Lokales

Künstlerkolonie setzt Akzent

Arbeiten von Sven Falk, Michael Mayer und Jürgen Roesner in Dettingen

Dettingen. Ein wenig ruhig ist es in den letzten Jahren um die Dettinger „Stelle 21“ geworden, doch der Schein trügt: die „Künstlerkolonie“ auf dem Areal der ehemals Bergerschen Tuchfabrik verströmt weiter-

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FLORIAN STEGMAIER

hin und ungebrochen ihre künstlerischen Potenziale, derzeit nachzuvollziehen in einer Ausstellung mit Arbeiten von Sven Falk, Michael Mayer und Jürgen Roesner im Dettinger Rathaus.

Mit der Kamera erkundete Sven Falk die nähere Umgebung. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: die „Stelle“, inszeniert als beschaulich-morbides Idyll, daneben Weitwinkel-Panoramen, in unterschiedlichsten Witterungsbedingungen von mehr oder minder prominenten Standorten des Albtraufs aus aufgenommen.

Die äußerst gering gewählte Brennweite führt zur Verfremdung, lässt scheinbar vertraute Sujets – beispielsweise den Breitenstein oder einen Blick ins Lenninger Tal von der Teck aus – in neuem, irritierendem Licht dastehen. Die Fotografie – so scheint es – wächst über ihren dokumentierenden Anspruch hinaus und eröffnet längst Gesehenem neue visuelle Qualitäten.

Mehr dem Kunsthandwerk als der „freien“ Kunst verpflichtet, zeigt sich Michael Mayer. Der gelernte Maßschuhmacher ist seit 1991 selbstständig mit der Fertigung von Ledertaschen, Accessoires und Schuhen tätig. Mit seinem Produkten tangiert er jedoch durchaus den aktuellen Kunstbetrieb, kommen doch seine Taschen zuweilen mit überraschenden, wenn auch handwerklich grund­soliden Materialzusammenstellungen daher. Sitzgurte aus dem Auto oder alte Getreidesäcke haben somit durchaus Objektcharakter und erfuhren in diversen Ausstellungen –zuletzt im Museum Zons in Dormagen – ihre Würdigung.

En passant erhält man beim Gang durch die Ausstellung noch einen Gratiskurs Materialkunde: wem gerade nicht mehr präsent ist, was unter „lohgarem Fahlleder“ zu verstehen ist, kann diese unangenehme Wissenslücke dank Michael Mayers fachlicher Kompetenz rasch schließen.

Ob versteinert, vergoldet, mit schuppiger Tannenzapfenhaut, Dornen und Gamsgeweih versehen, ins Fell gesteckt oder dem Exotismus fröhnend als Litschi getarnt – die Brezel in all ihren (un)möglichen Variationen ist längst zum Markenzeichen von Jürgen Roesner geworden. Skurrilität und Kreativität fallen hier fruchtbar zusammen. Seine eigenwillige Art, kunstvoll um die Ecke zu denken, schafft Raum für Neues. Dass das Neue dabei zuweilen kurios anmutet stört nicht. Im Gegenteil: in Zeiten eines nivellierten, quantitativ überschwemmten Kunstmarktes sind es gerade erfrischende Exoten wie Jürgen Roesner, die völlig abseits jedweden sich anbiedernden „Mainstreams“ ein wenig Leben und Witz in die Kunstlandschaft hineintragen.

Die von dem Dettinger Verein „kultur-ecce“ initiierte Ausstellung kann bis einschließlich Freitag, 13. Juni, zu den Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung im Dettinger Rathaus besichtigt werden.