Lokales

Künftig rollen Handwägelchen durchs Museumsdorf

Ein alter Wasserhahn ziert das Programm des Freilichtmuseums Beuren für die Saison 2007, die am Sonntag, 1. April, um 9 Uhr startet. Um das Lebenselixier drehen sich in den nächsten Monaten zahlreiche Veranstaltungen. Im Übrigen hat das Museumsdorf während der Wintermonate Zuwachs bekommen: Als 23. Gebäude ist das Haus Aichelau in die Beurener Herbstwiesen gezogen.

ANKE KIRSAMMER

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BEUREN Noch ist das neue Gebäude, das sich zur Albgruppe gesellt hat, nicht begehbar. "Ich bin optimistisch, dass wir das 2009 zum 500. Geburtstag des Hauses hinkriegen", meinte Museumsleiterin Steffi Cornelius in der gestrigen Pressekonferenz. Bei der Translozierung hat das Museumsteam neue Wege beschritten: Der 15 Quadratmeter große Gewölbekeller wurde komplett umgesetzt. "Als wir ihn ausgepackt haben, waren sogar die original Spinnweben noch drin", sagte Steffi Cornelius lachend. Und weil die Wände des eigentlichen Gebäudes wie bei einem Fertighaus bereits zusammengezimmert im Museumsdorf eintrafen, ging der Aufbau im November vergangenen Jahres innerhalb von sieben Tagen vonstatten. Mit dem Gebäude verändert sich auch das Gesicht der Albgruppe, duckt sich doch das dazugehörige Ausgedinghäuschen im Schatten seines großen Bruders. Wie am Originalstandort trennt die beiden Gebäude nur ein enger Durchgang von 1,50 Meter.

An weitere "Zuzüge" ist momentan nicht gedacht. Zwar sind noch vier komplette Häuser eingelagert, doch machte Landrat Heinz Eininger klar, dass der Landkreis den Aufbau weiterer Häuser mittelfristig nicht finanzieren kann. Abzüglich des Landeszuschusses von 65 Prozent bleibe am Träger pro Haus ein "satter sechsstelliger Betrag hängen". Auch der im Kreistag umstrittene Aufbau des Hauses Aichelau sei nur möglich gewesen, weil der Förderverein des Museums rund 70 000 Euro an Zins- und Tilgungskosten eines Darlehens schultre.

Das Interesse in der Bevölkerung an "gebauter Geschichte" ist für den Kreisverwaltungschef ungebrochen. Er setzt darauf, dass das Museum in der anstehenden Saison an die Zahl von 84 000 Besuchern vom vergangenen Jahr anknüpfen kann. Das Sammeln und Bewahren von Objekten, das Dokumentieren von Geschichte sowie wertvolle Forschungsarbeit das hält Eininger für die Aufgaben des Museums. Mit dem Veranstaltungsprogramm 2007 werde wieder ein spannendes Kapitel ländlicher Geschichte aufgeschlagen. Aktionen wie der Spätzleswettbewerb rückten die Ernährung in den Blick. Der Themenkomplex "Wasser" mit einer Ausstellung, Vorträgen und Mitmachaktionen, bei denen Kinder beispielsweise mit einem Joch selbst Wasser transportieren können, soll die Bedeutung der Wasserversorgung an der Albkante sowie auf der Alb beleuchten. Der Landrat schlug auch den Bogen zum geplanten Biosphärengebiet: Das Men and Biosphere-Komitee befürworte ausdrücklich, Aspekte wie die Nutzung von Wasser oder auch von Steinbrüchen in Projekten zu akzentuieren.

Ein weiterer Schwerpunkt in der anstehenden Saison ist der Streuobstbau. Ob Tipps zum Baumschnitt, eine Sonderschau unter dem Titel "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm" oder eine zünftige Mostprobe neben der Theorie kommt die Praxis nicht zu kurz. Dazu werden kompetente Partner von Obst- und Gartenbauvereinen, Fachberater und ein Pomologe ins Boot geholt. Verstärkt wollen die Verantwortlichen auch auf Tuchfühlung mit dem Tourismus gehen, sprich dem Verbund der Regio Stuttgart Marketing, mit Hotels und Freizeiteinrichtungen.

Bereits bewährt hat sich die Zusammenarbeit mit der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen. Wie deren Vorstandsvorsitzender Franz Scholz ankündigte, wird weiterhin jede Eintrittskarte mit 1,50 Euro gesponsert. Stattliche 126 000 Euro sind so im vergangenen Jahr ans Freilichtmuseum geflossen.

Wie Steffi Cornelius erläuterte, möchte sich das Museumsdorf in Beuren zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft der Freilichtmuseen in der kommenden Saison auch dem Thema Textilarbeit zuwenden. Eine kleine Präsentation von Bettwäsche, Handtüchern und Wollhandschuhen im Häslacher Rathaus lieferte bereits einen kleinen Vorgeschmack auf das, was die Besucher erwarten wird. Am 26. Mai können Erwachsene eine Filztasche fertigen und am 2. Juni wird es einen Infonachmittag zum Thema "Brechen, Hecheln, Spinnen, Weben Flachsverarbeitung auf der Alb" geben. Auch das Thema Hanf, im Museum mit Genehmigung der Bundesopiumstelle angebaut, wird unter dem Blickwinkel der Herstellung von Textilien unter die Lupe genommen.

Mit einheitlich gestalteten Programmflyern bekommen die Besucher zu Veranstaltungen wie Schäfertagen, Museumsfest, Kinderferientagen und dem Oldtimertreffen detaillierte Infos. Gefüttert werden Informationshungrige zudem mit Faltblättern zu Alblinsen, Spätzle, Musmehl, Topinambur und Leckerem aus dem Backhaus, die neben Rezepten immer auch Hintergründiges vermitteln. Wer sich gerne via Internet kundig macht, dem schallt neuerdings nach einem Klick auf die schwarz-gelbe Fahne ein "Herzliches Grüaß Gott" entgegen. Bedient wird unter www.freilichtmuseum-beuren.de darüber hinaus, wer des Englischen, Französischen, Portugiesischen, Russischen, Ungarischen oder Niederländischen mächtig ist.

Selbstversorger wird's freuen: Beim Bolzplatz, im Bereich des Schafstalls und bei der Albgruppe wurden Vesperplätze installiert. Für Familien gibt es noch ein Argument, dem Museumsdorf einen Besuch abzustatten: Lästiges Gepäck kann künftig bequem in geliehenen Handwägelchen von Haus zu Haus gezogen werden.