Lokales

Künstlerische Begegnungen am Neckar

KIRCHHEIM Was herauskommt, wenn sich "Namensvettern" aus dem Ober- und und aus dem Unterland treffen, seien Beziehungen, stellte Bürgermeister Uwe Seibold, Bürgermeister von Kirchheim am Neckar bei der Eröffnung einer Ausstellung fest, die Bildern, Grafiken und Objekten der beiden Künstler Rosemarie Beißer und Boba Cvorkov aus Kirchheim unter Teck gewidmet ist. Bei der Vernissage im lichtdurchfluteten Rathaus-Foyer gab Johannes Nagel, als intimer Kenner der Arbeiten der beiden Künstler und langjähriger Vorsitzender des Kirchheimer Kulturvereins, interessante Einblicke in das Wirken von Rosemarie Beißer und Sebastian Cvorkov in der ihm bestens vertrauten Kulturszene.

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"Eine fleißige und sehr schaffensfrohe Künstlerin" sei Rosemarie Beißer, die an der Druckpresse aus Fragmenten mittelformatige Farb- und Holzdrucke, Radierungen und Zeichnungen entstehen lässt, die sie als Erinnerungen an Bilder, Eindrücke und Fundsachen wahrnimmt. Die 1951 in Ravensburg geborene Künstlerin arbeitet als Lehrerin und Ausbilderin am Pädagogischen Fachseminar in Kirchheim.

Ihre künstlerische Arbeit lebt von einem humorvollen, gelegentlich satirischen Blick auf ihre Erfahrung im Umgang mit Menschen, was sich auch in Titeln ihrer Werke wie "Vom Sofa dieser Tage", oder "An großen und kleinen Tagen" widerspiegelt. Wenn Rosemarie Reißer gar den Speicher einer ehemaligen bekannten Tuch- und Stoffweberei im Stockwerk über ihrem Atelier in einer alten Fabrik durchstöbern kann, kennt ihre Fantasie kein Halten mehr.

Ein richtiger "Hingucker" aus diesem Schaffensdrang entstanden sind dann auch die "Sieben Ochsen, schwebend". Herrlich bunte, den Betrachter nahezu verschmitzt anlächelnde Hörner-Paare, die nun für einige Wochen über der Rathaus-Treppe schwebend, die Besucher der Verwaltung von Kirchheim am Neckar begrüßen.

"Beziehungen gewebt, geschaffen, gepflegt, gelöst, aufgekündigt", seien Boba Cvorkov zum Generalthema seines Kunstschaffens geworden, stellte Johannes Nagel anschließend fest. Seine formenden, luftigen und doch Zusammenhalt symbolisierenden Drahtobjekte umgeben zugleich stabil, fragil und labil Räume und machen diese sichtbar. "Räume werden Körper und vergehen, die Hülle bleibt das Gerüst", erläuterte Johannes Nagel bei der Ausstellungseröffnung. "Aber wie Gedanken, die dereinst der Körper aussendet, wirft das Gerüst Schatten" Schatten als Metamorphose von Gelebtem.

Boba Cvorkov, geboren 1948 im jugoslawischen Ruma, lebt und arbeitet schon seit über 40 Jahren in Kirchheim. Als Maler und Grafiker sucht er abstrakte Aussagen zu lebensnahen und personennahen Beziehungen. Archaische Grundformen werden von Strömen der Zeit zu neuen Aussagen, neuen Facetten geformt. "Panta rhei" alles ist im Fluss fordert Kreativität. Diese Form der Lebensbewältigung setzt Boba Cvorkov mit Humor um und bedient sich dabei einer Ästhetik mit hohem handwerklichem Anspruch.

jk