Lokales

Künste mit Suchtfaktor

Attraktion mittelalterliches Handwerk

Rund 300 Handwerker und Artisten füllten am Wochenende die Burgruine Hohenneuffen mit mittelalterlichem Leben. In authentischen Kleidern und mit viel Passion fesselten sie die Besucher des zwölften historischen Handwerkermarktes.

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Tobias Flegel

Neuffen. „Ziel ist, dass ich nicht anfange zu brennen“, informierte der Jongleur und Feuerkünstler Peer Fietzek sein Publikum. Dann löschte er brennende Spieße mit dem Mund und warf bis zu vier Messer gleichzeitig durch die Luft, während er in Reimen und mit Komik seine Kunststücke kommentierte. Viele seiner Zuschauer, die anfangs nur zögerlich verweilten, blieben bis zum Schluss der Ein-Mann-Show.

Fietzek gehörte zum Tross von rund 300 Handwerkern und Artisten, der am Wochenende die Ruine Hohenneuffen zwei Tage lang mit mittelalterlichem Leben füllte. Schon am Aufstieg zur Burg präsentierten Schmiede, Scherenschleifer, Trommelmacher und Vertreter anderer alter Zünfte ihr Geschick. Oben, zwischen den Mauern der ehemaligen Festung, zogen zusätzlich Bettler, Gaukler, Narren und Zauberer die Besucher in ihren Bann. Musiker sorgten auf Dudelsäcken, Trommeln und Drehleiern für die passende Musik.

Markttage haben auf dem Hohenneuffen ein lange Tradition. Auf den 16. August 1198 ist die erste urkundliche Eintragung der Herren von Neuffen im Selekt von Kaiser Philip datiert. Verantwortlich für die Rückkehr des mittelalterlichen Treibens ist jedoch der Pächter des Burgrestaurants Axel Vetter.

Seit zwölf Jahren veranstaltet der Gastronom den Handwerkermarkt in der Ruine. „Wir haben schon zuvor Ritteressen bei uns angeboten“, sagt Vetter. Der Zuspruch zu seinen Tafelrunden und das Ambiente der Burg hätten ihn schließlich auf die Idee gebracht, die Veranstaltung zu starten. Diese hat sich mittlerweile zu einem der größten Mittelalter-Treffs in der Region entwickelt. „Der Markt ist zu einem Selbstläufer geworden“, sagt der für die Betreuung der Darsteller zuständige Willy Heinickel.

Artisten wie Peer Fietzek dienen die Schautage als Plattform für ihre Leidenschaft. „Es ist schön, wenn man den Leuten etwas gibt und die honorieren das mit Applaus“, sagt er. So ein unmittelbares Lob bekomme man im Job selten. „Aber“, räumt der Diplom-Physiker ein, „dieses Gefühl kann süchtig machen.“ Auch um jenen Kick zu bekommen, ist der 26-Jährige 800 Kilometer aus Kiel angereist. Ähnliches hört man vom Trommelmacher Christian Malzahn. „Bei mir ist Beruf und Berufung eins“, sagt er. „Wenn das keinen Spaß mehr macht, mach ich es nicht mehr.“ Die Schmiede Bernd Linke und Klaus Finsterer nutzten den Markt dagegen, um Kunden zu gewinnen und Gleichgesinnte zu treffen. Foto: Jean-Luc Jacques