Lokales

Kultur-Mix in "zauberhaftem Ambiente"

Lange schlummerte sie im Dornröschenschlaf, ehe kunst- und kulturbegeisterte Zeitgenossen sie wachküssten: Die baumbestandene Marstallwiese an der Stadtmauer gleich neben dem Schlossplatz wird in der letzten Juli-Woche zum Schauplatz eines besonderen Ereignisses unter freiem Himmel. Unter dem Titel "Kunst und Kultur am Schloss" steigt ein wahres Veranstaltungsfeuerwerk im Herzen der Altstadt.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Gerhard Fink hat längst schon ein Auge auf die verborgene Schönheit der Marstallwiese geworfen: "Dieser Platz ist einfach ideal", schwärmt der Leiter des vhs-Kulturrings, "er ist optisch ansprechend, stadtnah und bietet enorme akustische Qualität." Jetzt wird der Traum, dort eine Open Air-Veranstaltung abzuhalten, Wirklichkeit. In der jüngeren Vergangenheit wurde der Marstallgarten, der sich wie das Schloss in Landesbesitz befindet, schon vermehrt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht im Rahmen städtischer Veranstaltungen. Jetzt jedoch steigt vom 24. bis 31. Juli eine Art Doppelevent: Theater und Musik gibt es am und im Schloss, auf dem Platz davor findet auf Initiative von Monika Majer vom Kunstverein ein Kunstsymposium statt. Auf einen Kulturmix "in zauberhaftem Ambiente" freut sich schon Gabriele Huttenlocher, die die Ideen der Kunstschaffenden in Kirchheim koordiniert.

Örtliche Vereine und Gruppierungen ins Programm zu integrieren war den Kulturring-Verantwortlichen ebenso wichtig wie die Möglichkeit, durch externe Größen Highlights zu setzen. Den Auftakt wird am Sonntag, 24. Juli, die Sommer-Serenade der Stadtkapelle machen, auf die am Montag, 25. Juli, das Kooperationsprojekt verschiedener Chöre aus Kirchheim mit über 150 Beteiligten folgt: das Musical "Freude". Am Dienstag, 26. Juli, präsentiert die Württembergische Landesbühne ihren "Glöckner von Notra Dame", ehe das Schwäbische Kammerorchester mit der Ballettschule Lincke am darauf folgenden Mittwoch und Donnerstag für mediterranes Flair sorgt unter dem Titel "Soiree Mediterranee". Das Chaostheater Oropax gastiert auf Initiative des clubs bastion am Freitag, 29. Juli, und am Samstag sind mit den Komödianten des "Chawwerusch" alte Bekannte des Kulturrings am Zug. Den Abschluss macht Georg Lawall mit "Lulu in der Kastanienstadt" am Sonntag, 31. Juli, im Schlosshof.

Der Kartenvorverkauf ist bereits angelaufen. 430 Sitzplätze wollen die Initiatoren jeweils auf der Marstallwiese anbieten. "Vielleicht passen auch 500 hin", überlegt Gerhard Fink. Erfahrungswerte gibt es noch nicht, denn das Ganze ist eine Art Pilotprojekt. Gelernt hat man bereits aus den Erfahrungen des "Kirchheimer Kultur-Sommers", der sich 2003 an das Landeskinderturnfest anschloss und deshalb im Zelt beim Stadion stattfand, also außerhalb der Stadt. Heuer wird die Bühne direkt vor der Stadtmauer aufgebaut, und die Zuschauer dürfen unter den Bäumen im Marstallgarten Platz nehmen. "Auf Regenschutz verzichten wir, denn alle denkbaren Lösungen sind hässlich", setzt Fink ganz auf Beistand "von oben". Ein Hintertürchen steht dennoch offen: "Wenn's je nicht funktioniert, geht's ab in die Stadthalle."

Diese Alternative haben die fünf Künstler nicht, die von Dienstag, 26. Juli, bis Samstag 30. Juli, im Angesicht der Zuschauer Arbeiten zum Thema "Begegnungen" entstehen lassen. Vorgesehen ist dabei ein reger Austausch mit Passanten Begegnungen eben. "Wir rechnen damit, dass wir 50 Prozent der Zeit arbeiten und 50 Prozent kommunizieren", schätzt Initiatorin Monika Majer, die bereits andernorts hervor-ragende Erfahrungen gesammelt hat, mit derlei Projekten. Außer der Kirchheimer Steinbildhauerin sind vier Kollegen mit von der Partie: Steinbildhauer Jochen Herzog aus Kirchheim, Objektgestalter Steffen Neidhardt aus Stuttgart, der Stein- und Holzbildhauer Frank Teufel aus Tuttlingen und der Künstler Samy Virmoux aus Notzingen. Gearbeitet wird mit Stein und Holz. Die dort öffentlich entstehenden Kunstwerke werden für ein Jahr städtische Plätze zieren. Begleitend zum Kunstsymposium gibt es zwei Ausstellungen: In der Kornstraße 4 soll die Entstehung der Kunstwerke fotografisch dokumentiert werden, und in der Volksbank ist von jedem beteiligten Künstler ein bereits fertig gestelltes Werk zu begutachten.

Ob Happening tagsüber oder kultureller Leckerbissen am Abend in der letzten Juli-Woche wird in der Kirchheimer Innenstadt sicher jedermann nach seinem Geschmack fündig. Selbstverständlich wird auch für Bewirtung gesorgt. Dass Kirchheim mit seinem neuen Highlight zum Start der Sommerferien rundum Konkurrenz hat angesichts wachsender Begeisterung für sommerliche Open-Air-Spektakel, wissen die Verantwortlichen wohl. Doch die innenstadtnahe Platzwahl vor der Kulisse des schmucken Renaissance-Schlosses ist ebenso schwer zu überbieten wie das abwechslungsreiche Programm. 40 000-fach wird übrigens bereits dafür geworben mit einem schilfgrünen Flyer, der das erste Kooperationsprojekt mit der Stuttgart Regio darstellt willkommene Imagewerbung für Kirchheim noch vor dem offiziellen Beitritt der Stadt.

KartenvorverkaufKarten gibt es bei der Kirchheim-Info in der Max-Eyth-Straße 15, Telefon 0 70 21/30 27, und beim vhs-Kulturring in der Max-Eyth-Straße 18, Telefon 0 70 21/97 30 30.