ende derselben zu schieben.

"Wir haben für unsere sechs Täuflinge eine teuflische Olympiade vorbereitet", verkündete Ober-Deifel Thaler. Zur Seite standen ihm dabei die "Vollstrecker" in weißen Overalls und schwarzen Gesichtsmasken. Aus einem mit "Krötenschleim" gefüllten Bottich mussten die Narrenzöglinge "geblendet" durch eine schwarze Taucherbrille Gegenstände herausholen und ertastend benennen. Die nächste Aufgabe bestand darin, aus einem mit Wasser gefüllten Bottich mit dem Mund eine Zitrone, Knoblauchzehen oder Zwiebeln zu fischen. Doch die "Höllenqualen" sollten sich noch steigern. Als nächstes verpassten die Vollstrecker den Täuflingen eine Kakaopuder-Gesichtsmaske. Nach dieser Prozedur stand Seilhüpfen zur Musik des singenden Känguruhs auf der Prüfungsliste. Das reichte dem teuflischen Zunftmeister jedoch noch nicht: "Wir wollen sie kotzen seh'n", brüllte er in die Menge und seine Vollstrecker verpassten jedem Nachwuchs-Deifel eine Kelle mit unappetitlich grünem Krötenschleim, versehen mit "Ochsenaugen" und "Ochsenblut". Reste von Schleim rannen den Täuflingen über die Kleidung, Kakaopuder klebte im Gesicht und erinnerte an Szenen aus dem Film "Das große Fressen".

Gegen den "teuflischen Durst" hielt der Ober-Deifel und seine Helfer für die "armen Täuflinge" ein Höllengemisch aus "Froschlaich", Lebertran, "Hühnerblut" und Frostschutzmittel parat. Solchermaßen gesättigt und gestärkt erwarteten sechs jungen Deifel die letzte Prüfung: Jedem wurde eine Haarsträhne abgeschnitten und dann mussten sie den Schwur auf die Narrenzunft ablegen und dem Zunftmeister versichern, dass sie sich den Zunftgesetzen unterwerfen. Zum Dank dafür wurde den neuen Kloster-Deifeln Sekt übers Haupt und in den Kragen geschüttet. Nach dem Narrenschlag erhielten sie unter dem Beifall des Publikums ihre Teufelsmasken. Sie hatten die Höllenprüfung mit Bravour und zum Teil stoischer Gelassenheit bestanden.

Seine Prüfung noch vor sich hatte dagegen Karatemeister Holger Mauch, für den es gleich im Anschluss an die Narrentaufe auf dem Marktplatz hieß: "Bühne frei". Er hatte nach der letzten "Wetten dass"-Sendung von Gottschalk in seinem "jugendlichen Leichtsinn" gewettet, mit einem rohen Ei in der Hand vier fünf Zentimeter starke Ytongplatten zu zertrümmern, ohne dass das Ei dabei in die Brüche geht. Eine Karatemeisterin in Gottschalks Sendung hatte es nicht geschafft. "Topp, die Wette gilt", hieß es gestern, und auf dem Marktplatz erstarb das lärmende Treiben der Narren. Mit der Stille stieg die Spannung. Holger Mauch hatte diesen Bruchtest zuvor nicht geübt, wie er versicherte. "Ich weiß nicht, ob ich's schaff". Die fünf Platten lagen bereit. Rechtsanwalt Rolf-Rüdiger Most bestätigte den rohen Zustand der Eier, die Mauch verwenden wollte. Von fünf Versuchen mussten vier erfolgreich verlaufen (siehe Bildbericht Seite 17).

Fotos: Gerald Prießnitz