Lokales

Kult statt „No-Go“

Probier‘s mal mit Gemütlichkeit: Heute ist Internationaler Tag der Jogginghose

Sie fehlt in keinem Kleiderschrank: die Jogginghose. Egal ob zum schweißtreibenden Sport oder zum Faulenzen auf dem Sofa – der Allrounder aus Jersey erfüllt vielerlei Zwecke und hat es sogar zu einem ­eigenen Gedenktag gebracht.

In Jogginghosen zum Sport, zur Arbeit oder zum Bäcker: Wer die Kult-Klamotte würdigen möchte, hat am heutigen Tag Gelegenheit da
In Jogginghosen zum Sport, zur Arbeit oder zum Bäcker: Wer die Kult-Klamotte würdigen möchte, hat am heutigen Tag Gelegenheit dazu.Foto: Jean Luc-Jacques

Kirchheim. Jeder hat eine zu Hause, aber nur die wenigsten stehen auch im Alltag zu ihr: die Jogginghose. Egal ob ambitionierter Hobby-Athlet oder entspannte Couch-Kartoffel, kaum ein anderes Kleidungsstück ist in der Lage, sowohl Fitness als auch Gemütlichkeit zum Ausdruck bringen zu können. Von vielen als zum „Schlabber-Look“ gehörend abgetan, wird die Jogginghose besonders bei der U20-Generation als alltagstauglich angesehen. Für sie hat die Jogginghose Kultstatus.

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Das bringt Eltern zur Verzweiflung und sorgt bei anderen Erwachsenen regelmäßig für irritiertes Kopfschütteln. „Gerade im schulischen Bereich kommt das Thema häufig auf“, weiß Gerhard Klinger, Rektor der Kirchheimer Raunerschule. An Tagen mit Sportunterricht seien die Schüler vereinzelt gerne mal den ganzen Tag in Jogginghose unterwegs. „Aus Bequemlichkeit, weil sie sich nicht extra Sportzeug mitnehmen möchten“, vermutet der Schulleiter, der selbst gern die Krawatte im Schrank lässt. Zwar ist man an der Raunerschule weit entfernt davon, den modischen Zeigefinger zu erheben oder die abgewetzten Adidasbuxen gar vom Schulhof verbannen zu wollen. Dennoch wird versucht, bei den Schülern in den höheren Klassenstufen und in den Kooperationsklassen, das Bewusstsein dafür zu schärfen, welche Kleidung im Alltag angemessen ist und welche in die Freizeit gehört.

Der „Tag der Jogginghose“ ist Axel Stephan vom Intersport Räpple in Kirchheim zwar kein Begriff, er kann aber die Beliebtheit des Beinkleides bestätigen: „Sie ist einfach ein Klassiker, der ganzjährig viele Anhänger hat und sich durchgängig gut verkauft“, so der Filialleiter. Dass sie dabei längst nicht mehr nur zum Sport getragen wird, sondern vielmehr aus Bequemlichkeit, ist in seinen Augen gar nicht schlimm. „Sie ist eben locker-gemütlich und wird so den verschiedensten Ansprüchen gerecht.“ Bei Männern ist sie aber beliebter als bei Frauen, stellt Stephan fest. „Für die Damen gibt es bedeutend schönere, sportliche Kleidungsstücke.“

Tatsächlich gibt es aber immer mehr Frauen, die es eben nicht für modischen Selbstmord erachten, in Jogginghosen vor die Tür oder sogar zur Arbeit zu gehen. „Sie sind durchaus salonfähig, wenn man es richtig macht“, findet etwa Sabine Henzler, Inhaberin der Kirchheimer Modeboutique „s.he“. In ihrem Geschäft hat sie verschiedene dieser Hosen im Angebot. Natürlich darf es dabei nicht die ausgebeulte Gammelklamotte sein, die findet auch Henzler nicht besonders schön. „Es gibt aber Modelle, die durch besondere Stoffe oder Verzierungen mit Pailletten alltagstauglich werden. Verbunden mit dem richtigen Styling ist das längst kein No-Go mehr“, betont Henzler. Dabei gehe es vor allem darum, die richtige Balance zwischen Lässigkeit und Eleganz zu finden: „Kombiniert mit Schuhen mit Absätzen, einem Blazer und weiteren Accessoires kann diese Form der Hose sehr stilvoll wirken, ohne das man sich dafür schämen muss.“ Der Trend zur Jogginghose hat sich in den letzten Jahren bereits abgezeichnet: „Immer mehr Modedesigner holen sich ihre Inspiration von der Straße. Sportlich-lässige Kleidung ist beliebt, und die Jogginghose ist von allen Kleidungsstücken am einfachsten mit anderen zu kombinieren.“

Übrigens: Neben dem „Tag der Jogginghose“ ist heute außerdem „Weltknuddeltag“. Wer nicht weiß, welchen der beiden kuriosen Gedenktage er begehen möchte: Jogginghose und knuddeln passen ganz gut zusammen. Also her mit der Kuschelhose und ab aufs Sofa, und im Zweifelsfall um des Modefriedens willen dort bleiben.