Lokales

Kultur der Menschlichkeit

AK Asyl pflanzt Baum für Flüchtlinge vor der Kirchheimer Bastion

„Flüchtlinge sind ein Teil unserer Gesellschaft, sie haben Platz in unserer Gesellschaft“, betonte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker anlässlich einer Baumpflanz-Aktion des Arbeitskreises Asyl am vergangenen Freitag. Ein kleiner Platz, wo dies sichtbar werden soll, befindet sich am Treppenaufgang zur Kirchheimer Bastion: Dort steht nun ein „Baum für Flüchtlinge“, ein vier Meter hoher Trompetenbaum.

Kirchheim. Die Mitglieder des Arbeitskreises Asyl Kirchheim wünschen sich, dass Flüchtlinge Wurzeln schlagen können in ihrer Stadt. So setzten sie eine Idee des Flüchtlingsrats Baden-Württemberg in die Tat um und pflanzten zu dessen 20-jährigem Bestehen einen von vielen Bäumen im Land. Er soll ein Zeichen der Verantwortung für Menschen sein, die nach ihrer Flucht und oft nach Jahren der Ungewissheit eine neue Heimat brauchen.

Möglich wurde die Aktion nur durch die Unterstützung von vielen Seiten: Die großzügige Spende des Baums durch die Baumschule Christoph Ulmer in Weilheim, die kostenlose Durchführung der aufwendigen Pflanzarbeiten durch die Gartenbaufirma Köber, die organisatorische Unterstützung durch die Bastion. Die beiden jungen Musiker Maren Sequens und Jörg Weigele umrahmten gekonnt und einfühlsam die Veranstaltung mit „Weltmusik“ in verschiedenen Sprachen. Auch sie verzichteten auf ihre Gage.

Marianne Gmelin, die Beauftragte für Flüchtlinge im Kirchenbezirk Kirchheim, begrüßte etwa hundert Menschen, die zur Pflanzaktion gekommen waren – Flüchtlinge und andere Kirchheimer. Eine bunte Menge scharte sich um den Baum und schmückte ihn mit guten Wünschen, die auf weiße Stoffstreifen geschrieben wurden. Auf Arabisch, Tamilisch, Türkisch, Englisch und Deutsch wurden Wünsche formuliert wie „Mehr Gerechtigkeit“, „Bleiberecht für Geduldete“, „Eine Zukunft ohne Angst“ und sogar ein Gedicht zu Stoff gebracht.

Auf die Unveräußerlichkeit des im Grundgesetz verankerten Rechts auf Asyl wies die Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker in ihrer Rede nochmals hin, dankte allen in der Flüchtlingsarbeit Aktiven und versprach auch künftig die finanzielle Unterstützung der Stadt für den Arbeitskreis Asyl. Roland Böhringer, der Leiter des Amts für Familie und Soziales, brachte zum Ausdruck, dass die Stadtverwaltung der Anfrage des Arbeitskreises nach einem guten Standort für den Baum gerne nachgekommen sei. In Kirchheim habe man Flüchtlingen schon immer einen guten Platz eingeräumt. Das habe angefangen bei den Flüchtlingen, die nach dem Weltkrieg in großer Zahl in die Stadt gekommen seien, und sei später, als die Stadt in den Achtzigerjahren wegen vieler Asylsuchender vor großen Herausforderungen gestanden habe, fortgesetzt worden. Auch er bedankte sich für die ehrenamtliche Unterstützung bei diesen Bemühungen.

Vom Flüchtlingsrat Baden-Württemberg war dessen Sprecher Reimar Krauß gekommen, der bis vor Kurzem das Amt des Kirchenbezirksbeauftragten für Flüchtlinge in Kirchheim innehatte. Er kritisierte die deutsche und die europäische Asylpolitik. Die baden-württembergische Verfassung garantiere eigentlich das „Recht auf Heimat“, das Flüchtlingen aber durch restriktive übergeordnete Regelungen verwehrt werde. In Kirchheim, so wisse er aus Erfahrung, werde Flüchtlingsarbeit unterstützt. „In der Bastion unten findet gute Kultur im Keller statt. Hier oben auf den Straßen und in den Häusern wird eine Kultur der Menschlichkeit gepflegt.“ pm